Erich Prinz von Lobkowicz, Präsident der Malteser Deutschland: „Beirut braucht unsere Hilfe“

Ein Bild der Zerstörung: Dr. Erich Prinz von Lobkowicz (Dritter von links), Präsident der deutschen Assoziation des Malteserordens, informiert sich am Hafen von Beirut über das Ausmaß der Katastrophe.
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Ein Bild der Zerstörung: Dr. Erich Prinz von Lobkowicz (Dritter von links), Präsident der deutschen Assoziation des Malteserordens, informiert sich am Hafen von Beirut über das Ausmaß der Katastrophe.

Dr. Erich Prinz von Lobkowicz ist in den Libanon gereist. Zehn Tage nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut machte sich der Präsident der deutschen Assoziation des Malteserordens ein Bild von der Lage vor Ort und ruft zur internationalen Unterstützung auf: „Diese Menschen brauchen unsere Hilfe.“

Von Kathrin Gerlach

Maxlrain/Beirut– „Als ich die Berichte über die Katastrophe im Fernsehen sah, wusste ich, dass ich unbedingt hin muss“, erinnert sich Lobkowicz an den Abend des 4. August. Noch in Nacht ruft er seinen Freund in Beirut an. Seit mehr als 30 Jahren schon ist er mit Marwan Sehnaohi befreundet. Der Präsident der Malteser im Libanon hat an diesem Abend viele Bekannte und Freunde verloren. Sie sind unter den mehr als 190 Opfern.

Malteser versorgen Hunderte Verletzte

Auch in beiden Malteser-Stützpunkten in Beirut werden in dieser Nacht viele der mehr als 6000 Verletzten versorgt. „Nur 500 Meter entfernt vom Hafen ist eines unserer Krankenhäuser. Da es an einer einstigen Demarkationslinie aus Zeiten des Bürgerkriegs liegt, wurden seine Wände raketensicher gebaut. Es wurde durch die Explosion nicht zerstört, also konnten 15 Ärzte und zahlreiche Ordensmitglieder schon unmittelbar nach der Katastrophe die Notversorgung der Menschen übernehmen“, so Lobkowicz.

Zudem waren zwei mobile Klinikbusse der Malteser im Einsatz. Wenige Tage später wird auch ein Nothilfeteam aus Deutschland zur Unterstützung der Hilfsmaßnahmen nach Beirut entsandt.

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Als Lobkowicz endlich in Beirut eintrifft und seinen Freund in die Arme schließen kann, haben die beiden Männer Tränen in den Augen. „Der christliche Teil Beiruts – die ganze Altstadt – liegt in Trümmern, so wie schon einmal 1989 – am Ende des Bürgerkrieges und nach jahrelangem Raketenbeschuss“, beschreibt der Libanon-Experte. „Die Menschen haben ihre Stadt in der vergangenen 31 Jahren mit unglaublichem Fleiß wieder aufgebaut. Dafür empfinde ich eine große Bewunderung. Nun wurde sie durch eine einzige Explosion ein zweites Mal völlig zerstört worden.“

Schock weicht der Berufung zur Hilfe

Doch der Schock weicht in Sekunden der Berufung: „Ein Malteser schaltet in der Katastrophe sofort auf den Hilfsmodus. Man vergisst die Trauer und hilft den Überlebenden.“ 300 000 Einwohner von Beirut sind obdachlos, haben alles verloren. Zigtausende leben in Ruinen – hausen in Wohnungen, deren Fenster und Wände geborsten sind. Für Reparaturen fehlt ihnen das Geld.

Schon vor der Explosion steckte der Libanon in der größten Finanz- und Wirtschaftskrise seiner Geschichte. „Die Konten der Menschen wurden eingefroren. Von ihrem eigenen Geld wurden ihnen 200 Dollar pro Woche zugeteilt. Viele haben seit Monaten nichts anderes als Hirse und Reise gegessen“, erklärt Prinz Lobkowicz. Die Corona-Krise habe diese große Armut noch verschärft. „Und als endlich die ersten Lockerungen kamen, folgte die Katastrophe am Hafen.“

Wer hilft den Menschen in Beirut?

Zehn Tage nach der Explosion steht der Maxlrainer am Hafen von Beirut. „Der Brand in einer Feuerwerksfabrik griff auf das benachbarte Düngemittellager über. Das ist mit einer so großen Wucht explodiert, dass die Detonationswelle riesige Frachter wie Spielzeuge in die Luft hob und zertrümmerte“, erklären ihm die Beiruter.

