Duschl-Lösung aus dem Rennen

Rathaus-Neubau: Jetzt planen erst einmal die Architekten des Büros Behnisch, Behnisch und Partner, dann will man sich über eine mögliche Alternativlösung für die Stadtbücherei weitere Gedanken machen. Foto Mischi

Der Rathausneubau und die damit verbundene Zukunft der Stadtbücherei erhitzte im Stadtrat die Gemüter: Die SPD hielt an ihrer Forderung fest, ein Konzept für die Auslagerung der Bibliothek ins ehemalige Duschl-Lagerhaus präsentieren zu dürfen und stellte überdies die geplante Zweiteilung der Verwaltung - Teilumzug ins ehemalige Ausgleichsamt - in Frage.

Bad Aibling - CSU und GOL wiederum wollten an der eingeschlagenen Marschrichtung mit den Behnisch-Architekten festhalten und erteilten einer "dritten Baustelle" (Duschl-Konzept) mit 12:11 Stimmen eine Absage.

Wie soll es mit dem Neubau des Rathauses weitergehen? Wohin mit Verwaltung und Stadtbücherei? Darüber sind sich die Fraktionen im Stadtrat uneins: Die SPD bezweifelt, dass mit einem Neubau die Auslagerung von Teilen der Verwaltung ins ehemalige Ausgleichsamt Am Klafferer überhaupt noch notwendig wird - denn mit dem Umzug der Bücherei ins Duschl-Haus (neu "Mediathek") könnte im neuen Rathaus Platz genug geschaffen werden.

Deshalb der Antrag der SPD, wie schon im Hauptverwaltungsausschuss diskutiert (wir berichteten): Der von der Fraktion beauftragte Planer Gregor Plötz soll vor dem Stadtrat sein Konzept für eine Bücherei im ehemaligen Duschl-Lagerhaus vorstellen dürfen - als Informations- und Diskussionsgrundlage. "Wir haben nie den Antrag gestellt, die Bücherei generell auslagern zu wollen", wehrte sich SPD-Sprecher Richard Lechner gegen eine derartige Interpretation des Bauamtes.

Wenig Begeisterung rief die Idee Duschl-Lagerhaus indes bei Büchereileiterin Hiltrud Braun sowie Behnisch-Architekt Robert Hösle und Constrata-Chef Wilhelm Brand (Projektsteuerung Rathausneubau) hervor: Sie alle zeigten sich skeptisch gegenüber einer Auslagerung der Bibliothek, plädierten, wie berichtet, für einen Verbleib im Rathaus beziehungsweise "Bürgerhaus" (Hösle).

Vor allem die Vorstellungen des Behnisch-Planers bezüglich der Nutzung des künftigen Rathauses irritierte so manchen Stadtrat: für Konzerte, Veranstaltungen, Ausstellungen - "dafür haben wir das Kurhaus", so SPD-Stadtrat Dr. Reiner Keller, Kurse, Seminare - Keller: "wir haben eine VHS" , das Heimatmuseum - "wir haben bereits eins" - und Gastronomie/Café, Seniorentreff, Kinder- und Jugendtreff, Fraktions- und Stadtratssitzungen sowie Büro des Bürgermeisters und schließlich die Stadtbücherei. Keller warnte abschließend, "einfach drauflos zu planen" - "wir müssen genaue Vorgaben machen", forderte er. Die könne man machen, erwiderte Bauamtsleiter Andreas Krämer: Wenn die Vorentwürfe der Behnisch-Planer vorliegen. "Aber jetzt sollten wir sie erst einmal arbeiten lassen", so Krämer, dem CSU-Sprecher Erwin Kühnel zustimmte. "Wenn wir die Entwürfe haben, können wir immer noch über eine Alternative nachdenken", so Kühnel und auch Dr. Alois Kreitmeier (CSU) sowie Max Leuprecht (GOL) befanden den Zeitpunkt des Lechner-Antrags als verfrüht.

Nach Ansicht der SPD ebenso strittig: die Größe der neuen "Mediathek": Im Februar war man Lechner zufolge noch von 660 Quadratmetern ausgegangen (derzeit 240 Quadratmeter), nun plane man mit 800 bis 1000 Quadratmetern - "ich frage mich, wie man das unterbringen will." Und weiter monierte Lechner: Die Finanzierung für den geplanten Neubau stehe nicht - bis dato seien 3,2 Millionen Euro für den Umbau des Rathauses und 2 Millionen Euro für die Sanierung des Ausgleichsamtes eingeplant.

Sinn und Unsinn einer Zweiteilung der Verwaltung sprach Rosemarie Mattheis (üWG) an und zeigte sich überzeugt: "Betriebswirtschaftlich vollkommen unsinnig, vor allem, wenn es eine andere Lösung gibt."

Eine Lanze fürs Ausgleichsamt brach indes Bürgermeister Felix Schwaller: An dem historischen und stadtrelevanten Gebäude solle man nun, da bereits erworben, auch festhalten. Denn: Bei einer Auslagerung der Bücherei ins Duschl-Lagerhaus müsse man sich vom "Klafferer" verabschieden - "eine dritte Baustelle zu eröffnen wäre aus heutiger Sicht nicht finanzierbar." Zudem könne man bei der Duschl-Sanierung nicht mit staatlichen Zuschüssen rechnen, weshalb das Projekt nicht machbar sei. Als "schwer vorstellbar", das Gebäude Am Klafferer jetzt wieder "zu verscherbeln", äußerte sich auch üWG-Stadtrat Dieter Bräunlich.

Letztlich lehnte das Gremium die Konzeptvorstellung für eine Büchereiauslagerung mit 12:11 Stimmen ab und beschloss des Weiteren, dass die Behnisch-Planer eine Rathaus-Variante mit und eine ohne Mediathek erstellen sollen (17:6 Stimmen).

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