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Zamma-Festival

Einarmiger Comedian in Bad Aibling: „Humor baut Berührungsängste ab“

Sieht die Bühne als Instrument der Inklusion: Comedian Martin Fromme.
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Sieht die Bühne als Instrument der Inklusion: Comedian Martin Fromme.

Bad Aibling – Der „anderthalbarmige“ Komiker, Moderator und Autor Martin Fromme brachte am Sonntag beim Zamma–Kulturfestival Oberbayern im Kurhaus Bad Aibling sein Publikum zum Lachen und Nachdenken. Ist er doch ein ungewöhnlicher Comedian unter seinen Berufskollegen, der bei seinen Auftritten Berührungsängste im Umgang mit dem Thema Behinderung erstaunlich leicht in befreiendem Lachen zerstreut.

Herr Fromme, darf man über das Thema „Behinderung“ Witze machen?

Martin Fromme: Niemals! Und wer das macht, dem soll der Unterarm abfallen. Das passiert nämlich, wenn man schlechte Witze macht. Also mir ist es bisher einmal passiert. Deswegen passe ich jetzt auf und mache nur gute Witze über die Thematik „Behinderung“. Man darf nicht nur Witze über Behinderung machen, man muss sogar Witze über Behinderung machen. Humor baut Berührungsängste ab.

Gilt das auch für Nicht-Behinderte?

Fromme: Ja, natürlich. Es kommt auf die Haltung an. Oftmals machen Comedians Witze, und wollen sich die Erlaubnis dafür dann übers Publikum holen. Wie Felix Lobrecht. Wenig authentische Haltung, die jedoch muss stimmen. Und es muss auch gut gemacht sein.

Wo verläuft die Grenze zwischen Humor und Witz auf der einen und Abwertung oder gar Beleidigung auf der anderen Seite? Reagieren Menschen auf ein und denselben Gag nicht unterschiedlich?

Fromme: Menschen mit Behinderung lieben meinen Humor. Manche sagen sogar: „Können Sie da noch‘n bisschen was drauflegen?“ Oft sind es Menschen ohne Behinderung, die damit nicht zurechtkommen. Weil sie die anderen beschützen möchten, aber das wollen Behinderte gar nicht.

Wie erreichen Sie Leute, die mit Ihrem Schicksal hadern?

Fromme: Das tut mir oft leid, aber man muss einen Weg finden, mit sich selber klarzukommen, um im Leben zurechtzukommen. Man muss sich selber lieben. Ich erreiche diese Leute sehr oft.

Sie setzen sich seit Jahren für Inklusion ein. So auch der Bezirk Oberbayern, unter anderem mit seinem inklusiv ausgerichteten Zamma-Festival. Hat sich schon etwas geändert in der Gesellschaft?

Fromme: Mit dem Thema Inklusion gibt es nun auch mehr finanzielle Mittel, um Menschen mit Behinderungen in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Ob das alles ernst gemeint ist oder ob man das machen „musste“, sei dahingestellt. Viele meinen es gut, aber es ist schlecht gemacht. Wenn etwas belehrend rüberkommt, nervt das alle, Behinderte und Nicht-Behinderte. Zum Teil ist auch eine Art Unehrlichkeit drin. Da meine ich vor allem Film und Fernsehen. Live auf der Bühne ist das was ganz anderes. Die Bühne ist das Instrument in der Kultur, um Inklusion zu machen. Auf der Bühne kann man sich nicht verstellen.

Kampf oder Krampf: Wie sehen Sie die Bemühungen um eine politisch korrekte Nutzung von Sprache beim Thema Behinderung?

Fromme: Ich würde sagen, das ist eher krampfig. Mongo, Spasti, Krüppel – das ist beleidigend und geht überhaupt nicht. Behinderte oder Menschen mit Behinderung oder behinderte Menschen – da bin ich schmerzbefreit. Der Empfänger versteht die Botschaft. Man soll sich nicht auf Begrifflichkeiten stürzen.

Am Schreibtisch oder unter der Dusche? Wo haben Sie die besten Einfälle?

Martin Fromme: Weder noch. Im Auto. Auf den langen Fahrten bin ich ungestört, über das Radio kommt Input rein. Ich sinniere dann ungestört über diese Themen.

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