Regionale Künstler machen „Quarantänekunst“ gegen das Vergessen 

„Die Isarschiffer“ Doro und Rainer Berauer haben für das Projekt „Quarantänekunst“ einen Titel komponiert und eingespielt. RE

Als Mitte März sämtliche Veranstaltungen wegen Corona abgesagt wurden, saßen auch die Feldkirchen-Westerhamer Künstler Doro und Rainer Berauer von einer Sekunde auf die andere arbeitslos daheim. Sie starteten das Projekt „Quarantänekunst“ – eine neue Form der Unterhaltungskultur in Social Media.

Feldkirchen-Westerham – Die Corona-Krise trifft die gesamte Welt. Doch eine Sparte leidet ganz besonders unter den Beschränkungen, Verboten und ausgefallenen Veranstaltungen: die Künstler. Ohne das Publikum, das sich auf einer Veranstaltung treffen kann, entfallen ihnen alle Einnahmen.

Dabei ist es gerade die Kunst, die in dieser schwierigen Zeit die so notwendige Ablenkung von all den Nachrichten und dem manchmal einsamen Alltag bringt. Der momentanen Lage nach zu urteilen werden jedoch viele Künstler aufgeben müssen.

Kunst in der Quarantäne

Das weiß auch Rainer Berauer aus Feldkirchen-Westerham. Der „Isarschiffer“ und sein Kollege Rolf Zollner – beide Musikkabarettisten – gehören zu den rund 40 Mitgliedern des Künstlerkollektivs „Quarantänekunst“, das sich im März unter der Führung der Münchner Schauspielerin Christina Baumer gegründet hat und seitdem auf Facebook, Youtube und Instagram über 4000 Follower mit Kunst aller Gewerke versorgt. Sie wollen auf die prekäre Lage aller Künstler hinweisen, denn auch wenn Soforthilfepakete beschlossen wurden, sind viele Kunstschaffende aufgrund fehlender Betriebsausgaben einfach nicht förderberechtigt.

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Und ALG II zu beantragen für eine Notsituation, für die sie nichts können – das widerstrebt ebenfalls vielen. Also beschlossen Rainer Berauer und Zollner, mit verschiedenen anderen Musikern der „Quarantänekunst“ ein Lied darüber zu schreiben und aufmerksam zu machen auf die Lage der Künstler. Denn, so heißt es im Refrain: „Ohne uns, ohne Kunst wird’s stad“.

Die Kontaktbeschränkungen einhaltend, wurde der Song unter der Federführung von Berauer und Zollner komponiert, von jedem bei sich zu Hause eingespielt, eingesungen und ein Musikvideo gedreht. Darin zeigen die Künstler, wie Langeweile und Einsamkeit einkehren, wenn die Kunst nicht mehr da ist.

Mit dabei sind bekannte bayerische Sänger wie die „Isarschiffer“ Rainer und Doro Berauer, Viktoria Lein, Tom Gubik, Andrea Limmer, Horst Eberl, Rolf Zollner und Bernie Maisberger. Auch aus anderen Bundesländern beteiligen sich Künstler verschiedenster Gewerke an diesem Lied.

Hoffnung, dass die Kunst überlebt

„Es bleibt die Hoffnung, dass neben der Rettung des Fußballs und der Wirtschaft auch der zweitertragreichste Umsatzgenerator Deutschlands, die Kultur, die zusätzlich die meisten Arbeitsplätze in Deutschland stellt, sowohl von Politik als auch vom Publikum nicht vergessen wird“, sagt Berauer. Die „Quarantänekunst“ und ihre Mitglieder leisten dazu ihren Beitrag. Denn, so sagt Rainer Berauer: „Mit der Kultur ist es wie mit der Heimat. So richtig geschätzt wird sie erst, wenn man sie verliert.“

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