Bad Feilnbach: Anders Parken mit „Modell Tannenhof“

Für das Tannenhof-Areal in Bad Feilnbachs Ortsmitte wird es eine Sonderregelung beim Stellplatznachweis geben. Einer der Gründe dafür ist die außergewöhnliche Durchmischung bei der Wohnnutzung auf dem Gelände, die auch kleine Wohnungen und Mehrgenerationenwohnen vorsieht.

Von Eva Lagler

Bad Feilnbach –. Hier geht der Gemeinderat von einem geringeren Stellplatzbedarf aus und beschloss in seiner jüngsten Sitzung, von der gemeindlichen Garagen- und Stellplatzsatzung abzuweichen.

81 Stellplätze in der Tiefgarage

Während diese Satzung pro Wohnung gemeinhin zwei Stellplätze vorsieht, wird für das Tannenhof-Areal ein Stellplatzschlüssel von nur 1,75 pro Wohnung festgelegt. 81 der erforderlichen Stellplätze sollen in der geplanten Tiefgarage untergebracht werden, die restlichen sind oberirdisch geplant.

Zweiter Bürgermeister: „Dürfen uns ruhig was trauen“

In ihrer Entscheidung bestärkt sahen sich die Kommunalpolitiker durch die Erfahrungen, die die Gemeinde Weyarn beim Projekt „Klosteranger“ gemacht hatte. „In Weyarn ist der Stellplatzschlüssel von 2,5 eigentlich eine ,heilige‘ Kuh. Aber auch dort hat man sich für dieses Sonderprojekt auf 1,75 geeinigt. Das dürfen wir uns ruhig auch trauen“, erklärte Zweiter Bürgermeister Josef Rauscher (CSU).

So schaut es beim Klosteranger-Projekt in Weyarn aus

Er war Teil einer Gemeinderatsdelegation, die sich vor Ort am „Klosteranger“ ein Bild gemacht und mit dem dortigen Bürgermeister gesprochen hatte. „Wir waren alle überrascht, wie leer die Tiefgarage der Anlage sogar abends um halb acht war. Die Stellplätze waren nur zu ungefähr zwei Drittel belegt, die oberirdischen zu einem Drittel“, berichtete CSU-Rat Georg Stadler. Auch sein Fraktionskollege Gerhard Mair war von dem Konzept angetan: „Die meisten Bewohner parken doch gleich unterm Haus und brauchen dann nur noch mit dem Aufzug in die Wohnung fahren. Von draußen hätten sie einen viel weiteren Weg. Ich glaube, die oberirdischen Plätze würden von den Bewohnern gar nicht so beansprucht.“ Dieser Meinung schlossen sich auch Christian Eder (Überparteiliche Wählergemeinschaft) und Bürgermeister Anton Wallner (CSU) an.

Es gab auch Überlegungen, die oberirdischen Stellplätze nicht unbedingt nur der Anlage zuzuordnen, um Doppelnutzungen im Quartier zur ermöglichen. Ob oder wann das so kommt, steht aber noch nicht fest.

Michael Wallner (CSU) wollte klargestellt haben, dass sich die Stellplatz-Sonderregelung nur auf das Tannenhof-Areal bezieht. Er forderte außerdem eine Klausel für eine Nachbesserungsoption, „falls es so nicht funktioniert oder eines Tages eine andere Nutzung erfolgt“. „Wir haben genügend Parkplätze im Ort“, meinte Anton Wallner mit Blick auf die Bahnhofstraße und die Parkgarage der Gemeinde. „Aber viele sind halt zu bequem, um die paar Schritte zu gehen.“

Positiv wertete der Gemeinderat einen weiteren Baustein und eine Entlastung beim Stellplatznachweis, nämlich ein Thema Car-Sharing-Modell, das in der gemeindlichen Parkgarage unterhalb des Rathauses angeboten werden könnte – laut Bürgermeister am besten mit Elektrofahrzeugen. Die Ladeeinrichtungen könnte ebenfalls die Gemeinde zur Verfügung stellen, während der Tannenhof-Bauherr, die Firma Quest, für die Fahrzeugbeschaffung zuständig wäre.

Im Gegenzug könnten nicht nur Bewohner vom Tannenhof, die kein eigenes Auto haben oder brauchen, dieses Modell nutzen, sondern auch alle anderen Bürger der Gemeinde. „ Ich denke da an einen Fünf- oder Siebensitzer. Wenn es gut läuft, können wir dann ja auch selber noch ein Auto hinstellen“, so Wallner.

„Richtiger Zeitpunkt und richtiger Ort“

„Das ist definitiv der Richtige Weg“, bekräftigte Zweiter Bürgermeister Rauscher. Der Landkreis Ebersberg sei hier führend, dort trage sich das Projekt bereits. Die Gemeinden seien flächendeckend mit im Boot. Für Bad Feilnbach sei jetzt genau die richtige Zeit und die Ortsmitte der ideale Platz für dieses Angebot.

Im Verlauf der Diskussion wurde noch geklärt, dass es an der Nordseite der Kufsteiner Straße keine Stellplätze geben wird. Diese würden östlich und westlich des Tannenhof-Areals sowie an der Hans-Zeitler-Straße angebracht.

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