Feldkirchen-Westerham: Warum der Golfplatz auch für Insekten eine grüne Oase ist

Mehr als 60 Prozent des Golfsplatzes Mangfalltal sind schon jetzt unberührte Natur und somit geschützter Lebensraum für Tiere und Insekten. Jetzt wollen die Feldkirchen-Westerhamer Sportler weitere Blühflächen schaffen. Auch ihren eigenen Honig haben sie schon.
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Mehr als 60 Prozent des Golfsplatzes Mangfalltal sind schon jetzt unberührte Natur und somit geschützter Lebensraum für Tiere und Insekten. Jetzt wollen die Feldkirchen-Westerhamer Sportler weitere Blühflächen schaffen. Auch ihren eigenen Honig haben sie schon.
  • vonKathrin Gerlach
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60 Prozent der Fläche des Golfclubs Mangfalltal sind reine Natur. Diese grüne Oase wollen die Sportler nun weiter ausbauen und machen mit beim Blühpakt Bayern. Das sind die Kriterien.

Feldkirchen-Westerham – Der Golfclub Mangfalltal (GCM) beteiligt sich am Blühpakt Bayern. Dafür will er künftig ein durchgängiges Blütenangebot und Überwinterungsstrukturen für Insekten schaffen sowie den Pflegeplan naturnah und insektenfreundlich gestalten. Wie das in der Praxis funktioniert, erklärt Markus Steinle, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Golfanlage Mangfalltal mbH.

Passen Blühwiesen zum Golfen oder braucht man dafür nicht eher raspelkurzen Rasen?

Markus Steinle: Ein typischer 18-Löcher-Golfplatz ist zwischen 60 und 90 Hektar groß – das ist ungefähr die Fläche von 105 Fußballplätzen. Nur etwa 40 Prozent davon werden sportlich genutzt: Das ist der Rasen, der regelmäßig gemäht wird und auf dem sich Golfspieler bewegen. Drei Prozent der Fläche werden intensiv behandelt – also die Greens, Bunker und Abschläge.

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60 Prozent der Gesamtfläche und damit der größte Teil eines Golfplatzes sind reine Natur und somit geschützter Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren, Insekten und Pflanzen. Diese Fläche wird für den Sport nicht genutzt, also nicht angetastet, gedüngt oder ähnliches. Teile unseres Golfplatzes sind sogar ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet.

Wie wollen Sie ein durchgängiges Blütenangebot schaffen?

Steinle: Es geht um ein Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Herbst hinein. Das Projekt ist auf mehrere Jahre angelegt. Wir beginnen mit einer fachlichen Bestandsaufnahme der Flächen, für die wir einen Mix aus heimischen Wiesenblumen, Stauden, Sträuchern und Gehölzen anstreben. Bereits bestehende Blühflächen werden behutsam weiterentwickelt.

Was ist noch geplant?

Steinle: Um Mitgliedern, Spielern und Gästen zu erklären, was es mit der naturnahen Gestaltung zur Schaffung von Lebensräumen für Insekten auf sich hat, werden wir Maßnahmen zur Wissensbildung auf unserer Anlage umsetzen. Im nächsten Jahr versehen wir beispielsweise besondere Bäume, Pflanzen und Flächen mit Informationstafeln.

Wie wird das finanziert?

Steinle: Alle Maßnahmen werden ausschließlich durch die Beiträge unserer Mitglieder finanziert.

Warum beteiligt sich der Golfclub Mangfalltal am Blühpakt?

Steinle:Golf ist sowohl Sport als auch Naturerlebnis. Zum Erhalt von Artenvielfalt und Biodiversität leisten Golfanlagen einen großen Beitrag. Eine intakte Natur ist das größte Kapital des Golfsports, gerade in einer so schönen Landschaft wie der, in der unsere Anlage beheimatet ist. Wir verfügen über große Flächen, die wir mit wenig Aufwand noch stärker dem Artenerhalt widmen können.

Wie sieht der Pflegeplan im Golfclub aus?

Steinle:Im GCM wird schon seit vielen Jahren nur zweimal im Jahr gemäht. Die Mahd erfolgt abschnittsweise. So bleiben immer Flächen als Nahrungsangebot und Lebensraum für Insekten stehen.

Werden Pflanzenschutzmittel eingesetzt?

Steinle:Soweit es möglich ist, ersetzen wir Pflanzenschutzmittel mit mechanischen Pflegemaßnahmen, um ein gesundes Bodenleben und Pflanzenwachstum zu fördern. Wenn wir sie auf den Spielflächen – insbesondere auf den drei Prozent der intensiv genutzten Fläche – doch einsetzen müssen, dann darf keine Wind-Abdrift in die Blühflächen erfolgen. Die Arbeit unserer vier Greenkeeper – drei von ihnen sind Fachagrarwirte – ist nachhaltige Landschaftspflege.

Was versteht man unter Überwinterungsstrukturen für Insekten?

Steinle:Um Überwinterungs- und Fortpflanzungsstätten anzubieten, bleiben Bereiche der Blühwiesen über die Wintermonate ungemäht stehen. Zudem gehört unser Golfplatz in dieser Zeit ganz den Insekten, da wir Sportler kaum da sind.

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Zum Golfplatz gehört auch ein Bienenhaus. Wer betreut es?

Steinle: Das Bienenhaus wird von Gerhard Förtsch betreut, einem ortsansässigem Imker. Künftig sollen in der Umgebung auch bienenfreundliche Spätblüher gepflanzt werden. Den Honig gibt es übrigens direkt am Bienenhaus über eine Kasse des Vertrauens. Ab dem kommenden Jahr verkaufen wir den Honig auch bei uns im Clubhaus, mit einem eigenen Etikett unseres Clubs. Dann fließt ein Teil des Erlöses in unsere Jugendarbeit.

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