Einsamkeit macht sich bemerkbar

Beim 125-jährigen Jubiläum im Jahr 2009 konnte noch unbeschwert und ohne Abstand gefeiert werden. stache
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Beim 125-jährigen Jubiläum im Jahr 2009 konnte noch unbeschwert und ohne Abstand gefeiert werden. stache

Ostermünchen. – Der Krieger- und Soldatenverein Ostermünchen wurde bereits 1884 gegründet.

„Wir waren Soldaten – wir bleiben Kameraden“, steht auf der Vereinsfahne geschrieben. Ein Motto, das gerade in Zeiten der Corona Pandemie besonders zutreffend ist.

Wirft man einen Blick in die Annalen des Vereins, fällt einem sofort der 4. Januar 1884 auf: An diesem Tag bestätigte das königliche Bezirksamt Rosenheim die Neugründung des Krieger- und Veteranenvereins Ostermünchen – die Geburtsstunde. Vom seinerzeitigen Vorsitzenden Georg Endgruber bis heute war es eine lange Reise mit einer wechselvollen Geschichte, die besonders durch die beiden Weltkriege geprägt wurde. 171 Mitglieder zählt der Verein heute, darunter sechs Ehrenmitglieder. „Leider ist nur noch ein Kriegsteilnehmer unter uns“, bedauert Vorsitzender Peter Niedermeier, der den Verein nun schon seit 1988 anführt und ihn wie seine „Westentasche“ kennt.

Corona-Pandemiebeeinflusst Arbeit

Die seit Monaten anhaltende Pandemie hat auch die Arbeit des Vereins beeinflusst. Im Paragraf 2 der Satzung des Vereins ist als Aufgabe unter anderem festgehalten: „Betreuung von Veteranen, Soldaten und Reservisten, Pflege der Kameradschaft durch Veranstaltungen kultureller und geselliger Art.“ Dies ist aktuell nicht möglich. „Selbst das Überbringen unserer Glückwünsche zu Geburtstagen unserer Mitglieder ist im bisher gewohnten Rahmen nicht durchführbar“, erklärt Niedermeier. So bleibt nur der Griff zum Telefonhörer. Die Mitglieder selbst fassen die Abschottung während der Pandemie genauso unterschiedlich auf, wie all die anderen Mitbürger, meint der langjährige Vorsitzende. Deshalb können sich vor allem diejenigen glücklich schätzen, die in einer Familie leben. „Dort hat man soziale Kontakte und ist gut aufgehoben“. Leider gibt es aber auch viele Menschen, die allein leben. Erschwerend kommt jetzt noch die triste Jahreszeit des Winters dazu. Deshalb findet Niedermeier auch die Schließung aller Lokale und Cafés zumindest ungünstig. „Was hier richtig oder falsch ist, oder war, werden wir erst später wissen“, betont er. Er machte allerdings auch die Erfahrung, dass die Menschen die Einsamkeit sehr unterschiedlich erleben. Für manche ist es übertrieben, andere würden am liebsten nicht mehr aus dem Haus gehen, auch „weil teilweise viel Panik verbreitet wird“. Weihnachten ohne Familie, ohne gemeinsames Treffen – das können sich die wenigsten vorstellen. „Wir dürfen das Geschehen sicher nicht unterschätzen, müssen aber vernünftig damit umgehen“, appelliert er. Als Verein seien einem die Hände gebunden. Einzig, man erfährt, dass es einem nicht gut geht, dann ist zumindest der Griff zum Telefonhörer möglich. „Dann kann der Verein, sprich die Mitglieder, Hilfe anbieten.“ So müssen aufgrund der Pandemie auch alle Aktivitäten ruhen: das Schafkopfturnier mit den Grasobern, der Jahrestag der Ortsvereine und die Stammtische.

Bedauernüber Absagen

Selbst die Jahresversammlung im kleinen Kreis im Oktober wurde gestrichen. „Die erforderliche Absage tut mir sehr leid, da wir hier auch Mitglieder für besondere Verdienste und langer Zugehörigkeit geehrt hätten“, wies Niedermeier auf das Dilemma hin. Wann die Versammlung und die Ehrungen und Aktivitäten nachgeholt werden können, ist aktuell nicht abzuschätzen. So wird man noch länger ein offenes Ohr haben müssen, wo es überall bei den Mitgliedern „zwickt“.

Die Ernennung von Hans Strauß (rechts) zum Ehrenmitgliedwar eine der letzten Ehrungen, die Vorsitzender Peter Niedermeier im vergangenen Jahr vornehmen konnte. Dann kam Corona.

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