Bad Feilnbach: Im Sitzungssaal wird‘s nach der Kommunalwahl bunter

„Pfia Gott und auf Wiedersehen“heißt es Ende April für neun amtierende Gemeinderäte. Zwei Frauen und sieben Männer sind dann ab Mai neu im Gremium. Strim
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Vier Sitze haben die Grünen bei der Gemeinderatswahl in Bad Feilnbach geholt – aus dem Stand, ein Jahr nach der Gründung ihres Ortsvereins. Die CSU büßte dagegen zwei ihrer Mandate ein und ist nun noch mit acht Gemeinderäten vertreten.

Bad Feilnbach – Die SPD schrumpft im Gremium um einen Sitz auf zwei, die Überparteilichen Wähler sind nur noch zu sechst und nicht mehr zu siebt.

6671 Gemeindebürger waren zur Wahl berechtigt, 3800 (57 Prozent) machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Insgesamt wurden 69 153 gültige Stimmen abgegeben, 73 waren ungültig. 27 539 (39,8 Prozent) der Stimmen entfielen auf die CSU, 22 808 (33 Prozent) auf die Überparteilichen Wähler, 27 539 (39,8 Prozent) auf die Grünen und 6520 (9,4 Prozent) auf die SPD/PF.

Josef Rauscher in Wählergunst vorne

In der Gunst der Wähler stand Zweiter Bürgermeister Josef Rauscher (CSU) mit 2826 Stimmen unangefochten an der Spitze, gefolgt von den beiden ÜW-Kandidaten Marinus Moser junior mit 2148 Stimmen und Peter Menhofer senior mit 2062 Stimmen.

+++ Hier finden Sie das Ergebnis der Bürgermeister- und Gemeinderatswahl in Bad Feilnbach. +++

Entspannt am Tag nach der Wahl

Am Tag der Wahl ist die Stimmung entspannt unter den Ortsvorsitzenden, richtig unzufrieden wirkt keiner. Vor allem mit dem guten Abschneiden der Grünen scheinen CSU, SPD/PF und ÜWG fast gerechnet zu haben.

„Wir sind immer noch die stärkste Kraft im Gemeinderat, auch wenn wir eigentlich mit neun Sitzen gerechnet, dann aber zwei an die Grünen verloren haben“, sagt CSU-Ortsvorsitzender Sebastian Obermaier. Einen der Gründe vermutet er in der Streitsache „Straßenerschließungsbeiträge“ und dem dazu initiierten Bürgerbegehren.

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Aber: „Ich bin froh, dass wir wieder gute Leute in den Gemeinderat reingebracht haben. Vor allem freut es mich, dass unsere beiden jungen Gemeinderäte, Sebastian Gasteiger und Martin Kolb, so gut abgeschnitten haben, denn sie stehen auch für unsere Zukunft. Schade aber finde ich es, dass wieder keine Frau bei uns dabei ist.“ Allerdings waren auf der CSU-Kandidatenliste die vorderen acht Plätze auch rein in Männerhand.

Bei den Grünen hingegen ist mit Sieglinde Angermaier und Petra Eirainer die Hälfte der Fraktion weiblich. Mit ihnen neu im Gremium: Stephan Oberprieler und Grünen-Sprecher Thomas Forster.

„Vertreter der Grünen haben noch gefehlt“

Dieser sagt: „Noch mehr Sitze zu erwarten, wäre unrealistisch gewesen. Aber grüne Themen waren in Bad Feilnbach durchaus schon in der Vergangenheit recht stark präsent, nur im Gemeinderat haben noch Vertreter der Grünen gefehlt.“ Dort werde „keine schlechte Politik gemacht“, bescheinnigt er den Kommunalpolitikern. „Das wollen wir jetzt noch mit unseren Themen ergänzen, wobei der Schwerpunkt auf Umwelt- und Klimaschutz liegen wird.“

Überparteiliche bleiben zweitstärkste Kraft

Zweitstärkste Kraft bleiben die Überparteilichen Wähler, die allerdings auch einen Sitz an die Grünen verloren haben und nun noch mit sechs Gemeinderäten vertreten sind. Vorsitzender Peter Menhofer, Ende 2016 aus persönlichen Gründen von seinem Mandat zurückgetreten, ist dieses Mal wieder mit von der Partie und nicht nur ob seines persönlichen Ergebnisses zufrieden: „Wir sind die einzigen, die bei den Stimmen noch zehn Prozent zulegen konnten im Vergleich zur Wahl 2014.“

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Überhaupt sieht er das Ergebnis „völlig entspannt. Das ist das Votum des Wählers. Wichtig ist, dass die 20 Gemeinderäte gut zusammenarbeiten und was Gescheites für die Gemeinde dabei rauskommt.“ Mit Marinus Moser junior, Max Singer und Christian Bergener sind für die ÜW gleich drei weitere neue Gesichter am Start.

Keine neuen, sondern bekannte Gesichter dagegen bei der SPD/PF: Manfred Büttner und Josef Scheibl senior sind wieder gewählt worden. „Dass unser dritter Sitz wacklig sein und wir ihn wahrscheinlich verlieren würden, war exakt meine Prognose. Ebenso dass die CSU zwei und die ÜW einen verlieren würden“, sagt Ortsvereinsvorsitzender Büttner.

„Erfolg neidlos anerkannt“

Als die Grünen bei der Auszählung zwischenzeitlich sogar bei sechs Mandaten lagen, habe er dies neidlos anerkannt. „Der Gemeinderat muss bunter werden und es ist gut, dass es nicht mehr eine Mehrheit von zehn CSU-Räten plus Bürgermeister gibt. Darüber bin ich froh. Klar, es wäre schön gewesen, wenn wir noch einen Sitz mehr bekommen hätten, aber ich sehe das positiv. Ich denke, wir werden mit den Grünen sehr gut zusammenarbeiten.“ Als positiv wertet Büttner außerdem, dass mit Konrad Schwaiger und Ingeborg Gasteiger gute Nachwuchskräfte auf die Plätze 3 und 4 gewählt worden seien – „auch wenn es mich ein bisschen betrübt, dass es keiner der beiden in den Gemeinderat geschafft hat“.

Wallner: Eine ganz klare Personenwahl

Bürgermeister Anton Wallner – vor zwei Jahren ins Amt gewählt – hat in seinem Gremium nun neun neue Gesichter und freut sich: „Das sind gute, pragmatische Leute.“ Bis 4 Uhr morgens sei er beim Auszählen dabei gewesen und hat festgestellt: „Die Bürger haben vor allem bei der Briefwahl sehr selektiv gewählt, es gab nur wenige Listenkreuze. Das war ganz klar eine Personenwahl.“

Bürgermeisterwahl erst wieder 2024

Vier gemeinsame Jahre liegen nun vor dem Rathauschef und dem Gemeinderat. 2024 stehen Bürgermeisterwahlen an. Wie berichtet, wählt Bad Feilnbach sein Gemeindeoberhaupt seit dem Rücktritt von Korbinian Heiß 1981 alle sechs Jahre zeitversetzt zu den anderen Kommunen.

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