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Pädagogen plädieren für Öffnung der Kindereinrichtungen

Familien unter Druck: Kitas zwischen Notbetreuung und Regelbetrieb

Zwei Drittel aller Kinder kommen auch während der Notbetreuung in ihren Kindergarten am Bucklberg. Deshalb plädieren Kitas aus der Gemeinde Feldkirchen-Westerham dafür, die Kindereinrichtungen wieder komplett zu öffnen.
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Zwei Drittel aller Kinder kommen auch während der Notbetreuung in ihren Kindergarten am Bucklberg. Deshalb plädieren Kitas aus der Gemeinde Feldkirchen-Westerham dafür, die Kindereinrichtungen wieder komplett zu öffnen.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Nachdem sie tagelang um die alles entscheidende 100 kreiste, ist die Inzidenz im Landkreis Rosenheim am Wochenende sukzessive auf 67,3 gesunken. Trotzdem sind die Kindertageseinrichtungen am Montag, 16. Mai, mit Notbetreuung gestartet.

Feldkirchen-Westerham – „Wir brauchen an fünf aufeinanderfolgenden Tagen eine Inzidenz unter 100, um ab dem übernächsten Tag in den eingeschränkten Regelbetrieb wechseln zu dürfen“, erklärt Martina Franz, die Leiterin des Kindergartens „Bucklberg“ in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham. Beobachtet sie die Zahlen, dürften die Kitas also am Mittwoch, 19. Mai, wieder öffnen – wenn eine entsprechende Anweisung der Kita-Aufsicht des Landratsamtes kommt.

Bedarf für Notbetreuung wächst

Am Dienstag, 18. Mai, heißt es also noch einmal Notbetreuung, doch ist die mit der vor einem Jahr nicht mehr zu vergleichen. Der „Bucklberg“ ist zu zwei Dritteln gefüllt, denn seit Januar gelten neue Regeln. Jeder, der Bedarf hat, kann sein Kind in die Einrichtung bringen. „Wir dürfen nicht nach den Beweggründen der Eltern fragen, aber das wollen wir auch gar nicht, denn die Eltern sind am Limit – vor allem die, die Kinder im Kindergarten und in der Schule haben“, erklärt Franz.

„Jede Familie, die eine Not anmeldet, hat auch eine. Und sei es nur die Not, dass die Vollzeitmama nach mehr als einem Jahr unter Corona-Bedingungen den Haushalt und die Betreuung der Kinder einfach nicht mehr schafft“, weiß auch Yvonne Schalli, die Leiterin des Pfarrkindergartens in Feldkirchen. Hier bringen 50 Prozent der Eltern ihre Kinder in die Notbetreuung. Die Tendenz ist steigend.

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Die Pädagogen sind noch hellhöriger geworden, nehmen leiseste Signale der Familien genau wahr. „Das Abhängig-Sein von wechselnden Inzidenzen und Reagieren auf neue Regeln ist für die Organisation in den Kindereinrichtungen schon sehr schwierig. An der Lebenswelt der Familien geht dieser permanente Wechsel komplett vorbei“, so Schalli.

Auch die Anforderungen an die Teams in den Kindereinrichtungen sind enorm. „Wir müssen seit einem Jahr immer wieder neue Modelle finden, um die Betreuung der Kinder in Regelbetrieb, eingeschränktem Regelbetrieb und Notbetrieb zu gewährleisten“, macht Franz klar. Mit viel Kreativität ist es den Pädagogen trotzdem gelungen, die Einschränkungen in schöne Erlebnisse für die Kinder zu verwandeln.

Pädagogen plädieren für Kita-Öffnung

Auch wenn kaum einer von ihnen schon durch zwei Impfungen komplett geschützt ist. Die Liebe zu ihrem Beruf und die Sorge um die Familien lässt sie auch nach mehr als einem Jahr unter erschwerten Arbeitsbedingungen durchhalten.

„Die Eltern und die Kinder brauchen Sicherheit. Die ständigen Wechsel des Betreuungsmodus müssen aufhören“, plädiert Martina Franz für eine Öffnung der Kindereinrichtungen unter angepassten Hygienemaßnahmen.

Tests auch an den Kindereinrichtungen?

Auch Yvonne Schalli wünscht sich eine klare Linie. „Es gibt viele Ideen, wie wir den Kitabetrieb für alle zugänglich machen könnten“, berichtet sie aus den Beratungen des katholischen Kita-Verbundes Bruckmühl, zu dem auch der Pfarrkindergarten gehört und schränkt ein: „Wir unterliegen jedoch alle den gesetzlichen Vorgaben.“

Nasentests lehnen alle ganz klar ab. „Doch vielleicht wären zweimalige Lolli- oder Spucktests pro Woche möglich – mit der Hilfe von Eltern aus medizinischen Berufen“, so die Überlegungen von Schalli. Das Team vom „Bucklberg“ allerdings lehnt Tests der Kinder rigoros ab.

Zwei Drittel der Eltern für Wechselmodell

Dagmar Lenz aus dem Pfarrkindergarten in Vagen plädiert für einen größeren Inzidenz-Spielraum, wenn es um die Öffnung von Kindereinrichtungen geht. „Von 95 bis 120 beispielsweise“, könnte sie sich vorstellen. In Vagen kommt die Hälfte der Kinder in die Notbetreuung. Das Team hatte ein individuelles Modell entworfen und den Eltern für mehr Planungssicherheit einen Wechsel wie an den Schulen vorgeschlagen.

„Die meisten waren dafür. Manche hätten auch öfter eine Betreuung gebraucht. Das wäre alles machbar gewesen“, informiert sie über die Resonanz. Das Modell kam nicht zustande, weil keiner außer dem Team des Pfarrkindergartens die Verantwortung dafür übernehmen wollte.

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Noch vor einem Jahr hat der Waldkindergarten in Vagen einen Sonderstatus genossen. „Bei uns sind die Kinder die meiste Zeit an der frischen Luft. Da ist die Ansteckungsgefahr nachweislich bei allen Krankheiten weitaus geringer als in geschlossenen Räumen“, erklärt Lisa Richters vom Vorstand des Vereins Wald- und Naturkindergarten Mangfalltal. In diesem Jahr gibt es diese Ausnahmeregelung nicht. Warum, weiß keiner.

Auch dem Team des Waldkindergartens geht es vor allem um die Planungssicherheit für Eltern, aber auch um Gerechtigkeit. „Die Gesetzeslage ist sehr unklar. Manche Eltern melden Bedarf an, andere sind sehr zurückhaltend und machen es nicht. Dadurch können Ungerechtigkeiten entstehen“, ist das Gefühl von Richters. Und, so meint sie: „Je länger diese Situation anhält, desto größer werden die Unsicherheiten.“ Deshalb hofft auch sie, dass es nach den Pfingstferien für die Kitas neue Regeln gibt.

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