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Hitzige Diskussion im Aiblinger Rathaus

„Ein Stück aus dem Tollhaus“: Zwölf Schwarzbauten am Schmelmer Hof

Dieser Stadl darf laut aktuellem Bebauungsplan dort gar nicht stehen.
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Dieser Stadl darf laut aktuellem Bebauungsplan dort gar nicht stehen.
  • Ines Weinzierl
    VonInes Weinzierl
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Mitglieder der Bauausschusses Bad Aibling lehnen es einstimmig ab, nachträglich die Schwarzbauten durch eine Änderung des Bebauungsplanes, zu genehmigen. Was sie jetzt fordern, was Landratsamt und Schmelmer Hof-Geschäftsführerin dazu sagen.

Bad Aibling – Im Bauausschuss ging es hoch her: „Ein Stück aus dem Tollhaus“, fasste es Erwin Kühnel (CSU) in der Sitzung zusammen, als es um die nicht genehmigten Bauten auf dem Gelände des Schmelmer Hofes ging. Denn dort hatte im Juni eine Baukontrolle des Rosenheimer Landratsamtes stattgefunden. Zahlreiche Gebäude ohne Genehmigung wurden moniert. Jetzt lag dem Ausschuss ein Antrag zur Änderung des Bebauungs- und Grünordnungsplanes vor, um quasi nachträglich die Bauten zu genehmigen. Diesem Antrag erteilte der Bauausschuss einhellig eine Absage.

So soll der Bebauungsplan aussehen, wenn es nach dem Antragsteller geht. Das hat der Bauausschuss einhellig abgelehnt. Derzeit gibt es für Gebäude wie dem Eventstadl keine Baugenehmigung. Grafik: Klinger

Rat fordert „vernünftiges Konzept“

Kühnel fand deutliche Worte: „Es handelt sich um Schwarzbauten“, machte der Christsoziale seinem Ärger Luft. „Ich habe in den ganzen 25 Jahren, in denen ich im Stadtrat bin, vom Landratsamt noch kein Schreiben erhalten, dass in zwölf Punkten gegen den Bebauungsplan verstoßen wurde“, erklärte er weiter.

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Obendrein könne es nicht sein, dass online für Partys im dortigen Eventstadl Werbung gemacht werde, ärgerte er sich. Schlussendlich forderte er: „Ich will vom Betreiber ein vernünftiges Konzept.“ Florian Weber (Bayernpartei) gab Kühnel Recht: „Ich kann das nur bekräftigen.“ Und Thomas Höllmüller (CSU) sagte: „Es ist eine Frechheit ohne Ende, wie das gelaufen ist.“

Therapiezentrum neben Event-Location?

Martina Thalmayr (Grüne) fand hingegen zunächst lobende Worte: „Was da passiert, finde ich sehr attraktiv. Es ist ein tolles Angebot für Hotelgäste – für die Zielgruppe ein tolles Konzept“, erklärte sie. Dem stimmte auch ihr Parteikollege Sebastian Uhl zu. Thalmayr war jedoch noch nicht fertig: „Jetzt kommt das Aber: Wie geht es zusammen, dass auf der einen Seite ein Eventstadl ist, und gleich nebenan eine therapeutische Maßnahme angeboten wird?“, fragte sie. Sie spielte damit auf das geplante Moor- und Therapiezentrum neben dem Schmelmer Hof an, das die Stadt mit 1,8 Millionen Euro mitfinanziert.

„Das ist für mich sehr konträr“, sagte sie. „Man muss sich verarscht vorkommen.“

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Rathauschef Stephan Schlier (CSU), der sich über die „Tatsachen, die geschaffen wurden, auch ärgert“, sagte, dass man beides „separat betrachten muss“. Richard Lechner (SPD) fehlte im Bebauungsplan die „Verträglichkeit“, dem stimmte auch Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) zu. „Wie verknüpft man Therapien mit einem Eventstadl?“ Stadtbaumeister Andreas Krämer gab den beiden Recht: „Wir brauchen einen qualifizierten Planer.“

Ferienhäuer am See

Neben dem Eventstadl wurde auch über sogenannte Ferienhäuser gesprochen, die auf beiden Seiten des Sees angedacht sind. Bisher sind sie eingeschossig mit Satteldach festgesetzt. Der Antragsteller hat jetzt beantragt, diese Ferienhäuser„eingeschossig mit ausgebautem Dachgeschoss“ zu realisieren. Auch das lehnte das Gremium ab. Vielmehr sollen die Betreiber jetzt ein neues Konzept vorlegen.

