Eintreten, aussuchen, mitnehmen: Bad Aiblinger Bücherbox eine Erfolgsgeschichte

Bitte eintreten: Sibylle Meißner von der Stadtbücherei Bad Aibling kümmert sich regelmäßig darum, dass die Bücherbox an der Bahnhofstraße einladend aussieht, und entsorgt bei Bedarf unansehnliche Bücher oder abgelegten Müll mit ihrem Fahrradanhänger. Schmitz
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Bitte eintreten: Sibylle Meißner von der Stadtbücherei Bad Aibling kümmert sich regelmäßig darum, dass die Bücherbox an der Bahnhofstraße einladend aussieht, und entsorgt bei Bedarf unansehnliche Bücher oder abgelegten Müll mit ihrem Fahrradanhänger. Schmitz

Weder die Einheimischen noch die Gäste möchten sie missen, die zur Bücherbox umfunktionierte ehemalige Telefonzelle an der Bad Aiblinger Bahnhofstraße. Viereinhalb Jahre währt die Erfolgsgeschichte nun schon. Doch geht auch hier nichts ohne das Ehrenamt.

Von Margit Schmitz

Bad Aibling– Eintreten, aussuchen, mitnehmen: Während Buchläden und Büchereien in den vergangenen Wochen geschlossen waren, war die Tür der Bücherbox an der Bahnhofstraße täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet. In der umfunktionierten Telefonzelle kann sich jeder mit Lesestoff versorgen oder Bücher einstellen. „Gerade jetzt ist es eine unkomplizierte Möglichkeit an Bücher zu kommen, vor allem auch für Leute, die weniger Geld haben“, sagt Hiltrud Braun, Leiterin der Stadtbücherei.

Riesige Resonanz von Anfang an

Die Bücherbox, ein Projekt des Fördervereins der Stadtbücherei, gibt es seit mehr als vier Jahren. „Sie wird von den Menschen unglaublich gut angenommen“, berichtet Heidi Benda vom Vorstand des Fördervereins. „Diese riesige Resonanz haben wir so gar nicht erwartet.“ Viele Menschen erzählten, wie wichtig und wertvoll sie diese Einrichtung fänden.

Ohne regelmäßige Pflege geht nichts

Neben Büchern wechseln auch Zeitschriften, DVDs, CDs, Video- und Musikkassetten den Besitzer. Damit die Bücherbox und das Medienangebot einen einladenden Eindruck machen, ist regelmäßige Pflege nötig. Viele Mitglieder des Fördervereins schauen immer wieder mal vorbei, doch vorwiegend kümmerte sich in den vergangenen Jahren Bendas kürzlich verstorbener Mann Peter mit viel Liebe um das Projekt. Fast täglich spazierte er zur Bücherbox, bis er diesen Dienst schon vor einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Seitdem sind vermehrt auch die Mitarbeiter der Stadtbücherei in die Pflege involviert, allen voran Sibylle Meißner. Sie ist Mitglied des Fördervereins und seit gut einem Jahr auch in der Bücherei angestellt.

Projekt ist ein „Aushängeschild“

Regelmäßig fährt sie mit dem Rad vorbei und wirft einen Blick hinein. „So ein Projekt ist auch ein Aushängeschild für den Förderverein und die Bücherei. Es soll ordentlich ausschauen und eine attraktive Bücherauswahl bieten.“ Oft genug findet sie auch „sehr alte, muffelnde Bücher, nicht mehr aktuelle Zeitschriften, Gesetzessammlungen oder Kataloge“. Dann plant Meißner etwas Zeit ein, kommt mit ihrem Fahrradanhänger und bereinigt das Sortiment.

Schmuddeliges und Hässliches wird aussortiert

„Die Leute sind dankbar, dass wir darauf schauen und die schmuddeligen und hässlichen Bücher aussortieren“, weiß Braun. Dass die Bücherbox viel genutzt wird, erkenne man auch daran, dass von einem auf den anderen Tag manchmal ganz andere Bücher da seien, beschreibt Braun ihren Eindruck. In der Mittagspause macht sie öfter einen Spaziergang und erlebt dann häufig, dass sich gerade jemand der Box nach Büchern umschaut. „Da ergeben sich auch leicht nette Gespräche.“

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Unter den Nutzern gibt es ebenfalls Leute, die ein Auge auf die Box haben. „Auch wildfremde Leute engagieren sich, weil sie die Einrichtung lieben“, berichtet Benda. Es sei viel Pflege notwendig, aber „wir haben gelernt, dass wir nicht zu pingelig sein dürfen“.

Professioneller Blick auf das Projekt

Gerade das fällt zum Beispiel Meißner nicht leicht. Als gelernte Buchhändlerin hat sie einen professionellen Blick auf das Projekt. Die Bücher sollten nicht doppelreihig stehen und sollten sich an ein breites Publikum richten: Bücher in seltenen fremden Sprachen oder mit radikal religiösen oder politischen Inhalten seien dort fehl am Platz und würden aussortiert.

Meißner weiß nicht, ob sie weiterhin so viel Zeit in die Pflege der Bücherbox investieren kann, wenn die Bücherei wieder ihren vollen Betrieb aufnimmt. Am besten wäre es – da sind sich die drei Damen einig – wenn sich wieder ein engagierter und bücherliebender Mensch finden würde, der das Projekt Bücherbox zu seinem Steckenpferd macht.

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