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Wie Tuntenhausen schuldenfrei durch die Krise steuert

Explosion bei Treibstoffpreisen: Kann die Feuerwehr noch volltanken?

Die Preisexplosion bei Treibstoffen schlägt sich auch im Tuntenhausener Gemeindehaushalt nieder. So steigen die Kosten für das Betanken der Bauhoffahrzeuge beispielsweise jährlich um etwa fünf Prozent.
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Die Preisexplosion bei Treibstoffen schlägt sich auch im Tuntenhausener Gemeindehaushalt nieder. So steigen die Kosten für das Betanken der Bauhoffahrzeuge beispielsweise jährlich um etwa fünf Prozent. Am Dienstag tankte Bauhofmitarbeiter Thomas Haas Diesel für 2,23 pro Liter.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Neue Preis-Höchststände bei Treibstoff, Gas und Öl – nicht nur Privatpersonen fragen sich, wie sie diese Preisspirale noch bewältigen sollen, sondern auch die Kommunen. Wie die Gemeinde Tuntenhausen die Preisexplosionen bewältigen will.

Tuntenhausen – In der Gemeinde Tuntenhausen erhöhten sich in den vergangenen drei Jahren die Kosten für Energie enorm.

Allein in der Schule Ostermünchen stiegen die Heizkosten innerhalb eines Jahres um 18 Prozent von 50 373 Euro (2019) auf 59 908 Euro (2020). In diesem Jahr rechnet die Gemeinde mit Kosten von 65 000 Euro, was einer Kostensteigerung von 30 Prozent innerhalb von drei Jahren entspricht. Nicht ganz so extrem sind die Stromkosten der Schule angestiegen. Lagen sie 2019 noch bei 16 802 Euro, waren es im Jahr darauf bereits 17 494 Euro und damit vier Prozent mehr. In diesem Jahr wurden 18 000 Euro eingeplant.

Unternehmen haben sich leicht erholt

Bei Treibstoff für die Fahrzeuge von Bauhof und Feuerwehren muss die Gemeinde Preissteigerungen von fünf bis sechs Prozent abfedern. Fielen im Bauhof im Jahr 2019 Spritkosten von 5555 Euro an, waren es im Jahr darauf schon 5879 Euro. In diesem Jahr wurden vorsorglich 6200 Euro im Haushalt eingeplant. Bei den Feuerwehren fielen Treibstoffkosten in Höhe von 4930 Euro (2019) und 5155 Euro (2020) an. In diesem Jahr sind sechs Prozent mehr und damit 5500 Euro eingeplant.

Auch wenn die Kosten steigen: Mit kluger und bedachter Haushaltsplanung gelingt es den Tuntenhausenern seit 2014, schuldenfrei zu bleiben. Trotz der Corona-Krise und fehlender Steuereinnahmen konnten sie 2021 dem Vermögenshaushalt immerhin noch 410 000 Euro zuführen. In diesem Jahr sollen es planmäßig sogar 1,24 Millionen Euro sein. „Das ist nur möglich, weil sich trotz anhaltender Pandemie die Unternehmen unserer Gemeinde und damit die Gewerbesteuereinnahmen erholt haben“, erläuterte Kämmerer Andreas Marx bei der Präsentation des aktuellen Haushaltsplanes im Gemeinderat.

Im Jahr 2020 zahlten Unternehmen Gewerbesteuern in Höhe von 1,97 Millionen Euro. Bund und Freistaat kompensierten den Gewerbesteuerausfall mit einer Zuweisung von 625 000 Euro. Im vergangenen Jahr erholten sich die Tuntenhausener Unternehmen leicht. Die Gewerbesteuereinnahme kletterte wieder auf drei Millionen Euro. In diesem Jahr rechnet der Kämmerer mit 2,4 Millionen Euro – eine vorsichtige Rechnung vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Krise am Rohstoff- und Energiemarkt. 290 000 Euro muss die Gemeinde als Gewerbesteuerumlage übrigens wieder abgeben.

Der Anteil der Gemeinde an der Einkommenssteuer entwickelte sich relativ stabil – von 4,63 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 4,98 Millionen Euro im vergangenen und geplanten 4,7 Millionen Euro in diesem Jahr.

