Echelon-Wochenende in Bad Aibling– und keiner feiert

Wo sonst am dritten Augustwochenende ausgelassen und friedlich gefeiert wird, ist an diesem Wochenende alles verwaist: Das Echelon 2020 auf dem ehemaligen US-Areal in Bad Aibling fällt aus. Veranstalter und Fans hoffen auf 2021. Star-DJ Carl Cox wäre auf jeden Fall dabei.
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Wo sonst am dritten Augustwochenende ausgelassen und friedlich gefeiert wird, ist an diesem Wochenende alles verwaist: Das Echelon 2020 auf dem ehemaligen US-Areal in Bad Aibling fällt aus. Veranstalter und Fans hoffen auf 2021. Star-DJ Carl Cox wäre auf jeden Fall dabei.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Keine DJ-Superstars, kein Partyvolk, keine mitreißende Elektromusik: Erstmals in 12 Jahren geht das dritte Augustwochenende in Bad Aibling ohne Echelon-Festival über die Bühne. Ob und wie in Zeiten von Corona für ein Echelon 2021 geplant werden kann, darüber sprechen wir mit Horst Gallenmüller.

Bad Aibling – Normalerweise würde in diesen Tagen höchste Betriebsamkeit auf dem Gelände der ehemaligen US-Kaserne in Bad Aibling herrschen. Bühnen würden aufgebaut, Licht- und Tontechnik installiert, letzte Hand angelegt – während bei den Fans die Festivalfieberkurve steil nach oben steigt. Doch bleiben Areal und Fliegerhalle am Wochenende leer und verwaist: Auch das Echelon-Open-Air, das größte Elektromusik-Festival Süddeutschlands mit über 25 000 Besuchern und zahlreichen Stars aus der Szene muss dieses Jahr wegen Corona ausfallen. Wir sprachen mit Horst Gallenmüller, Geschäftsführer der Airport Aibling GmbH, die das beliebte Musik-Festival von Anfang an veranstaltet.

Herr Gallenmüller, Sie und ihre Partner würden zusammen mit Ihrer Crew jetzt gerade eigentlich wieder völlig unter Strom stehen, wie immer, wenn das „große Wochenende“ statt. Wie geht es Ihnen im Jahr 12 seit Bestehen ohne Echelon?

Horst Gallenmüller: Ich bin maßlos traurig. Wir können im Moment eigentlich gar nichts tun. Aber selbstverständlich geht die Sicherheit für alle vor. Wir würden niemals die Schuld tragen wollen, wenn sich auf einem unserer Festivals jemand ansteckt oder gar eine Infektionswelle auslösen würde.

Können Sie den wirtschaftlichen Schaden beziffern, den der Ausfall des Festivals bedeutet?

Gallenmüller: Das lässt sich noch nicht exakt beziffern. Immerhin konnten wir noch relativ „frühzeitig“ reagieren, weil die Auswirkungen der Pandemie auf den Veranstaltungssektor bereits im Frühjahr bekannt wurden. Aber natürlich ist schon einiges an Vorkasse geflossen und es wurden jede Menge Investitionen getätigt, an die Technikfirmen, die Zeltbauer, vor allem an die Künstler, das Marketing et cetera. Das kriegen wir jetzt natürlich auch nicht zurück, die Unternehmen haben ja alle das gleiche Problem. Einige sind bereits zahlungsunfähig und stehen vor der Insolvenz. Der Schaden ist also auch bei uns beim Echelon immens.

Bleibt Ihnen jetzt nur die Hoffnung auf nächstes Jahr?

Gallenmüller:Wir alle hoffen, dass ein Impfstoff gefunden wird und dass 2021 das zwölfte Echelon so „wie früher“ stattfinden kann. Bis August 2021 sind wir da guter Dinge. Alles andere wäre eine erweiterte Katastrophe, nicht nur für uns, sondern für die ganze Branche.

Geplant wird also schon, oder?

Gallenmüller: Ja, wir planen 2021 regulär und starten mit dem Vorverkauf voraussichtlich wie gewohnt im November. Abzuwarten ist im Grunde keine Option. Das Festival bedarf einer langfristigen Vorausplanung in jeder Hinsicht . Natürlich beobachten wir streng die Entwicklung und müssen uns unter Umständen den Gegebenheiten anpassen.

Eine Reihe von Künstlern war ja schon fest gebucht, bevor es zum Lockdown kam. Wird man sie eventuell im kommenden Jahr sehen?

Gallenmüller: Es ist sehr schwierig, im Moment überhaupt etwas zu sagen oder zu planen. Auch die Künstler wissen nicht, wie es weitergeht. Die großen Stars wie Robin Schulz, David Guetta oder Calvin Harris stecken die Krise weg. Aber es gibt viele kleinere, die stehen vor der großen Sorge um ihre Existenz, jetzt, wo es keine Auftritte gibt. Von einigen Künstlern haben wir allerdings bereits eine Zusage für 2021 – unter anderem von Carl Cox.

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Gibt es derzeit überhaupt eine Perspektive?

Gallenmüller: Das Problem ist, dass die Veranstaltungs- und Kulturszene von der Politik komplett vergessen wurde. Als Erste zu und als Letzte auf. Wir sind mit dem Echelon ja nur ein kleiner Mosaikstein im großen Ganzen. Wenn ich da an die Diskotheken-, Club- oder Tanzcafébesitzer, die Kinos, die Kleinkunstveranstalter oder die Gastrobetriebe denke. Die tun mir auch so richtig leid – während zig tausende zum Beispiel in Berlin, Frankfurt und München, für oder gegen die Maskenpflicht, ohne jegliche Hygiene Konzepte demonstrieren dürfen. Mir sind etliche Firmen, Zulieferer bekannt, die trotz großer Töne der Politik keinerlei Hilfen erhalten haben oder an der Bürokratie scheiterten und jetzt vor dem „Nichts“ stehen. Diesen Leuten gehört geholfen.

Wie erleben Sie die Situation?

Gallenmüller: Alleine durch den Ausfall Echelon 2020 haben circa 700 Mitarbeiter, Freelancer, Subunternehmer in der Echelon-Woche nichts, aber auch gar nichts zu tun. Eini ge davon sind auch deutlich länger mit dem Echelon beschäftigt.

Was wären denn Lösungsansätze?

Gallenmüller: Ich würde es mir wünschen, dass man sich zumindest mal mehr mit Perspektiven beschäftigt, grade auch für die Kleineren, bei denen es ums Überleben geht. Dass man sich Konzepte wenigstens anschaut hinsichtlich Abstands- und Hygieneregeln. Natürlich steht Sicherheit immer an erster Stelle, trotzdem muss es irgendwie eben sinnvoll weitergehen. Wenn wir so weitermachen, verlieren wir eine ganze Generation. Wenn es keine Angebote wie Konzerte, Theater et cetera gibt, wird noch mehr am PC oder Smartphone gesessen. Und die Partyszene verlagert sich unkontrolliert in den privaten Raum ohne jeglichen Schutz oder Vorgaben.

Horst Gallenmüller

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