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Witzig oder mangelnde Wertschätzung?

„Du bist nicht verpeilt“ – Kindergarten in Großkarolinenfeld experimentiert mit frecher Stellenanzeige

Kindertagesstätten in Thüringen
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Ein Kind wird in einer Kita betreut. (Symbolbild)
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Die Personalsuche für den Kindergarten treibt die Träger solcher Einrichtungen oft zur Verzweiflung. Der Markt ist leergefegt. Die Kindergartenleitung in Großkarolinenfeld gab deshalb eine sehr auffällige Stellenaussschreibung heraus. Die Ironie gefällt längst nicht allen.

Großkarolinenfeld – Originell oder geringschätzig – die Meinungen gehen auseinander bei einer Stellenausschreibung für eine Kinderpflegerin oder einen Kinderpfleger im Kindergarten im Ortsteil Tattenhausen. „Ich habe auch erstmal nachgefragt, ob die Anzeige ernsthaft so ins Gmoablatt und Internet soll“, sagt Bürgermeister Bernd Fessler auf Nachfrage amüsiert. Die Kindergartenleiterin habe ihm aber versichert, dass das Team es genauso wolle.

Eine frech formulierte Stellenausschreibung sollte Aufmerksamkeit erregen und für mehr Bewerbungen sorgen. Letzteres geschah nicht.

Ver.di fehlt die Wertschätzung

Die Formulierungen sind ironisch bis provokant, Interessierte sollten nicht „komplett verpeilt“ sein, „nicht alle drei Minuten über WhatsApp schreiben“ und „die Uhr lesen“ können, heißt es da unter anderem. Robert Metzger, Bezirksgeschäftsführer von Ver.di in Rosenheim, kann darüber gar nicht lachen. Ihm fehlen Wertschätzung und guter Umgangston.

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„Witzig wäre die Anzeige für meine Begriffe nur, wenn es einen Hinweis gebe, dass das natürlich nicht wörtlich gemeint sei, ein humorvolles Team Verstärkung sucht. Den gibt es aber nicht.“ Ernst gemeint gehe die Anzeige für seine Begriffe gar nicht.

Kita-Team will Verstärkung mit Humor

„Wir wollten bewusst aus der Masse herausstechen, Aufmerksamkeit erregen“, sagt die Kindergartenleiterin Stefanie Dunker. „Wir wollen Leute ansprechen, die Humor haben, die auch Lust haben in einem jungen, fröhlichen und kreativen Team zu arbeiten.“ Ihnen sei klar gewesen, dass sich nicht jeder angesprochen fühlen würde. Sie hätten diesen anderen Weg aber bewusst gewählt, um aus der Unzahl der Anzeigen für Erzieherinnen und Erzieher, Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger herauszustechen.

Permanente Personalsuche

Bei sechs Kindergarten und zwei Krippengruppen in der Gemeinde sei sie immer wieder auf der Suche nach Personal, so Stefanie Dunker.

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Denn es gebe immer wieder Kolleginnen und Kollegen, denen der Beruf zu anstrengend werde – die Anforderungen aus der Politik stiegen ständig –, die sich anderweitig orientierten. Dann werde eine Kollegin schwanger oder falle ein Kollege aus gesundheitlichen Gründen aus. Dann bräucht sie schnell Verstärkung – und findet oft keine.

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„Der Markt ist leergefegt“, sagt Stefanie Dunker. Es herrsche flächendeckend extremer Personalmangel, die Träger der Kindertageseinrichtungen suchten mit zunehmender Verzweiflung. Die lange Ausbildung (fünf Jahre, Anm.d.Red.), die steigenden Anforderung und das überschaubare Gehalt – das allerdings laut Metzger in den vergangenen Jahren kräftig angehoben wurde – habe die Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher nicht besonders attraktiv gemacht. „Das macht es leider nicht einfach, gute Leute zu finden“, so Dunker.

Hat denn die provokante Anzeige gewirkt? „Nein, leider nicht so, wie wir es gehofft hatten. Es waren auch nicht mehr, als die üblichen zwei, drei Bewerbungen“, bedauert Stefanie Dunker. Weitere Interessenten dürften sich gerne melden.

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