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Bürger stellt Gemeinderat neue Ideen vor

Neues Energiekonzept? Feldkirchen-Westerham soll „intelligente Gemeinde“ werden

Robert Schumm (links) will der Gemeinde Feldkirchen-Westerham (rechts: Bürgermeister Hans Schaberl) bei der Energiewende einen entscheidenden Schub geben.
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Robert Schumm (links) will der Gemeinde Feldkirchen-Westerham (rechts: Bürgermeister Hans Schaberl) bei der Energiewende einen entscheidenden Schub geben.
  • Nicolas Bettinger
    VonNicolas Bettinger
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„Weitgehende Autarkie“ bei CO2-Neutralität bis 2035. Mit diesem Ziel und einem entsprechenden Konzept ist ein Bürger auf die Gemeinde Feldkirchen-Westerham zugegangen. Wie er sich die Umsetzung vorstellt und was die Verwaltung davon hält.

Feldkirchen-Westerham – Die Gemeinde Feldkirchen-Westerham steht, wie viele andere Kommunen auch, vor Herausforderungen. Themen wie die Klimakrise und der demografische Wandel erfordern neue Denkansätze. Robert Schumm hat deshalb keine Zeit. Vor allem wenn es um die Themen Energieversorgung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit geht. „Wir können es uns nicht mehr erlauben, neue Konzepte Jahre lang vor uns herzuschieben“, erklärt der Feldkirchen-Westerhamer. Schumm hat der Gemeinde deshalb nun ganz konkrete Vorschläge unterbreitet, durch die sich sowohl Verwaltung als auch Bevölkerung in puncto Energieversorgung völlig neu organisieren würden.

Dabei ist Robert Schumm nicht irgend ein Bürger, der sich Gedanken zur Zukunft macht. Er bringt Erfahrung aus zehn Jahren im Bereich ‚Smart City‘ als ehemaliger „Key Account Manager“ eines international tätigen Unternehmens mit. Dort hatte er für die Stadt München während seiner Tätigkeit (jetzt im Ruhestand) unter anderem diverse Modellprojekte entwickelt und umgesetzt. Dabei ging es zum Beispiel um die digitale Transformation und darum, dass bestimmte Prozesse helfen sollen, die Daseinsvorsorge für Bürger zu gewährleisten und zu verbessern.

Energiekonzept im Gemeinderat vorgestellt

Erfahrungen wie diese will Schumm nun nutzen, um auch seine Heimatgemeinde Feldkirchen-Westerham zu unterstützen. Denn dort herrsche Bedarf und Potenzial zugleich. Nachdem er sich einige Zeit im Arbeitskreis Energie engagiert hatte, gründete er die Initiative „gin/22“ (steht für „go intelligent now“). Und die Grundzüge dieses Projektes stellte er kürzlich dem Gremium bei einer Gemeinderatssitzung vor. „Ein Zeichen setzen, vorausdenken, weiterdenken - das sind die drei Punkte, für die gin/22 steht“, so Schumm. Man verstehe sich als Moderator für eine intelligente, zukunftsorientierte Gemeinde, die die Digitalisierung nicht als Selbstzweck verfolgt.

Demnach könnten Kommunen mit digitalen Lösungen in Ihrer Verantwortung die Lebensqualität von Bürgern maßgeblich verbessern, Tourismus, Industrie, Landwirtschaft und Handel fördern und die regionale Verbundenheit langfristig stärken. Intelligente Technologien böten hierbei Chancen für Nachhaltigkeit, Sicherheit, Wachstum und Mobilität, so Schumm.

„Wir brauchen ein besseres und stabileres Stromnetz“

Viel Theorie. Doch wie genau soll das funktionieren? Schumm spricht von einer „intelligenten Gemeinde“, die unter der Führung einer integrierten Verwaltung zusammen mit der Bevölkerung geeignete Infrastrukturen, Techniken, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nutzt, um sich selbst bestmöglich mit Energie versorgen zu können.

„Wir brauchen ein besseres und stabileres Stromnetz, das auch mit privaten Ladestationen, Sonnenkollektoren und Wärmepumpen umgehen kann“, erklärt Schumm. Die Gemeinde müsste Wärmepumpen fördern, die Verbrennung von Holz sollte in bestehenden Gebäuden nur als Ausnahme betrachtet und in neuen Gebäuden generell vermieden werden. Auch die Auseinandersetzung mit den „Zukunftsthemen“ Autonomes Fahren oder die Vorbereitung auf den Handel, etwa mit Energie, auf lokaler Ebene gehören zu Schumms Konzept.

