Corona und Schule

Mit Distanzunterricht? Viertklässler in Bruckmühl vor Übertritt an weiterführende Schulen

Die neunjährige Julia möchte gern ans Gymnasium. Dafür will sie auch im Distanzunterricht einen Zweier-Durchschnitt schaffen.
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Die neunjährige Julia möchte gern ans Gymnasium. Dafür will sie auch im Distanzunterricht einen Zweier-Durchschnitt schaffen.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Die Viertklässler stellen jetzt die Weichen für ihr künftiges Leben. Ihr Notendurchscnnitt entscheidet, an welcher weiterführenden Schule sie ihre Ausbildung fortsetzen. Doch wie schaffen sie nach fast einem Jahr Distanzunterricht gute Zensuren? Zwei Bruckmühler Schüler erzählen es uns.

Bruckmühl – „Wenn der Hauptfallschirm nicht aufgeht, muss man den Reservefallschirm öffnen, landen, packen, sofort wieder in die Luft, sofort wieder springen.“ Alexandra K., einst aktive Fallschirmspringerin, hat für sich ein Bild gefunden, das die schwierige Situation von Eltern und Schülern beschreibt. „Wir müssen uns da jetzt mutig durchbeißen“, sagt sie nach Monaten des Homeschoolings, einem kurzen Intermezzo Präsenzunterricht und erneutem Distanzunterricht auf ungewisse Zeit.

Kinder finden eigene Alltagsstrukturen

„Man merkt, dass den Kindern die Bewegung und die sozialen Kontakte fehlen.“ Die beiden Bruckmühler arbeiten zu Hause: Mutter Alexandra, die IT-lerin, im Homeoffice. Ihr Sohn Patrick, der Viertklässler, im Homeschooling. Ihr Alltag hat eine neue Struktur bekommen. „Ich mache zwei Aufgaben, dann eine Pause an der frischen Luft und dann geht’s weiter“, erzählt der Zehnjährige.

Auf sein Fußballtraining und die Turniere muss er gerade verzichten. Was ihm aber am meisten fehlt, sind seine Freunde. Sie telefonieren zwar, dürfen sich aber nicht sehen, denn: „Ich habe schon eine Kontaktperson. Und daran halte ich mich, weil ich mich und die anderen Menschen nicht mit dem Corona-Virus infizieren möchte.“

Patrick (10) hat seinen Lernrhythmus gefunden. Er sorgt regelmäßig für frische Luft und Bewegung im Schnee, dann setzt er sich wieder an seine Aufgaben.

Gute Noten für das Übertrittszeugnis

Nach fast einem Jahr im Homeschooling sind die Viertklässler in einer ganz besonderen Situation. Sie brauchen jetzt gute Noten, damit sie den Übergang an die Schule ihrer Wahl schaffen. Patrick hat keine Probleme, sondern nur Einsen. Doch er weiß, dass einigen Kindern das Lernen nicht so leicht fällt. „Sie brauchen die Unterstützung von ihren Eltern. Und sie lernen wahrscheinlich in der Schule auch besser“, meint er.

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Für ihre Übertrittszeugnisse müssen die Viertklässler verpflichtende Tests schreiben. Das Kultusministerium hat deren Zahl von 23 auf 14 gesenkt, um den Leistungsdruck zu reduzieren. „Momentan haben wir noch gar nicht so viele Noten für unser Zeugnis“, erzählt Julia Seidel (9). Auch sie möchte ans Gymnasium. „Bis jetzt haben wir sieben Proben geschrieben, ich stehe überall auf zwei“, sagt sie zuversichtlich. Julia weiß, dass es „für Corona besser ist, wenn wir zu Hause bleiben“. Doch in der Schule lerne man einfach mehr. „Da hat die Lehrerin die große Tafel, kann alles viel besser erklären. Da kann ich auch viel mehr fragen.“

Auch Homeschooling am Handy gibt es

Familie Seidel hat vorgesorgt und ihre beiden Töchter mit einem Laptop ausgestattet. Viele Kinder nutzten für das Homeschooling aber auch ihr Handy, berichtet Arabella Quiram, die Rektorin der Justus-von-Liebig-Schule. Sie kennt die Sorgen der Familien, weiß, dass einige Kinder mit veralteten iPads oder Laptops arbeiten. Manche Familien hätten ein iPad für drei Kinder, andere ein schlechtes oder gar kein Internet. Wo es gehe, helfe die Schule. Doch die 40 Tablets, die noch immer nicht geliefert wurden, fehlen. Mit ihnen könnte man effektiv helfen.

Leistungsberichte kommen im Februar

Patrick, Julia und die anderen Viertklässler stellen unter außergewöhnlichen Bedingungen Weichen für ihr Leben. „Die Leistungsberichte sollten heute eigentlich fertig sein, damit die Eltern eine Orientierung haben, doch der Termin wurde verschoben“, erklärt Arabella Quiram. Sie hat nach dem ersten Lockdown beobachtet, dass den Kindern im Homeschooling nicht nur die sozialen Kontakte fehlen: „Bei vielen Grundschülern waren auch grundlegende Fähigkeiten im Lesen oder Kopfrechnen verkümmert. Doch nach zwei Monaten Präsenzunterricht waren die Probleme wieder behoben“.

Auch wenn keiner weiß, ab wann wieder Präsenzunterricht möglich sein wird, möchte sie besorgte Eltern dennoch beruhigen: „Wir haben die Entwicklung unserer Schüler im Blick. Kein Kind bleibt auf der Strecke.“

Soll der Durchschnitt oder die Eignung über die künftige Schulform entscheiden?

Die Faschingsferien wurden gestrichen, die Zwischenzeugnisse vom 12. Februar auf den 5. März verschoben, . Für den Übergang an die weiterführenden Schulen müssen die Viertklässler einen vorgegebenen Notendurchschnitt schaffen. Daran will das Bayerische Kultusministerium trotz der Corona-Pandemie nicht rütteln.

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Wer ans Gymnasium möchte, braucht in den Hauptfächern Deutsch, Mathe sowie Heimat- und Sachunterricht einen Leistungsdurchschnitt von 2,33 im Übertrittszeugnis. Das gibt es am 10. Mai. Für die Realschule wird ein NC von 2,66 verlangt. Schüler mit einem Durchschnitt ab 3,0 gehen an die Mittelschule.

Hier hat sich jetzt der Bayerische Elternverband eingeschalten. In einem offenen Brief an das Kultusministerium fordert Landesvorsitzender Martin Löwe, „die erreichten Noten nicht mehr als Kriterien für das Vorrücken und den Übertritt heranzuziehen“. Vielmehr sollte eine Entscheidung über die grundsätzliche Eignung der Schüler in einem Gespräch zwischen Lehrkraft und Eltern erörtert und gemeinsam beschlossen werden.

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