Bauarbeiten in Feldolling

Mehr Sicherheit für Feldkirchen-Westerham: Dichtwand auf Damm am Hochwasserrückhaltebecken

Stellenweise werden die seitlichen Dammböschungen geebnet. Das dafür verwendete Material wird zum Großteil aus dem künftigen Einlaufgerinne in Schweig abgebaut.
+
Stellenweise werden die seitlichen Dammböschungen geebnet. Das dafür verwendete Material wird zum Großteil aus dem künftigen Einlaufgerinne in Schweig abgebaut.
  • vonManfred Merk
    schließen

Die Arbeiten am Hochwasserrückhaltebecken in Feldolling kommen gut voran. Und während in Feldolling gebaut wird, wurde einem anderem Hochwasser-Projekt in der Region eine Absage erteilt.

Feldkirchen-Westerham – Das sogenannte Baufenster des Hochwasserrückhaltebeckens (HWRB) Feldolling wird immer größer. Vom Einlaufgerinne im Weiler Schweig bis zum westlichen Unterwasserbecken des Leitzach-Kraftwerks sind es mittlerweile mehr als zwei Kilometer. Dank des bisher schneearm verlaufenen Winters konnten die Arbeiten fast ohne längeren Stillstand fortgesetzt werden. Der letzte Arbeitstag 2020 war der 18. Dezember und am 10. Januar ging es wieder weiter.

Böschungen geebnet

Der Dammkörper von der Mangfallbrücke in Feldolling flussabwärts hat im westlichen Bereich die geplante Höhe erreicht, stellenweise werden die seitlichen Dammböschungen geebnet. Das dafür verwendete Material wird zum Großteil aus dem künftigen Einlaufgerinne in Schweig abgebaut.

Derweil wird auch schon der Bau des aufwendigsten Teils dieses Vorhabens, des 1100 Meter langen Absperrdammes vorbereitet. Er verläuft vom geplanten Ablaufbauwerk direkt an der Mangfall bis zur Kreisstraße parallel um den schon bestehenden Damm des Unterwasserbeckens herum.

In 20 Metern Tiefe aktiv

Die Ein-Phasen-Schlitzwand wird in einer Tiefe von 20 Metern in das Gelände eingebaut. Dann wird ein zehn Meter hoher Damm aufgeschüttet und auch der muss absolut sicher stabilisiert werden. Nach Angaben Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim wird dann über die ganze Höhe des Dammes eine Dichtwand eingezogen. Alle diese Sicherheitsmaßnahmen und Abdichtungen werden über die ganze Länge des Dammes angebracht.

Weitere Nachrichten aus Bad Aibling, Bad Feilnbach, Feldkirchen-Westerham, Bruckmühl und Tuntenhausen finden Sie hier.

In Feldolling in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham geht der Bau des Hochwasserrückhaltebeckens voran. Einem anderen Hochwasser-Projekt in der Region wurde jetzt allerdings eine Absage erteilt: Einem Projekt in Gmund. Welches die Gründe waren, erklärt Paul Geisenhofer, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim.

Die Grundidee war es, vor einem Hochwasser den Tegernsee moderat absenken zu können, damit er auf einem niedrigen Niveau bleibt. Warum wurde das Projekt in Gmund eingestellt?

Paul Geisenhofer: Nach dem Raumordnungsverfahren 2006 wurde die Planung mehrfach weiterentwickelt und an die örtlichen Gegebenheiten angepasst. Unter anderem wegen der extrem schwierigen Baugrundverhältnisse entlang der Mangfall in Gmund stiegen die Baukosten von ursprünglich fünf Millionen Euro auf zuletzt 14 Millionen Euro an.

Die Kosten sind also explodiert.

Geisenhofer: Um das Projekt hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit näher zu untersuchen, wurde eine Kosten-Nutzen-Analyse erarbeitet. Kosten-Nutzen-Analysen sind bei Hochwasserprojekten obligatorisch. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis sollte über 1,0 liegen, um von einer volkswirtschaftlich sinnvollen Maßnahme sprechen zu können. Für den Hochwasserausgleich Tegernsee konnte aber nur ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,26 ermittelt werden. Das Projekt ist also nicht einmal annähernd wirtschaftlich und wird deshalb nicht weiterverfolgt.

Kein Hochwasserschutz durch eine Absenkung des Tegernsees? Welche Konsequenzen hat das für die Bewohner im Mangfalltal?

Geisenhofer: Wir verkennen nicht, dass der Hochwasserausgleich Tegernsee von den Kommunen im unteren Mangfalltal und speziell von den Betroffenen des Hochwasserrückhaltebeckens Feldolling immer als wichtiger Beitrag der Oberlieger zum Hochwasserschutz angesehen wurde. Wir wollen dazu aber erneut in Erinnerung rufen, dass das Projekt immer nur als zusätzliche, flankierende Komponente zum Hochwasserschutz Unteres Mangfalltal vorgesehen war. Es war immer klar, dass der Tegernsee keinen planmäßigen, anrechenbaren Beitrag zum Hochwasserschutz im unteren Mangfalltal leisten kann. Die Kommunen im Unteren Mangfalltal erhalten allein mit dem Ausbau entlang der Mangfall in Verbindung mit dem Hochwasserrückhaltebecken Feldolling einen vollwertigen, dem bayernweiten Standard entsprechenden Hochwasserschutz, einschließlich Klimavorsorge.

Sollen jetzt am Tegernsee andere Hochwasserschutzprojekte auf den Weg gebracht werden?

Geisenhofer: Die von Hochwasser betroffenen Seeanlieger hatten sich von dem Projekt zwar keinen vollwertigen Hochwasserschutz, aber doch eine gewisse Schadensreduktion erhofft. Eine Erwartung, die jetzt nicht mehr erfüllt werden kann. Letztlich bleibt den Anliegern nur – so wie bisher – eigenverantwortlich individuelle Schutzmaßnahmen an ihren Gebäuden durchzuführen und Schäden durch die Elementarschadensversicherung abzudecken.

Werden die Anlieger dabei unterstützt?

Geisenhofer: Die Wasserwirtschaftsverwaltung wird die Bürger in den gefährdeten Bereichen auch künftig durch bestmögliche Hochwasserprognosen und -warnungen unterstützen. Bauliche Hochwasserschutzprojekte gegen Seehochwasser sind vom Freistaat Bayern nicht beabsichtigt. Hochwasserschutzmaßnahmen an den Wildbächen gibt es in den Seeanliegergemeinden sehr wohl. Interview: Ines Weinzierl

Mehr zum Thema

Kommentare