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Erinnerungen an die "Elektrische"

Die letzte Fahrt des dieselbetriebenen Schienenbusses am 29. September 1973 um 20.07 Uhr hielt Edeltraud Baumann aus Au mit der Kamera fest. Rechts ist der Auer Gasthof "Zur Post" zu sehen.  Foto  Baumann
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Die letzte Fahrt des dieselbetriebenen Schienenbusses am 29. September 1973 um 20.07 Uhr hielt Edeltraud Baumann aus Au mit der Kamera fest. Rechts ist der Auer Gasthof "Zur Post" zu sehen. Foto Baumann

Der alte Feilnbacher Bahnhof in Bad Aibling erwacht derzeit durch die Neubauten in seiner Umgebung aus dem Dornröschenschlaf. Zurzeit wird er entkernt und zu einem Wohnhaus ausgebaut.

Dieser ehemalige Bahnhof wurde einst für die Privatbahn "Bad Aibling - Feilenbach" genutzt und liegt inmitten des Neubaugebietes südlich der Bahnlinie Rosenheim-Holzkirchen.

Bad Aibling - Errichtet wurde das schöne Gebäude 1896/97 vom Aiblinger Baumeister Bichler, nach dessen Tod vollendet vom Baugeschäft Meishammer. Da es keine direkte Verbindung zum Bahnhof der Staatsbahn gab, gelangte man über einen "Eisernen Steg" auf die Südseite der Bahnanlagen zum Feilnbacher Bahnhof. Auch viele Bewohner südlich der Gleisanlagen benutzten den Steg als kürzeste Verbindung in die Innenstadt.

Bei der Elektrifizierung der Strecke Holzkirchen-Rosenheim wurde der Steg - er war zu niedrig für die Stromleitung - durch eine Unterführung ersetzt. Der Bahnhof selbst hatte 1950 ausgedient, denn die Bundesbahn stellte eine direkte Verbindung zum Staatsbahnhof her. Schon 1939 hatte die Reichsbahn die Privatbahn übernommen.

Bevor der Bahnverkehr - der erste elektrische in Bayern - aufgenommen werden konnte, mussten die Gleisstrecke und die Bahnhöfe errichtet werden. Viele Bauern überließen den nötigen Grund kostenlos an den Bauherrn, die Elektrizitätswerke AG Dresden. Der Süden von Bad Aibling bis zu den Bergen bekam so 40 Jahre nach Inbetriebnahme der Maximiliansbahn München-Holzkirchen-Rosenheim durch eine neue Bahnstrecke Anschluss an die weite Welt.

Feilnbach und die Berge waren nur mit Pferdefuhrwerken oder zu Fuß erreichbar. Auch Wilhelm Leibl marschierte noch zu Fuß von Aibling nach Kutterling. Auto und Fahrrad begannen gerade ihren Siegeszug.

Den Auftrag zur Errichtung der Bahngebäude Au und "Feilenbach" sowie der Haltestellen Willing, Berbling, Dettendorf und Lippertskirchen erhielt das Baugeschäft Josef Gasteiger in Au. Heute erinnert noch der Hausname "beim Zimmermeister" des Aussiedlerhofes in Kreuzwies südlich von Au an diesen großen Handwerksbetrieb.

Während das Bahnhofsgebäude in Bad Aibling gemauert wurde, bestanden die anderen Bahnhöfe fast völlig aus Holz. Der letzte Stationsvorsteher in Feilnbach war seit 1968 Agent Ludwig Stadler aus Bad Aibling. Noch bis 1978 erteilte er dort Auskünfte. Stadler war auch als rasender Fotoreporter für die Heimatzeitung bekannt.

Die neue Bahn hatte große Bedeutung für die Menschen südlich von Aibling, konnten sie doch jetzt schnell die Kreisstadt und auch Rosenheim und München erreichen. Da es gerade in den ersten Jahrzehnten viele Fahrgäste gab, hofften auch Gastwirte, ein Geschäft zu machen. So verlegte der Dettendorfer Wirt das Gasthaus von der Dorfmitte an den Bahnhof.

Auch in Au errichtete das Baugeschäft Gasteiger eine Bahnhofsrestauration. Als in Au der Film "Der Sündenbock von Spatzenhausen" in den 1950er-Jahren gedreht wurde, wohnte dort der Schauspieler Hans Moser.

Mindestens gleich wichtig war der Gütertransport. Der Holztransport ging jetzt ohne große Mühe und Zeitaufwand. Täglich 150 Milchkannen und auch Vieh wurden befördert. Die Kohleförderung im Bergwerk Au wurde für zehn Jahre wieder aufgenommen. Auch das Zementwerk in Litzldorf erhoffte sich einen günstigen Abtransport. Der Torf von den Mooren in der Gegend von Kreuzstraße wurde mit Schmalspurbahnen nach Au befördert. Bis zu zehn Waggons wurden täglich beladen.

Erst zehn Jahre vor Beginn der Planung dieser ersten elektrischen Eisenbahn war die Stromübertragung über weite Strecken von Miesbach nach München im Jahre 1882 geglückt. 1895 fuhr in München die erste elektrische Straßenbahn. Für die neue Bahn wurde ein Stromhaus am Triftbach in Aibling errichtet (heute Autowerkstätte). Im Gebäude stand auch eine Dampfturbine mit einem 24 Meter hohen Kamin, um den Gleichstrom-Generator anzutreiben. In Au wurden zur Stromspeicherung Batterien zunächst in einem Holzschuppen sechs auf zehn Meter zwischen Bahnhof und Staatsstraße untergebracht, ab 1909 in einem Batterieraum mit Dienstwohngebäude gegenüber vom Bahnhof.

Wenige Wochen vor der Baderhebung der Gemeinde Feilnbach im Oktober 1973 stellte die Deutsche Bundesbahn den Zugverkehr zwischen Bad Aibling und Feilnbach nach 76 Jahren ein. Was mit viel Begeisterung am 29. Mai 1897 begann, ging vor 41 Jahren unter vielen vergeblichen Protesten der Kommunalpolitiker und der Bevölkerung am 29. September 1973 zu Ende.

Nur noch wenige Bauten erinnern an die ehemals wichtige Verkehrsader. Wohl niemand, der heute auf der Staatsstraße Miesbach-Rosenheim durch Au fährt, denkt daran, dass einmal eine Eisenbahn die Straße kreuzte. Eine Schrankenanlage sicherte bis zur letzten Fahrt den Zugverkehr.

Die Bundesbahn verkaufte das gesamte Gelände von der Westendstraße in Bad Aibling bis nach Feilnbach an die beiden Gemeinden. Zunächst baute die Stadt Bad Aibling bis zur Stadtgrenze bei der Baumschule Kaffl hinter Berbling einen Radweg. Ende der 1970er-Jahre verlängerte die Gemeinde Bad Feilnbach den Radlweg weiter bis Au.

Radweg

auf Feldwegen

Dort war der Gleiskörper aber schon in die Flurbereinigung eingerechnet worden. So verläuft der Radweg bis Feilnbach auf Feldwegen. Das Bahnhofsgelände in Au wurde Bauland für Einheimische. Eine bahnbrechende Idee aber hat 1897 ihren Siegeszug begonnen. Alle Hauptstrecken der Bahn sind heute elektrifiziert. Für die erste Elektrische jedoch war nach 76 Jahren Schluss. bn

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