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Rechtsstreit und fehlender Hochwasserschutz

Einheimischenmodell in Feldkirchen-Westerham noch in der Warteschleife

Das Einheimischenbauland an der Ollinger Straße kann erst bebaut werden, wenn mit dem Regenrückhaltebecken an der Glonner Straße der Hochwasserschutz geschaffen wurde.
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Das Einheimischenbauland an der Ollinger Straße kann erst bebaut werden, wenn mit dem Regenrückhaltebecken an der Glonner Straße der Hochwasserschutz geschaffen wurde.
  • VonManfred Merk
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In den vergangenen Jahren hat die Gemeinde Feldkirchen-Westerham vielen jungen Familien über das „Einheimischenmodell“ eigenen Grund anbieten können. Nun ist das soziale Wohnbaulandprogramm ins Stocken gekommen, obwohl die Gemeinde in Großhöhenrain und Feldkirchen Grundstücke hat.

Feldkirchen-Westerham – Grundstücks- und Immobilienpreise kennen nur noch eine Richtung: weiter nach oben. Dem gegenüber steht ein steigender Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Feldkirchen-Westerham macht da keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil. Die westlichste Kommune des Landkreises Rosenheim grenzt unmittelbar an den „wirtschaftlichen Speckgürtel“ rund um die Landeshauptstadt München an.

Das bedeutet auf der einen Seite relativ sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze und für die Gemeinde einen hohen Anteil an der Lohn- und Einkommensteuer. Auf der anderen Seite aber fehlen Wohnungen. Das bedauern viele, die dadurch zeitaufwendiges Pendeln zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen müssen. Doch auch einheimische junge Leute, die eine Familie gründen wollen, finden nur schwer eine bezahlbare Wohnung, geschweige denn ein Grundstück für eigenes Haus. Der amtliche Bodenrichtwert für Baugrund in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham liegt aktuell zwischen 850 und 1000 Euro pro Quadratmeter.

Grundstücke sind knapp und teuer

Das in der Gemeinde seit mehreren Jahrzehnten erfolgreiche Modell „Bauland für einheimische Bürger“ scheint dagegen an Bedeutung zu verlieren. Mehrere Hundert Bürger in Feldkirchen, Westerham, Feldolling, Groß- und Kleinhöherain sowie Vagen sind mit diesem Programm zu eigenem Grund und Boden gekommen.

Doch wie könnte dieses bewährte Einheimischen-Programm wieder aktiviert werden? Bürgermeister Hans Schaberl (parteilos) verweist auf die knappen und teuren Grundstücke. „Derzeit fast aussichtslos“, sagte er, ergänzt aber: „Zwei Eisen haben wir noch im Feuer, wenn auch auf unbestimmte Zeit noch in der Warteschleife.“ Gemeint sind die geplanten Wohngebiete „Mayr-Anger“ in Großhöhenrain und der Bereich an der Ollinger Straße in Feldkirchen.

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Doch in Großhöhenrain sind derzeit Rechtsanwälte im Auftrag der Anrainer und der Gemeinde mit der Auswertung von Bodenproben und möglichen Folgen beauftragt. Erst dann kann ein Teil der Flächen an die Bewerber vergeben werden.

Anders sieht es an der Ollinger Straße aus. Schon seit 16 Jahren ist die Gemeinde Feldkirchen-Westerham im Besitz des ortsnahen, rund 8000 Quadratmeter großen Grundstücks. Es liegt zwischen dem Rathaus und dem Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt. Die Aufstellung eines Bebauungsplanes und den Aufstellungsbeschluss für ein Bauleitplan-Verfahren hat der Gemeinderat schon im November 2019 beschlossen (wir berichteten). Vorgesehen sind Geschosswohnungsbauten, eine Tiefgarage und ein Parkdeck. Den Planungsentwurf „Ollinger Straße“ hat das Büro PLG aus Rosenheim erstellt.

Die Anregungen und Bedenken der Träger öffentlicher Belange hat der Gemeinderat in einer seiner letzten 2021er-Sitzungen beraten. Stellungnahmen in den Bereichen Bauleitplanung, Wasserrecht und Naturschutz wurden vom Landratsamt Rosenheim angefordert, fachliche Berichte auch vom Amt für Denkmalpflege und der Handwerkskammer.

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Interessant ist die Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim: „Mit der Aufstellung dieses Bebauungsplanes soll ein Baurecht für mehrere Mehrfamilienhäuser und einer Tiefgarage entstehen. Die Fläche des Bebauungsplanes liegt unmittelbar am Feldkirchner Bach, für den die Gemeinde ein Überschwemmungsgebiet ermittelt hat, das vom Landratsamt vorläufig gesichert wurde. Der Bereich dieses Bebauungsplans wäre bei einem 100-jährigen Hochwasserereignis derzeit mehrere Dezimeter überflutet.“

Nach dem Bau des Hochwasserrückhaltebeckens an der Glonner Straße, das sich derzeit im Genehmigungsverfahren befindet, wären nur noch geringe Flächen von Überschwemmungen bedroht. Im Umkehrschuss heißt das aber, dass das Grundstück zwischen dem Seniorenheim und dem Rathaus erst dann bebaut werden darf, wenn dieses Rückhaltebecken angelegt worden ist.

„Das es mit dem Hochwasserschutz nicht vorangeht, scheiterte bislang nicht an der Gemeinde, sondern am Landratsamt“, erklärt Bürgermeister Hans Schaberl auf Anfrage des Mangfall-Boten: „Wir warten seit langem auf die Genehmigung dieses Beckens.“ Doch allein mit der Baugenehmigung ist es nicht abgetan. „Auch der Feldkirchner Bach müsste neu überplant werden“, so Schaberl weiter. Die Frage, ob in diesem Jahr damit noch gerechnet werden kann, kann auch der Bürgermeister nicht beantworten.

Wohnraum durch Nachverdichtung

Eine mögliche Lösung, um mehr Wohnraum in der Gemeinde zu schaffen wäre eine Nachverdichtung. Diese wurde neben anderen auch von Bürgermeister Hans Schaberl (parteilos) und Elisabeth Spielmann (Grüne) schon mehrmals angesprocheng. Um die Anträge für die bestehenden Häuser, die eventuell nachverdichtet werden sollen, genau prüfen zu können, braucht die Gemeinde klare Vorgaben.

„Wir müssen das Thema Nachverdichtung neu überdenken, es bietet noch viele Möglichkeiten, kostengünstigen Wohnraum zu schaffen“, betont Spielmann. Die Grünen-Gemeinderätin will sich gegen die Ausweisung neuer Wohngebiete wehren, um den Flächenverbrauch einzudämmen. Stattdessen will sie die Möglichkeiten der zumutbaren Nachverdichtung genau prüfen lassen. In die aktive Wohnraumbeschaffung will Spielmann auch die Besitzer bestehender und oftmals leer stehender Immobilien mit einbeziehen.

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