Aus dem Rosenheimer Schöffengericht

Feldkirchen-Westerham: 46-Jähriger nach erfolgreicher Therapie erneut straffällig

Der Angeklagte (46) aus Feldkirchen-Westerham erklärte vor Gericht, dass die Therapeuten ihm eine falsche Medikation verordnet hatten. Deshalb sei er wieder abhängig geworden.
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Der Angeklagte (46) aus Feldkirchen-Westerham erklärte vor Gericht, dass die Therapeuten ihm eine falsche Medikation verordnet hatten. Deshalb sei er wieder abhängig geworden.
  • vonTheo Auer
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Nach erfolgreicher Alkoholtherapie und bereits im Maßregelvollzug befindlich, ging ein 46-jähriger Feldkirchen-Westerhamer erneut auf Einbruchstour. Dass er dies im Vollrausch tat, weil ihn Therapeuten falsch medikamentiert hätten, kaufte ihm das Gericht nicht ab.

Feldkirchen-Westerham – Vor dem Rosenheimer Schöffengericht musste sich der Angeklagte jetzt verantworten. Der Mann war im Januar nachts gegen 1.30 Uhr gleich in drei Geschäfte in der Nachbarschaft seiner Wohnung eingebrochen – beziehungsweise wollte dort einbrechen. Insgesamt hat er 800 Euro erbeutet. Dabei entstand ein Sachschaden von etwa 3000 Euro.

46-Jähriger vielfach vorbestraft

Der Angeklagte ist ein vielfach vorbestrafter Mann. Hauptgrund für seine Verfehlungen, so stellte das Gericht in dem letzten Verfahren fest, sei seine Abhängigkeit von Alkohol- und Kokain. Deshalb wurde ihm bereits vorher anstatt einer Strafhaft von dreieinhalb Jahren wieder ein Maßregelvollzug auferlegt. Das bedeutete: Dass er bei erfolgreicher Therapie nach 18 Monaten ohne Haft wieder frei kommen konnte.

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Mit dem Antritt dieser Therapie im Bezirkskrankenhaus Mainkofen begannen jedoch aus seiner Sicht die Probleme: Er hatte nach eigenen Aussagen die Sucht erfolgreich überwunden. Deshalb sei er auch zwischenzeitig aus dem Maßregelvollzug in ein betreutes Wohnen entlassen worden.

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Allerdings hätten ihn die Therapeuten wegen einer falschen Medikation in eine Opiatabhängigkeit getrieben, war er überzeugt. Diese von ihm ungewollte, aber von der Klinik aufgezwungene Sucht, habe ihn schließlich zu diesen, ihm heute unverständlichen Einbruchtaten getrieben. Er habe sich zu diesem Zeitpunkt in einem Opiatrausch befunden, bei dem er nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen sei. Das sei aber auf die falsche Medikation zurückzuführen, sagte er vor den Rosenheimer Gericht.

Maßregelvollzug wegen neuerlicher Straftaten abgebrochen

Auf Grund der neuerlichen Straftaten brach das Bezirkskrankenhaus die Maßregelung ab, die auch noch galt, obwohl er sich schon auf freiem Fuß befand. Das hatte zur Folge, dass er stattdessen nun doch noch die ursprünglich verhängte Strafhaft antreten musste.

Der Gutachter bestätigte dem Angeklagten, dass es ihm offensichtlich gelungen war, tatsächlich seine ursprüngliche Sucht zu besiegen. Die präzisen Umstände der Opiatverabreichung und die Heftigkeit einer neuen Sucht wollte und konnte er nicht werten, zumal der Angeklagte nun ohne Drogen und Substituierung durchaus zurecht komme. Für die Tatzeit wollte er aber nicht ausschließen, dass sein Proband nur eingeschränkt schuldfähig gewesen sei.

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Der Verteidiger erklärte, nachdem die Staatsanwältin eine Einstellung des Verfahrens ablehnte, sein Mandant sei zum Tatzeitpunkt in der Situation eines „fahrlässigen Vollrausches“ gewesen und solle milder abgeurteilt werden.

In ihrem Schlussvortrag stellte die Staatsanwältin klar, dass es sich um einen besonders schweren Fall des Diebstahls, beziehungsweise zweier solcher Versuche gehandelt habe. Zwar billigte sie ihm die vom Gutachter bestätigte verminderte Schuldfähigkeit zu und erkannte durchaus, dass bei dem Angeklagten Einsicht und Reue spürbar seien. Andererseits seien eine hohe Rückfallgeschwindigkeit und die vielfachen Vorstrafen zu sehen. Sie beantragte eine Haftstrafe von 18 Monaten. Eine erneute Unterbringung im Maßregelvollzug – wie der Verteidiger angeregt hatte – sei rechtlich nicht möglich.

Urteil: Auf Bewährung

Das Schöffengericht stellte schließlich fest, dass die Umstände innerhalb des Maßregelvollzuges und die möglichen negativen Folgen daraus nicht Bestandteil dieses Verfahrens seien. Daher könnten sie auch von diesem Gericht nicht beurteilt werden. Ebenso wenig sei als Hintergrund ein fahrlässiger Vollrausch, wie vom Verteidiger ins Spiel gebracht, zu erkennen.

Letztlich habe es der Angeklagte der Beurteilung des Gutachters über die erfolgreiche Therapie zu verdanken, dass das Gericht eine Haftstrafe von zwölf Monaten verhängte, die es aber zur Bewährung aussetzte – was bei einem derzeit inhaftierten Straftäter keineswegs die Regel sei.

Wenn er im Juli 2021 aus der derzeitigen Haft entlassen wird, so tritt er keine erneute Strafe an, sondern hat – mit Hilfe eines Bewährungshelfers – die Chance auf ein Leben in Rechtschaffenheit.

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