Feldkirchen-Westerham: Das wünscht sich Rathauschef Hans Schaberl für seine Gemeinde

„Eigentlich ist ein Bürgermeister sieben Tage die Woche 24 Stunden im Einsatz“, sagt Hans Schaberl. Wegen Corona fallen viele Termine aus – darunter auch Geburtstage und Goldene Hochzeiten, zu denen der Rathauschef fährt und persönlich gratuliert. Gratuliert wird jetzt per Post.
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„Eigentlich ist ein Bürgermeister sieben Tage die Woche 24 Stunden im Einsatz“, sagt Hans Schaberl. Wegen Corona fallen viele Termine aus – darunter auch Geburtstage und Goldene Hochzeiten, zu denen der Rathauschef fährt und persönlich gratuliert. Gratuliert wird jetzt per Post.

„Ungeduldig darfst du nicht sein“: Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen spricht Hans Schaberl, Bürgermeister der Gemeinde Feldkirchen-Westerham, über einen etwaigen Adventsmarkt, Einheimischenmodelle und die Ernerung des Dorfplatzes.

Von Ines Weinzierl

Feldkirchen-Westerham – Hans Schaberl (parteilos) leitet seit dreieinhalb Jahren als Bürgermeister die Geschicke der Kommune. Da gleicht kein Jahr dem anderen, aber heuer ist wirklich alles anders: Wie sich die Corona-Krise auf seine Arbeit auswirkt, was er jetzt für die Adventszeit plant und ob noch mehr Einheimschenmodelle realisiert werden sollen, verrät der 64-Jährige im Interview.

Herr Schaberl, Sie sind gerade aus dem Urlaub zurück. Wie war es?

Hans Schaberl:Ich war in Plön und bin viel mit dem Radl umhergefahren – bis an die Ostsee. Schön war‘s. Immer wenn ich in anderen Regionen unterwegs bin, schaue ich auch darauf, was man hier verbessern könnte. Wenn ich hier unterwegs bin, weiß ich wo ich bin. Dort oben in Schleswig-Holstein nicht. Da ist mir gleich aufgefallen, wenn ich in Ortschaften gekommen bin. Wo bin ich denn eigentlich? Das muss wirklich überall und für jeden ersichtlich sein.

Jetzt sitzen Sie wieder im Rathaus. Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihre Arbeit aus?

Schaberl:Es ist wirklich nicht schön. Eigentlich ist ein Bürgermeister sieben Tage die Woche 24 Stunden im Einsatz. Ist auf 90. Geburtstagen eingeladen, geht zu Goldenen Hochzeiten und gratuliert, besucht Vereine. Das fällt heuer alles flach. Ich finde es sehr wichtig, mit den Bürgern in Kontakt zu sein. Aber mit dem Lockdown Mitte März stand alles still. Das ist schlimm. Allerdings weiß ich jetzt, dass ich nicht in ein tiefes Loch falle, wenn ich in Rente gehe. Ich kann mich beschäftigen und verstehe mich Gott sei Dank sehr gut mit meiner Frau (lacht).

Mit welchen Einbußen ist hinsichtlich der Gewerbe-/Einkommenssteuer zu rechnen?

Schaberl:Das ist bisher noch nicht ersichtlich – und bisher noch nicht bemerkbar. Allerdings muss man jetzt schon einiges vorsichtiger handhaben und Projekte auf Eis legen.

Welche denn?

Schaberl:Zum Beispiel das angedachte Naturschwimmbad – das muss nach hinten geschoben werden.

Aber der Dorfplatz-Umbau samt Bücherei soll weiterhin verfolgt werden?

Schaberl:Ja, das wird nicht auf Eis gelegt. Wir haben die Zusage von der Regierung, dass die Gelder zur Verfügung stehen.

Wie schaut es mit dem Wasserhochbehälter in Aschbach aus?

Schaberl:Da sind wir voll im Zeitplan und haben die Kosten in den Haushalt miteingestellt. Ich hoffe, dass wir die Planungen heuer noch bekommen. Wenn die da sind, geht es schnell mit der Umsetzung.

Wie geht es mit dem Grundstück zwischen Rathaus und Seniorenzentrum der Awo weiter?

Schaberl:Ungeduldig darfst du als Bürgermeister nicht sein – das ist schwer für mich. Der Bebauungsplan ist in Arbeit und soll in nächster Zeit vorgelegt werden.

Wie schaut es beim Bauhof in Feldolling aus?

Schaberl:Der neue Bauhof ist bereits bezogen. Allerdings fand bisher wegen der Urlaubszeit noch keine Einweihung statt. Das soll auf jeden Fall in der nächsten Zeit erfolgen. Und dabei können auch die Abstände gewahrt werden. Das ist auf dem Areal kein Problem.

Miet- und Kaufpreise von Wohnraum steigen auch in Ihrer Gemeinde. Sind weitere Einheimischenmodelle angedacht?

Schaberl:Die Quadratmeterpreise steigen wie verrückt. Und deswegen bin ich der Ansicht, dass wir hinsichtlich dieser Entwicklung umdenken müssen, vielleicht auch in Richtung Erbbaurecht. Allerdings bin ich der Ansicht, dass wir das alles sauber durchdenken sollten und nicht schnell, schnell vorgehen sollten.

Kürzlich gab es im Gemeinderat Unmut über die geplante Brücke über den Kotbach in Vagen. Was war da los?

Schaberl:Es war mein Fehler. Ich habe das im Vorfeld nicht ausreichend geprüft, ich hätte es mir anschauen müssen. Die Kosten der geplanten Brücke sollten sich auf rund 100 000 Euro belaufen – das ist viel zu teuer. Jetzt soll aus der geplanten Brücke ein Steg werden.

Wie schaut es heuer mit einem Weihnachtsmarkt in der Gemeinde aus?

Schaberl:Ich habe mir schon überlegt einen Adventsmarkt mit einem verkaufsoffenenen Sonntag zu kombinieren. So könnten auch die lokalen Geschäfte unterstützt werden. Das könnte sich dann vom Dorfplatz südlich über die Kreisstraße ziehen. Man kann dann vielleicht die Kreisstraße sperren lassen, natürlich nur, wenn es möglich ist. So wäre es entzerrter. Aber die Anfragen laufen erst vorsichtig an.

Was sind Ihre größten Wünsche?

Schaberl:Zum Beispiel einen Regionalmarkt zu realisieren. Obendrein, dass sich der Gemeinderat erneut mit dem ISEK („Integrierte Städtebaulichen Entwicklungskonzept“, Anmerkung der Redaktion) auseinandersetzt. Denn ich halte es für sehr wichtig. Ein Planer nimmt dabei die Gemeinde unter die Lupe und könnte Tipps hinsichtlich der Entwicklung geben. Er bezieht alle Bereiche mit ein: Verkehr und Nachverdichtung zum Beispiel.

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