Dass dabei nur der christliche Teil der Stadt zerstört wurde, kann ein Zufall sein. Doch die Ursache der Katastrophe ist noch immer nicht ermittelt. „Man kann nur hoffen, dass diese Explosion ein tragischer Unfall war“, sagt Lobkowicz. „Dann bekämen die Hausbesitzer wenigstens Schadenersatz von ihren Versicherungen. War es ein terroristisches Attentat, bekommen sie keinen Cent.“

Hunderttausende sind obdachlos

Vier Wochen nach der Explosion im Hafen von Beirut sind die Straßen wieder beräumt und die Schuttberge abtransportiert. Doch viele Libanesen, die in der Nähe des Hafens gewohnt haben, sind noch immer obdachlos. „Einige hundert Menschen leben jetzt in fünf Einrichtungen der Malteser in den nahen Bergen“, sagt Lobkowicz.

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250 ehrenamtliche Ordensmitglieder helfen den Menschen in der Stadt. „Viele möchten ihre Wohnung nicht verlassen, weil sie keine Fenster oder Türen mehr haben und jeder hineinkommen kann. Sie haben Angst, auch ihr letztes Hab und Gut noch zu verlieren“, berichtet Malteser-Landeskoordinator Clemens Mirbach. Die Ehrenamtlichen gehen von Tür zu Tür, gehen auf die in den zerstörten Wohnungen lebenden Menschen zu, geben Lebensmittel aus und machen die Wohnungen wieder einigermaßen bewohnbar.

„Wie schon 1989 wird es auch jetzt eine Aufgabe von Generationen sein, ihre Heimat wieder aufzubauen“, blickt Erich Prinz von Lobkowicz in die Zukunft: „Diese Menschen brauchen unsere Hilfe.“

Der Malteserorden

Der Malteserorden steht seit mehr als 900 Jahren Menschen auf der ganzen Welt bei, die von Armut, Krankheit, Konflikten und Katastrophen betroffen sind. Im Libanon war es Prinz Eduard von Lobkowicz, der während des Bürgerkrieges mit dem Aufbau von Krankenstationen (Dispensarien) begann.

Heute betreiben die Malteser gemeinsam mit ihrer lokalen Assoziation im Libanon 13 Krankenhäuser und mehrere mobile Gesundheitsstationen im ganzen Land. So ermöglichen sie mehr als 200 000 Menschen pro Jahr eine kostenlose Gesundheitsversorgung. Zudem unterstützen sie Gesundheitszentren im Norden des Landes mit Medikamenten und medizinischer Ausstattung und verteilen Hilfsgüter an syrische Flüchtlinge und bedürftige Libanesen.

Nähere Informationen und die Möglichkeit zu spenden unter www.malteser-international.org/de/hilfe-weltweit/naher-osten/libanon.

Am 19. September Benefizkonzert für den Malteser Hilfsdienst Rosenheim

Ein Benefizkonzert gibt die Band „LifveChords“ zugunsten des Malteser Hilfsdienstes am 19. September, ab 19 Uhr, in der Reithalle von Schloss Maxlrain.

Die Musiker haben sich entschieden, ihr Konzert noch einmal der legendären Künstlerin Josephine Baker (1906 bis 1975) zu widmen. Die „LifveChords“ spielen Josephines Lieblingslieder und eigens für sie komponierte Stücke.

Eine Media-Show ergänzt die spannenden Geschichten ebenso wie das besondere Bühnenbild und die Musik. Sängerin Rayka und die LifveChords präsentieren die Songs charmant, jazzig, unverkennbar, im swingenden LifveChords-Sound. Und so kommt Josephine Baker noch einmal zu einem imaginären Interview mit Sängerin Rayka Emmé nach Maxlrain.

Dr. Erich Prinz von Lobkowicz ist der Schirmherr der Veranstaltung, die den Menschen von Beirut gewidmet ist. Reservierungen für die Veranstaltung unter der E-Mail kultur@maxlrain.de oder Telefon 0 80 61/90 79 31.

Das Konzert beginnt um 19 Uhr, Einlass ist ab 18 Uhr. Getränke gibt es vor der Veranstaltung und in der Pause. Der Eintritt ist frei. Spenden gehen komplett an den Malteser Hilfsdienst Rosenheim.

Gehen in Beirut von Haus zu Haus: Ehrenamtliche der Malteser im Libanon suchen die Menschen in den zerstörten Häusern auf und versorgen sie mit Lebensmitteln.

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