RETROSPEKTIVE ZUM 150. GEBURTSTAG VON BRYNOLF WENNERBERG

„Eine fidele Fuhre“

Die Vernissagebesucher verfolgten gespannt die Ausführungen des Kurators.
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Die Vernissagebesucher verfolgten gespannt die Ausführungen des Kurators.

Kurator Christian Poitsch und der Bad Aiblinger Kunstverein luden zur Vernissage „Eine fidele Fuhre“ ein: Geboten wurde eine Retrospektive anlässlich des 150. Geburtstags des Malers, Grafikers und Zeichners Brynolf Wennerberg (1866 bis 1950). Ziel der Ausstellung ist vor allem, Gemälde des Künstlers zu zeigen, die noch nie oder sehr lange nicht mehr in Bad Aibling zu sehen waren.

Bad Aibling – Umso glücklicher sei er, erklärte der Kurator, dass er viele Leihgaben für die Ausstellung erhalten, und sich mit der Villa Maria das passende Ambiente für Wennerbergs Bilder gefunden habe. Die Galerie in dem klassizistischen Gebäude zeigt unter anderem Aiblinger Motive und von Wennerberg gemalte Porträts. Die Retrospektive umfasst aber auch die anderen Aspekte von Wennerbergs Schaffen: Die Kunstpostkarten und Plakate des Werbegrafikers sowie seine Illustrationen für Satirezeitschriften, Bücher und Werbepublikationen sind in der Galerie im alten Feuerwehrgerätehaus ausgehängt. Christian Poitsch forderte die Vernissage-Besucher auf, ihn auf dem kurzen Weg von der Villa Maria durch den Kurpark zum alten Feuerwehrgerätehaus zu begleiten. Zwischenstation machte der Kurator mit seinen Gästen bei der Villa Mina, in der Wennerberg bis zu seinem Tod im Jahr 1950 gelebt hatte. In der Galerie des Kunstvereins fand dann die eigentliche Begrüßung statt.

Nach einführenden Worten der Vorsitzenden des Kunstvereins, Martina Thalmayr, und von Bürgermeister Felix Schwaller, ergriff noch einmal Wennerberg-Experte Poitsch das Wort. Bei der Planung der Retrospektive hatte er entschieden, keine politische Ausstellung zu kreieren, erklärte er. Dann sei ihm aber bewusst geworden wie ähnlich die Situation 1914 für den gebürtigen Schweden Wennerberg der heutigen Lage der Flüchtlinge sei. Wennerberg war durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 daran gehindert worden, nach Paris zurückzukehren, seinem damaligen Lebensmittelpunkt. Und so wurde der Maler, Zeichner und Grafiker in Bayern und schließlich in Bad Aibling sesshaft. Heute blicke Aibling stolz auf den einst Fremden und akzeptiere ihn als einen der Ihren. Er hoffe, ergänzte der Kurator, dass es uns in 20 oder 50 Jahren mit den heutigen Flüchtlingen ebenso ergehen werde: Dass aus Fremden Freunde werden und sich unter ihnen vielleicht der eine oder andere „neue Wennerberg“ finde.

Die zahlreichen Gäste belohnten die Arbeit des Kurators und seiner Helfer, die die Aufhängung der gesamten Ausstellung in vier kurzen Tagen gestemmt hatten, mit herzlichem Applaus. Und auch wenn noch nicht alles ganz fertig geworden ist – die Beschriftungen der Bilder im Atelier des Kunstvereins fehlen noch –, waren die Vernissage-Besucher doch begeistert von der liebevoll und mit viel Sachkenntnis geplanten Ausstellung.

Die Retrospektive ist noch bis 18. September in der Villa Maria und in der Galerie des Kunstvereins zu sehen. Begleitet wird sie durch ein vielfältiges Rahmenprogramm, das über die Homepage des Kunstvereins oder in den Galerien ausgelegten Prospekten zu erfahren ist. Auch die erweiterten Öffnungszeiten werden über Homepage und Prospekte vermittelt. pas

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