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150 JAHRE SHV

Feldkirchen-Westerham: Warum sich im Senioren- und Heimatverein fast alles nur um die Männer dreht

Stammtisch 1844 in Feldkirchen: Auch dieses Werk ist im Besitz der Heimatkundlichen Sammlung der Gemeinde Feldkirchen-Westerham.
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Stammtisch 1844 in Feldkirchen: Auch dieses Werk ist im Besitz der Heimatkundlichen Sammlung der Gemeinde Feldkirchen-Westerham.
  • Ines Weinzierl
    VonInes Weinzierl
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Der Senioren- und Heimatverein (SHV) Feldkirchen-Westerham mit seinen 250 Mitgliedern feiert heuer 150-jähriges Bestehen. Kassier Wilfried Hauffen erzählt im Interview, warum der Verein gegründet wurde, was sich der Verein wünscht und warum die Männer so im Mittelpunkt stehen.

Feldkirchen-Westerham - Ein dreifaches Jubiläum begeht heuer der Senioren- und Heimatverein (SHV) Feldkirchen-Westerham – mit seinen rund 250 Mitgliedern: 150 Jahre Verein, 150. Todestag des Vereinsgründers und 15 Jahre Vertrag zwischen Verein und Gemeinde über die Heimatkundliche Sammlung (HkS) – mit rund einem Dutzend ehrenamtlichen Helfern. Geplant ist auch ein Jubiläumsprogramm – allerdings stehen die Termine noch nicht genau fest. Corona lässt grüßen. Aus welchen Gründen der einstige „Greisenverein“ gegründet wurde, welche Wünsche man hat und was es mit der Renovierung eines alten Epitaphs auf sich hat, verrät Kassier Wilfried Hauffen (68) aus Feldkirchen, im Interview.

Herr Hauffen, ein dreifacher Jubiläum in einem Jahr. Ist der SHV einer der ältesten in der Gemeinde?

Wilfried Hauffen: Ja. Der älteste Verein sind die Bergschützen Kleinhöhenrain – gegründet 1795.

Was war die Motivation 1871?

Hauffen: Unser Vereinsgründer war Johann Baptist Korntheuer. Der Lehrer in Feldkirchen wusste, warum er einen Verein gründete, der den für uns schräg oder altmodisch klingenden Namen „Greisenverein“ trug. Er hat erkannt, dass besonders Männer, wenn sie alt werden oft den Anschluss an die Gesellschaft verlieren. Das ist auch heute oft noch so.

Sind nur Männer am Start?

Hauffen: Wir sind laut Satzung ein Männer-Verein, aber nur die Jahresversammlung ist Männersache. Ehefrauen und auch Witwen nehmen an allen Veranstaltungen teil.

Das sind die Aufgaben

Was sind heute die Aufgaben des Vereins?

Hauffen: Älteren Männern eine Heimat, Gesellschaft und gute Unterhaltung zu bieten und wenn möglich aus der Einsamkeit herauszuführen. Dazu gibt es viele Aktivitäten und Angebote, wie Tagesausflüge, Mitarbeit bei der Betreuung von Mittelschülern.

2006 übernimmt der Verein die Pflege der Heimatkundlichen Sammlung. Warum?

Hauffen: Schon Jahre zuvor, etwa um das Jahr 2000 begeisterten sich, unter der Federführung von Peter Schmitt, einige Mitglieder für die Idee einer heimatkundlichen Sammlung Es gab bereits Gemeindebürger die schon „Historisches“ gesammelt haben. Mit Peter Schmitt, noch unter dem Namen „Gmoag’schicht“, bekam das Thema ein Gesicht. Vor allem die zu Beginn vorangetriebene Digitalisierung hat sich im Laufe der Jahre als Glücksgriff erwiesen, um die Masse des Materials bewältigen zu können.

Wie ging es dann weiter?

Hauffen:Durch Anregung des damaligen Bürgermeisters Bernhard Schwaiger beschloss der Gemeinderat, die heimatkundliche Sammlung finanziell und vorerst mit einem Räumchen im Dachgeschoss des Rathauses zu unterstützen. 2013 konnte die Sammlung in die „Alte Post“ umziehen, in deutlich besser geeignete Räume. Inzwischen wäre wieder mehr Platz, vor allem für Ausstellungen wünschenswert.

Eines der heraugendsten Stücke: Das Bild von Feldkirchen um 1800 „Die Franzosen ziehen durch den Ort“.

Das wünschen Sie sich?

Hauffen: Ja, ein adäquates Zuhause, in dem mehr Platz zur Bearbeitung von Material vorhanden wäre und vor allem ständig Ausstellungen gezeigt werden könnten. Hier könnte, was wir „Treffpunkt Alte Post“ nennen, eine Heimat für die Gemeinde-Historie und für Kunst in der Gemeinde geschaffen werden.

Bilder, Fotos, Videos, Dokumente

Was wird gesammelt?

Hauffen: Alles, was einen Bezug zur Gemeinde hat, beginnend in der Vorgeschichte, über die alten Römer, den Salzhandel, bis in die Neuzeit wie beispielsweise die Gebietsreformen. Bilder, Fotos, Filme, Videos, Dokumente, Landkarten, Zeitungsausschnitte, Familien-Chroniken, Sterbetafeln und -Bilder, Zeitschriften, Werbeplakate und Überlieferungen. Das entscheidende Kriterium ist: Ist eine Dokumentation für die Nachwelt von Interesse, auch für die forschende Nachwelt?

Das Bedeutendste?

Hauffen: Das Bedeutendste liegt immer im Blickwinkel des Betrachters: Aber es gibt drei historische Bilder, die Bedeutung haben. Eines ist das Bild von Feldkirchen 1800 „Die Franzosen ziehen durch den Ort“. Es ist das erste erhaltene Bild des Ortes, ein Votivbild, wohl aus Dankbarkeit, das die französischen Rothosen ziemlich glimpflich mit dem Ort umgegangen sind.

Primär ein Archiv

Reicht es für ein Museum?

Hauffen: Die Sammlung ist kein Museum im klassischen Sinne. Es ist in erster Linie ein Archiv oder Online-Repositorien, um alles rund um die Gemeinde-Geschichte einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ein kleines Anekdötchen über den Greisverein der Gemeinde.

Neben dem Festprogramm soll auch ein Epitaph hergerichtet werden, was hat es damit auf sich?

Hauffen: An der Ostseite der Feldkirchner Pfarrkirche St. Laurentius ist ein Epitaph angebracht, das an den Vereinsgründer erinnert. Es ist vermutlich zwischen 1874 und 1896 gefertigt worden. Bei der letzten Restaurierung der Kirche wurde es als eines der wenigen Epitaphe wieder angebracht. Damals wenig liebevoll übermalt, bedarf es der Renovierung. Der 150. Todestag von Korntheuer ist für uns der richtige Zeitpunkt.

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Corona überschattet alles – könnte es sein, das einiges nicht stattfinden kann?

Hauffen: Wenn wir das schon wüssten. Wir befürchten, dass sich wohl Einiges nicht so realisieren lässt wie geplant. Aber wir sind guter Hoffnung und unsere Planungen für so ein Jubiläumsjahr laufen auf Hochtouren. Im März werden wir mehr wissen, hoffentlich.

Brauchen Sie weitere Mitglieder?

Hauffen: Jeder Verein braucht neue Mitglieder. Für die Sammlung sind auch helfende Hände immer gern gesehen. Die Menge des zu archivierenden Materials ist arbeitsaufwendig. Hier kann jeder mithelfen. Mithelfende, vor allem mit gutem Verständnis von EDV, sind dringend erwünscht.

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