Der Anteil an der Umsatzsteuer betrug 2020 noch 471 617 Euro und ist in diesem Jahr mit 390 000 Euro angesetzt. An der Grunderwerbssteuer wurde die Gemeinde vor zwei Jahren mit 152 479 Euro beteiligt. In diesem Jahr wird mit 80 000 Euro errechnet. Der Anteil an der Kfz-Steuer liegt konstant bei 204 000 Euro.

Kreisumlage von 3,9 Millionen Euro

Tuntenhausen erhält Schlüsselzuweisungen in Höhe von 1,2 Millionen Euro – im vergangenen Jahr waren es 984 804 Euro und im Jahr zuvor 1,5 Millionen Euro. Dafür steht auf der anderen Seite eine Kreisumlage von 3,92 Millionen Euro als größter Ausgabeposten in der Gemeinde.

Zu den Einnahmen der Gemeinde Tuntenhausen gehören staatliche Zuschüsse zu den Kindertageseinrichtungen von 1,1 Millionen Euro. Die Gemeinde bezuschusst die Kindertagesbetreuung jährlich mit einer Million Euro, denn die Ausgaben liegen bei zwei Millionen Euro. Ähnlich sieht es bei der Schülerbeförderung aus. Die staatlichen Zuschüsse liegen bei 165 000 Euro, die Ausgaben bei 275 000 Euro. Die Offene Ganztagsschule in Schönau wird staatlich mit 169 000 Euro gefördert. Die Kosten betragen 228 600 Euro. Die Differenz wird von der Kommune abgefedert.

Zudem fördert die Gemeinde Tuntenhausen ihre Vereine im Bereich der Kultur mit 27 600 Euro und im Sport mit 23 800 Euro im Jahr. Für die Mehrzweckhalle in Schönau werden jährlich circa 39 000 Euro, für die Bolzplätze etwa 8000 Euro ausgegeben.

Für Personalkosten von 55 Mitarbeitern in Kernverwaltung, Bauhof und Kindertageseinrichtungen wurden 3,2 Millionen Euro eingeplant. Insgesamt hat der Haushalt der Gemeinde Tuntenhausen ein Volumen von 18,25 Millionen Euro – davon entfallen 15,11 Millionen Euro auf der Verwaltungshaushalt, der damit wieder das Vor-Coronapandemie-Niveau erreicht hat.

Der Vermögenshaushalt umfasst 3,17 Millionen Euro. Alle Investitionen erfolgen ohne Kreditaufnahme. Einige Beispiele: Für Anbauten an die Feuerwehrgerätehäuser in Ostermünchen und Lampferding wurden insgesamt 200 000 Euro eingeplant, für die Fenstersanierung an der Schule in Ostermünchen 150 000 Euro.

Sparen für eine neue Kläranlage

Die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED schlägt mit 150 000 Euro zu Buche. Für das Gemeindestraßenprogramm wurden 200 000 Euro eingeplant, für den Unterhalt der Gewässer dritter Ordnung 64 900 Euro. Für die Fortführung der Abwasserbeseitigung wurden 480 000 Euro und der Wasserversorgung 584 000 Euro eingeplant. Große Einzelinvestitionen sind in diesem Jahr nicht geplant, doch spart die Gemeinde schon lange dafür, im Jahr 2025 eine neue Kläranlage in Ostermünchen bauen zu können. Bis dahin werden 1,7 Millionen Euro in einer Sonderrücklage bereitstehen.

Aufgrund der Stabilität der Finanzen konnte die Gemeinde die Corona-Krise schadlos überstehen. Doch woher kommt diese Stabilität? „Aus der seit Jahren im Einklang handelnden Gemeinschaft aus Gemeinderat, Bürgermeister und Verwaltung“, erklärt Kämmerer Andreas Marx. Zudem verweist er auf das konsequente Vermeiden von Ausgabeüberschreitungen und unnötige Ausgaben. „Nur so sichern wir den Gestaltungsspielraum für notwendige Investitionen“, betont Marx.

Haushaltssatzung und Haushaltsplan für das Jahr 2022 sowie der Investitionsplan bis 2025 wurden vom Gemeinderat einstimmig verabschiedet.

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