Können Privathaushalte nachbarschaftlich mit Strom handeln?

Immer mehr Hausbesitzer in Deutschland, so Schumm, möchten ihren Teil zur Energie-und Mobilitätswende beitragen und entscheiden sich für eine Photovoltaikanlage und häufig auch für einen Stromspeicher. „Doch trotz der steigenden Zahlen, sind solche Haushalte bisher noch nicht der Standard und machen insgesamt nur einen geringen Teil aus.“ Schumm stellt die Frage, was es eigentlich bedeuten würde, „wenn nahezu alle Haushalte einer Gemeinde Strom mit ihrer eigenen PV-Anlage herstellen, die überschüssige Solarenergie speichern oder für ihr Elektroauto nutzen würden?“

Laut Schumm wären Blackouts und hohe Energiepreise dann kein Thema mehr. Beim vorgestellten Konzept werde auch angenommen, dass die Haushalte mit ihrem Strom nachbarschaftlich handeln könnten – ein Vorgang, der heute außerhalb diverser Pilotprojekte zwar regulatorisch noch nicht möglich sei, erklärt Schumm. Doch eine Entwicklung in diese Richtung sei vorstellbar. So könnten sich gewisse „Quartiere“ innerhalb der Gemeinde selbst versorgen.

Ziel: „Weitgehende Autarkie“ bei CO2-Neutralität bis 2035

Das übergeordnete Ziel der „intelligenten Gemeinde“ sei eine „weitgehende Autarkie“ bei CO2-Neutralität bis 2035. Dafür brauche es einen Kurswechsel in der Energiepolitik, Strom aus regenerativen Quellen als dominierender Energieträger oder mehr Windkraft- und Photovoltaikanlagen sowie Energiespeicher. Alles in allem müsse man die Kommune mit all ihren Teilbereichen ganzheitlich betrachten und Kompetenzen bündeln.

„Die Digitalisierung ist das Gehirn, der Schlüsselfaktor“, betont Schumm. Obwohl genügend digitale Schlüsseltechnologien zur Verfügung stünden, nutze die Gemeinde sie leider nicht. „Wir haben keine Zeit mehr. Es ist zwingend notwendig, die Digitalisierung in der Gemeinde voranzutreiben“, sagt Schumm.

Wie steht die Gemeinde zu den Vorschlägen?

Doch was sagt die Gemeinde Feldkirchen-Westerham selbst zu den vorgeschlagenen Konzepten? Schließlich müsste auch die Verwaltung als wichtiger Mitspieler im gesamten Konzept einige Veränderungen auf den Weg bringen. „Robert Schumm war nach der Sitzung nochmal bei uns im Rathaus“, erklärt Bürgermeister Hans Schaberl gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Dort habe man nochmal ausführlich über die Ideen gesprochen.

Grundsätzlich, so Schaberl, stehe man den Überlegungen offen gegenüber. Zusammen mit Geschäftsleiterin Ines Bertozzi und Klimaschutzmanager Nico Hirsemann prüfe man die Möglichkeiten, etwa verschiedene Förderprogramme, für eine entsprechende Ausrichtung der Verwaltung. „Grundsätzlich hat er nicht unrecht“, sagt Schaberl über Robert Schumm. Alles neu zu überdenken und auf eine Vernetzung aller Ressoucren abzuzielen, findet der Bürgermeister richtig. Deshalb wolle man diesbezüglich auch „am Ball bleiben“.

Bürgermeister Schaberl: „Wir beschäftigen uns mit den Vorschlägen“

Auch Schumms Kontakte aus seinem Berufsleben bezeichnet Schaberl als hilfreich. Er schätzt seinen ehrenamtlichen Einsatz und seine Idee davon, alle Seiten zu bedenken. Und er teilt auch die Meinung Schumms, dass die Digitalisierung ein wichtiger Bestandteil sei und sich Stromerzeugnisse, etwa durch PV-Anlagen auf Dächern, für Privathaushalte lohnen müssen. Der Rathauschef stellt allerdings auch klar, dass eine entsprechende Systemumstellung nicht von heute auf morgen erfolgen könne. „Wir beschäftigen uns mit den Vorschlägen aber dieses Jahr wird sicher nichts mehr passieren.“

Klar sei für Schaberl aber: „Ich fände es schade, wenn der Einsatz und seine Vorschläge einfach so „links liegen bleiben“. Natürlich gebe es im Gemeinderat verschiedene Meinungen und nicht jeder findet alles gut. „Die Kunst der Demokratie ist es deshalb, hier dennoch einen gemeinsamen Weg zu finden.“

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