Das sind die Forderungen des Gremiums

Das Gremium formulierte im Beschluss mehrere Forderungen: Sollte ein neuer Antrag eingereicht werden, soll beachtet werden, dass die „Verträglichkeit untereinander angepasst wird“. Einer Erhöhung der Grund- und Geschossflächenanzahl sowie einem Ausbau des Dachgeschosses der Ferienwohnungen werde nicht zugestimmt. Obendrein „zulässige Lärmwerte sind als Festsetzung aufzunehmen“.

Es hätten keine Gebäude entstehen dürfen - Das sagen Stadtverwaltung und Landratsamt

Die Bad Aiblinger Stadtverwaltung erklärt, dass es den Bereich „SO4“ (siehe Skizze) in dieser Art bisher nicht gibt. Der sei als solcher beantragt, um die „Event- und Veranstaltungsgebäude“, die dort bereits entstanden seien, nachträglich genehmigen zu lassen. Bisher ist der Bereich „Eventplatz“ eingezeichnet. Dieses Areal hatte aber „keine Baugrenzen“, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Das bedeutet: Dort dürfen laut aktuellem Bebauungsplan keine Gebäude entstehen. Der Änderungsantrag wurde gestellt, um die bestehenden Gebäude jetzt quasi legalisieren zu lassen. Wichtig ist der Verwaltung zu betonen, dass diese Gebäude nicht der Wohnnutzung dienen sollen, sondern lediglich Veranstaltungszwecken. Im Bereich „SO3“ sollen Ferienwohnungen entstehen, die zum Hotel dazu gehören. „Sie sind noch nicht gebaut.“ Ein Teil der Mitglieder des Bauausschusses befürchtet, dass diese Häuser für „Dauerzwecke“ (Richard Lechner) genutzt werden könnten, was es zu verhindern gelte, so das Gremium.

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Das Landratsamt teilt auf Anfrage des Mangfall-Boten mit, dass „bei der Baukontrolle am 29. Juni festgestellt wurde, dass zwölf ungenehmigte bauliche Anlagen errichtet wurden“. Dazu gehören laut Michael Fischer, Sprecher der Behörde: „Küchencontainer, Almhütte, zwei Container, Blockhaus, Piratenbar, Wasserskiverleih, Kiosk, zusätzlicher Container, Überdachung, Aufkiesung eines Grundstücksteiles, Parkplätze mit Zufahrt sowie eine Aufschüttung mit Sand.“ Auf die Frage, wie es jetzt weiter geht, teilt die Behörde mit: „Die Entscheidung der Stadt liegt uns noch nicht vor. Eine abschließende Entscheidung wird nach deren Vorliegen getroffen.“

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Geschäftsführerin: „Haben uns nichts dabei gedacht“

Karola Lindinger, Geschäftsführerin des Schmelmer Hofes, erklärt auf Anfrage, dass es „keine böse Absicht war“. Man habe das Areal übernommen und wollte den Gästen und Bad Aiblingern „ein schönes Bild präsentieren“. So habe sich das Schritt für Schritt entwickelt. „Wir haben uns nichts dabei gedacht“, erklärt Lindinger. Der sogenannte „Eventstadl ist eine Hütte, die man auch schnell wieder abbauen könnte“, sagt sie.

Sie erklärt, dass man einfach eine Alternative für draußen habe schaffen wollen. Dort könnten auch Hochzeiten stattfinden. Und Partys? „Nein“, antwortet Lindinger. „Das stört die Hotelgäste.“ Auch im Hinblick auf das geplante Moorbadehaus seien Partys nicht passend. Geplant seien in diesem Gebäude Firmenfeiern und Hochzeiten – „zwei bis dreimal im Jahr“. Ist sie denn schon mit der Stadt in Kontakt? „In diesem Punkt noch nicht.“ Aber Gespräche sollen folgen.