Interview

Elisabeth Eder vom Weltladen Bruckmühl sagt: „Fairer Handel geht noch fairer“

  • vonKathrin Gerlach
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Der Verein „Faire Welt“ Bruckmühl geht neue Wege. Er setzt auf Fairness von der Ernte bis zum Endprodukt, will Arbeitsplätze in den Anbauländern stärken und bietet nun auch klimaneutrale Produkte aus Übersee an. Jetzt kam Kaffee aus Nicaragua mit dem Segelschiff und Lastenrädern bis nach Bruckmühl.

Bruckmühl – Wie fairer Handel noch fairer wird, und wie die Bruckmühler auch in der Corona-Krise für die Menschen in den Herkunftsländern der Produkte auf Achse waren, erklärt Elisabeth Eder, die Vorsitzende des Vereins „Faire Welt“ im Interview.

Frau Eder, Fair-Trade-Produkte gibt es inzwischen in jedem Discounter. Braucht es da eigentlich noch einen Weltladen?

Elisabeth Eder: Auf jeden Fall, denn während die Fair-Trade-Ketten große Genossenschaften unterstützen, kümmern wir uns um die kleinen Kooperativen wie die Korbmacher aus Afrika, die Kunsthandwerker aus Indien oder die Kaffeebauern in Mittelamerika.

Elisabeth Eder ist die Vorsitzende des Bruckmühler Vereins „Faire Welt“.

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Für diese Menschen hat Ihr Verein in der Corona-Krise auch ganz neue Wege beschritten.

Elisabeth Eder: Als wir am 15. März unseren Weltladen schließen mussten, haben wir uns vor allem um die Ärmsten der Armen Sorgen gemacht. Sie mussten die Corona-Pandemie nicht nur mit einer fehlenden oder schlechten Gesundheitsversorgung überstehen. Ohne die Einnahmen aus dem Fair-Trade-Handel wären ihnen auch ihre wenigen Einnahmen weggebrochen, die sie zum Überleben brauchen.

Also haben Sie kurzerhand einen Online-Handel auf die Beine gestellt.

Elisabeth Eder: Zum Glück ist mein Enkel Dominik computertechnisch sehr begabt. Er hat auf unserer Homepage einen Online-Shop eingerichtet. Und dieses Angebot wurde richtig gut angenommen. Jane Tomlinson, Beate Fuchs und ich haben die Waren ausgeliefert. Und so haben wir in und trotz der Krise etwa zwei Drittel unserer normalen Monatsumsätze geschafft. Sogar eine Frau aus Hamburg hatte bei uns bestellt. Ihr habe ich dann in einer freundlichen Mail leider mitteilen müssen, dass wir viel zu weit weg sind, um auch ihr die Waren liefern zu können.

In der Kooperative „Cosatin“ in Nicaragua wird der Kaffee angebaut, geerntet, getrocknet und geröstet.

Inzwischen können die Kunden wieder zu den normalen Öffnungszeiten in den Weltladen kommen?

Elisabeth Eder: Ja, unser ehrenamtliches Team aus 23 Frauen zwischen 52 und 82 Jahren ist wieder zu den bekannten Öffnungszeiten im Dienst für die Produkte ganz besonderer Menschen und für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Meist sind es ja auch Frauen, so wie wir.

Wie können Sie garantieren, dass die Produkte wirklich fair gehandelt werden?

Elisabeth Eder: Wir beziehen unsere Waren hauptsächlich von den Importorganisationen El Puente und Weltpartner, die großen Wert auf Transparenz legen. Sie achten auf Dinge, die auch uns sehr wichtig sind – etwa die Einhaltung von Arbeits- und Sozialstandards, die Förderung des ökologischen Landbaus, die Zahlung der von den Produzenten selbst kalkulierten Preise.

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Zudem gewährleisten sie eine hundertprozentige, zinsfreie Vorfinanzierung. So können die Partner in den Herkunftsländern unabhängig arbeiten und investieren. Beispielsweise wird zusätzlich zum garantierten Mindestpreis des Kaffees auch eine Fairhandelsprämie zur Verbesserung der Lebensbedingungen an die Kaffeebauern gezahlt. Diese bleibt im Erzeugerort. Die Genossenschaftsmitglieder entscheiden gemeinschaftlich, was sie damit in ihrem Dorf verändern wollen. Der Kooperativenverband Cosatin in Nicaragua hat die Prämie beispielsweise für eine Kaffee-Trocknung und eine Wasserauffanganlage ausgegeben.

Ich kann also mit einem Päckchen Kaffee Bauern in Nicaragua wirklich direkt unterstützen?

Elisabeth Eder:Ja. Und das wollen wir noch verstärken und künftig vorrangig Kaffees anbieten, die im Ursprungsland angebaut, geerntet, geröstet und verpackt werden. Wir arbeiten gerade an einer kleinen Sortimentsumstellung, wollen es auch mit unseren Schokoladen so handhaben, denn das schafft dort Arbeitsplätze, und der Gewinn bleibt im Land.

In Nicaragua gerösteter Kaffee muss dem deutschen Gaumen ja nicht unbedingt schmeicheln.

Elisabeth Eder: Das kann passieren. Deshalb machen wir im Team auch eine Art Qualitätskontrolle und kosten alles vor. Wir verkaufen nur, was wirklich schmeckt.

Sie bieten einen Segelkaffee an. Was ist das?

Das ist nicaraguanischer Kaffee, der fair gehandelt und klimaneutral transportiert wurde. Er wurde vom Hafen in La Ceiba in Honduras mit dem Segelfrachter Avontuur nach Hamburg gebracht. Der Segelkaffee wurde von Hand verladen und mit Lastenrädern weiter transportiert.

Der Weltladen in Bruckmühl

Weitere Informationen finden sich auf www.faire-welt.net. Das Geschäft in der Bahnhofstraße 5 in Bruckmühl hat wie folgt geöffnet: montags von 10 bis 12.30 Uhr und 16 bis 18 Uhr, dienstags von 10 bis 12.30 Uhr, mittwochs von 10 bis 12.30 Uhr, donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr, freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12.30 Uhr.

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