Für die Sanierung der Pfarrkirche

Ein kulinarisches Dorfporträt: Kirchdorfer verraten ihre Hofgeschichten und -rezepte

Der Kirchdorf-Kalender 2021 soll die Kirchenrenovierung mitfinanzieren. Die Initiatoren Regina Grabichler, Alfred Wedlich und Anneliese May (von rechts) präsentieren das Werk der Dorfgemeinschaft.
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Der Kirchdorf-Kalender 2021 soll die Kirchenrenovierung mitfinanzieren. Die Initiatoren Regina Grabichler, Alfred Wedlich und Anneliese May (von rechts) präsentieren das Werk der Dorfgemeinschaft.
  • vonJohann Baumann
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Die Pfarrkirche St. Vigilius ist der Mittelpunkt des Bruckmühler Ortsteils Kirchdorf. Nun steht die Renovierung des Gotteshauses an. „Sie wird zwischen zwei und drei Millionen Euro kosten. Zehn Prozent davon muss die Pfarrgemeinde aufbringen“, berichtet Regina Grabichler. Kein leichtes Unterfangen.

Bruckmühl – Das Corona-Jahr 2020 sei für Spenden sehr schwierig gewesen, so die Pfarrverbandsvorsitzende. „Wir haben uns daher Gedanken gemacht, wie wir trotzdem etwas Geld sammeln können“, erklärt sie. Not macht erfinderisch, und so kam eine ganz besondere Idee ins Spiel. Zusammen mit Anneliese Mayroth und Alfred Wedlich erarbeitete sie den „St. Vigilius-Kalender 2021“ als Dorf-Portrait.

„Der Kalender soll zeigen: „Kirchdorf lebt“ betont die Initiatorin. Im Kalender wird – neben dem Gotteshaus als „Aushängeschild“ – auf jedem Monatsblatt ein Anwesen präsentiert. Das jeweilige Foto wird dabei von geschichtlichen Daten begleitet. Zu den abgebildeten Gebäuden zählen mehrere Bauernhöfe mit ihren Hofnamen wie der „Oahofer“, der „Schweizer“ (beide schon im 16. Jahrhundert erstmals beurkundet) und der „Bochmo“ (erbaut 1840).

Erste Auflage war sofort vergriffen

Ebenfalls vorgestellt werden das 1780 erbaute „Schlössl“, das 1860 errichtete Pfarrheim, der erstmals 1483 urkundlich erwähnte „Große Wirt“, die seit circa 1600 betriebene „Seidl-Sog“ und das Schloss Maxhofen aus dem 16. Jahrhundert. Die Fotos, die auch das vielfältige Dorfleben darstellen, stammen von Peter Mayroth und von Alfred Wedlich.

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Bei den monatlichen Motiven wurden auch Anwesen aus den angrenzenden und mit Kirchdorf eng verbundenen Ortsteilen Ginsham, Bergham und Maxhofen berücksichtigt. Angereichert werden die ansprechenden Kalenderblätter mit einer zusätzlichen Attraktion – nämlich mit Hausrezepten der verschiedenen Hausbesitzer.

Jede Familie pflegt ihre Traditionen

Auf jeder Kalenderseite wird ein Anwesen und das dazugehörige Hausrezept vorgestellt: Auch das „Bochmo“-Anwesen gehört dazu.

So bringt Agnes Mehringer vom „Bochmo“-Anwesen in Ginsham beispielsweise ihre Brotsuppe ein. Das Rezept wurde von ihrer Schwiegermutter überliefert. „Die Brotsuppe ist unsere jährliche Karfreitagsmahlzeit, und ich mache sie auch gelegentlich, wenn sich altes Brot angesammelt hat“, erläutert die 48-jährige Beamtin.

Als Hausrezept des Bauernhofs „Beim Schweizer“ in Bergham, zu dem auch eine Kapelle gehört, stellt Viktoria Wöstner ihren Semmelschmarrn vor. „Den gibt es, wenn es mal ganz schnell gehen muss“, schildert die 68-jährige Bäuerin und ergänzt: „Der Semmelschmarrn wurde früher meist mit Milch zubereitet, ich mache ihn nach meinem eigenen Rezept stattdessen nur mit Eiern, und die Semmeln werden bei mir gezupft.“

Den Semmelschmarrn bereitet Viktoria Wöstner vor.

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Die weiteren „kulinarischen Gebrauchsanweisungen“ erstrecken sich unter anderem vom Apfelstrudel über die junge Ente oder die Kalbsbriesröschen bis zu den Roggernen Nudeln. Der rundum gelungene Kalender erwies sich auf Anhieb als Verkaufsschlager, denn kurz nach seiner Vorstellung war die erste Auflage von 50 Exemplaren bereits restlos ausverkauft. Dieser Verkaufserfolg unterstreicht erneut den traditionell starken Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft.

Anfang Januar steht nun die zweite Auflage zur Verfügung. Die Kalender sind zum Preis von 20 Euro in den Pfarrbüros der Pfarrverbände Heufeld, Weihenlinden, Kirchdorf und Bruckmühl sowie bei Regina Grabichler und Anneliese Mayroth erhältlich. „Abgesehen vom Kalenderverkauf nehmen wir natürlich auch sonstige Spenden für unsere Kirchenrenovierung gern entgegen“, betont Regina Grabichler.

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