Aiblinger Festwirt Christian Fahrenschon erzählt die Geschichte eines Familienschatzes 

Die historische Volksfest-Konzertorgel aus dem Jahr 1896 ist der ganze Stolz von Christian Fahrenschon, der nun in dritter Generation Besitzer dieses „Familienschatzes“ ist.
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Die historische Volksfest-Konzertorgel aus dem Jahr 1896 ist der ganze Stolz von Christian Fahrenschon, der nun in dritter Generation Besitzer dieses „Familienschatzes“ ist.

Ein sehr seltenes Stück Schausteller-Geschichte können die Besucher derzeit beim „Pfingstfest zum Midnehma“ in Bad Aibling bestaunen. Fast wäre es im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen.

Bad Aibling –  Die historische Volksfest-Konzertorgel aus dem Jahr 1896 ist der ganze Stolz von Besitzer Christian Fahrenschon, der nun in dritter Generation Besitzer dieses „Familienschatzes“ ist.

Instrument ging einst verloren

Das gute und rare Stück hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich, wie der Festwirt bei einem Gespräch mit unserer Zeitung deutlich machte. „Die Konzertorgel ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Familienbesitz, ging in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren. Etwa 1952 hat mein Vater sie durch Zufall in der Nähe von Töging wiedergefunden“, erinnert sich Fahrenschon.

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Wie die Konzertorgel 1952 aussah, als sie wieder auftauchte

Vater Max Fahrenschon fand die Orgel in einem äußerlich guten Zustand wieder, die Bemalung hatte zwar etwas gelitten, das Holz als Hauptbestandteil der Orgel war jedoch in Ordnung. „Die Lederbälge für Luftzufuhr und Ventile waren allerdings nicht mehr zu gebrauchen“, weiß Christian Fahrenschon aus der Erzählung seines mittlerweile verstorbenen Vaters und auch die Spielkästen zur Musikwiedergabe waren größtenteils defekt.

Restaurierung war aufwändig

Max Fahrenschon war sich von Anfang an bewusst, dass eine Wiederherstellung des Original-Zustandes eine kostspielige Angelegenheit wird. Da aber schon seine Eltern im Besitz des heutigen „Schmuckstücks“ waren, kam eine Restaurierung mit günstigen Kunststoffteilen für ihn nicht in Frage.

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Nun galt es, einen Orgelbauer zu finden, der die Restaurierung vornehmen konnte. In Frankfurt wurde er schließlich fündig. Die Untersuchung nahm schon geraume Zeit in Anspruch, die Kosten, über die Max Fahrenschon gegenüber seinem Sohn nie ein Wort verlor, waren für den damals noch jungen Schausteller auch nicht sofort und auf einen Schlag zu stemmen. „Ich vermute, das ging damals in den unteren bis mittleren vierstelligen D-Mark-Betrag, das war Ende der 50er-, Anfang der 60er-Jahre eine Menge Geld“, so der heutige Besitzer.

Deshalb war die Orgel auch drei Jahre in Frankfurt

Der Orgelbauer ließ sich damals auf „Teilzahlungen“ ein, immer wenn es die finanzielle Situation erlaubte, bekam der Restaurator Geld in verschieden hohen Beträgen. So kam es, dass die Orgel mindestens drei Jahre in Frankfurt blieb. „Nachdem mein Vater die Orgel dann wieder zurückbekam, hat er sie gehütet wie den berühmten Augapfel“, vermutet Sohn Christian, denn bewusst erinnern kann er sich an 1968, als das Jahr in dem er die Konzertorgel zum ersten Mal gesehen und gehört hat. Herausgeholt wurde sie dann nur zu ganz besonderen Anlässen, etwa runden Geburtstagen in der Familie.

2015 erstmals in Bad Aibling

2015 kam die Orgel zum ersten Mal in Bad Aibling zum Einsatz, zu Ehren von Christians Onkel Walter Fahrenschon, lange Jahre ebenfalls Festwirt beim Aiblinger Volksfest.

An der Tradition der seltenen Einsätze wird festgehalten, auch wenn es vermehrt zu Anfragen, kommt, beispielsweise aus Altenheimen. „Das habe ich schon ein paar Mal gemacht, aber es soll etwas Besonderes bleiben, die Karussellorgel, wie sie auch genannt wird, spielen zu lassen“, so Christian Fahrenschon.

Spielkästen liefern 20 Minuten Musik

Er verrät, dass die „Spielkästen“, die für 20 Minuten Konzertorgel-Musik sorgen, 800 Euro kosten. Summen im oberen fünf- und unteren sechsstelligen Euro-Bereich wurden ihm schon als Verkaufsangebot gemacht, hergeben möchte er das Familienerbstück aber nicht. Gut für die Besucher in Bad Aibling, die die historische Konzertorgel noch bis zum 14. Juni sehen und mit etwas Glück auch hören können.

Geöffnet hat das Aiblinger „Pfingstfest zum Midnehma“ sowie der Biergarten an der Krankenhausstraße bis dahin täglich von 11 bis 22 Uhr.

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