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Man aus Bruckmühl war einer der besten Alpinskifahrer

Erster deutscher Hahnenkamm-Sieger Sepp Folger wäre am 16. Februar 100 Jahre alt geworden

Sepp Folger in Aktion: Der Thalhamer ging als erster deutscher Hahnenkamm-Sieger in die Geschichte ein.
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Sepp Folger in Aktion: Der Thalhamer ging als erster deutscher Hahnenkamm-Sieger in die Geschichte ein.
  • VonJohann Baumann
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Sepp Folger war einer der bekanntesten und besten deutschen Alpinskifahrer in den 1940er- und 50er-Jahren. Der Thalhamer war der erste deutsche Hahnenkamm-Sieger in Kitzbühel. Am Mittwoch, 16. Februar, wäre er 100 Jahre alt geworden.

Bruckmühl – Es war der größte Tag in seiner erfolgreichen Ski-Karriere: Am Sonntag, 22. Januar 1950, trat Sepp Folger mit der Startnummer 30 zum Slalom des 10. Hahnenkamm-Rennens am Ganslernhang in Kitzbühel an, fuhr in beiden Läufen Bestzeit und ging als erster deutscher Hahnenkamm-Sieger in die Geschichte ein.

An seinem 90. Geburtstag im Jahr 2012 war auch der einstige Eisschnellläufer Herbert Höfl zu Gast.

Junge Sportler eifern dem Vorbild nach

Er eröffnete somit den Reigen deutscher Skirennläufer, die sich bei diesem prestigeträchtigen Kult-Ereignis in die Siegerliste eintragen konnten – wie zuletzt Felix Neureuther, Thomas Dreßen und Sepp Ferstl junior.

Traditionell tragen die Gondeln der Hahnenkamm-Bergbahn die Namen der Sieger: Auf der Gondel Nr. 52 ist der Name Sepp Folger verewigt. Auf die Welt gekommen ist er im Schloss Vagen, das als „Hotel Fürstenhof“ in der TV-Serie „Sturm der Liebe“ berühmt wurde. Dort waren seine Eltern angestellt. Mit drei Jahren kam Sepp Folger ins benachbarte Thalham, wo sein Vater ein landwirtschaftliches Anwesen erworben hatte. Seine Freizeit verbrachte am liebsten auf dem nahegelegenen Bruckmühler Sportplatz. Den jungen Sepp interessierte keineswegs nur der Wintersport: Er spielte auch leidenschaftlich gern Feldhandball und Fußball. Dabei erlitt er einen Schien- und Wadenbeinbruch. „Das hat gekracht, als wenn ein Brett abbricht“, erinnerte er sich in einem Gespräch mit dem Mangfall-Boten anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahr 2012.

Sepp war ein außergewöhnlicher Sportler. Als Leichtathlet hielt er unter anderem den deutschen Jugend-Stabhochsprung-Rekord. Skifahren hat er mit eisernem Willen am Wendelstein und auf einer Schneise am Nordhang des nahen Irschenbergs trainiert. Dorthin fuhr er nicht etwa mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad – seine Skier im Gepäck.

Er entwickelte sich in den 40er-Jahren zu einem der besten deutschen Skifahrer, der sich dann international unter anderem mit den damaligen österreichischen Skigrößen Othmar Schneider, Fritz Huber und Christian Pravda sowie mit dem italienischen Skistar Zeno Colo maß. Im Zweiten Weltkrieg war er u. a. in einer aus allen namhaften deutschen Wintersportlern zusammengestellten Spezialeinheit eingesetzt und erlebte das Kriegsende in Bludenz/Vorarlberg.

Leider ist ihm in seinen besten sportlichen Jahren eine Olympia-Teilnahme versagt geblieben: „1944 sind die Olympischen Spiele wegen des 2. Weltkriegs ausgefallen. 1948 durften wir Deutschen als Kriegsverbrecher nicht teilnehmen“, berichtete er bedauernd.

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere übernahm der Sepp die elterliche Landwirtschaft, und arbeitete ehrenamtlich unter anderem als Damen-Trainer beim Deutschen Skiverband. Folger war maßgeblich an der Entwicklung der „Marker“-Skibindung und des „Fritzmeier“-Skis beteiligt.

Als Freizeitsport betrieb er neben dem Skifahren auch Langlauf und nahm noch mit 65 Jahren am König Ludwig-Lauf und am Koasa-Lauf teil.

1957 schloss er mit seiner Ehefrau Christl – übrigens auch eine frühere deutsche Jugend-Skimeisterin – den Bund der Ehe, aus dem zwei Kinder und drei Enkelkinder hervorgingen. Noch mit 88 stand Sepp auf den Brettern, die seine Welt bedeuteten. Mit dem alpinen Skisport war er immer eng verbunden und schaute sich die meisten Rennen im Fernsehen an. Von den „City-Rennen“ hielt er allerdings nicht viel: „Das hat eher mit dem Zirkus Krone als mit alpinem Rennsport zu tun“, kommentierte er kritisch. Seinen 90. Geburtstag durfte er noch feiern –unter anderem mit seinen „Schneeforscher“-Freunden. Diesen Sportler-Freundeskreis mit dem alpinen „Zielgebiet“ Obertauern hatte er 1979 mitbegründet.

100 Jahre wäre Sepp Folge am Mittwoch, 16. Februar, geworden.

Ein Unfall riss ihn 2013 aus dem Leben

Am 13. März 2013 verstarb Sepp Folger an den Folgen eines Unfalls. Unter großer Anteilnahme wurde er auf dem Friedhof in Mittenkirchen beerdigt. Zu den Trauergästen zählten damals auch seine „Schneeforscher“-Freunde – frühere Fußballgrößen wie Franz Beckenbauer, Uwe Seeler und Ludwig Müller und Ex-Bundestrainer Erich Ribbeck oder Zehnkampf-Olympiasieger Willi Holdorf und Ex-Eisschnell-Läufer Herbert Höfl.

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