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WURDE HIER IN „WILD-WEST MANIER“ GEBAUT?

Doppelhaus in der Vagener Au widerspricht Baurecht – Marktgemeinde gibt keine Genehmigung

Viel zu eng ans Nachbargrundstück gebaut, hat der Bauherr des Doppelhauses am Hollerweg. Von der Baugrenzenüberschreitung ist insbesondere das nördliche Einfamilienhaus (rechts) tangiert. Der Marktausschuss lehnt es ab, den Bau durch eine nachträgliche Genehmigung so zu legalisieren.
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Viel zu eng ans Nachbargrundstück gebaut, hat der Bauherr des Doppelhauses am Hollerweg. Von der Baugrenzenüberschreitung ist insbesondere das nördliche Einfamilienhaus (rechts) tangiert. Der Marktausschuss lehnt es ab, den Bau durch eine nachträgliche Genehmigung so zu legalisieren.

In der Vagener Au stehen zwei Doppelhäuser kurz vor der Fertigstellung. Im Dezember hat das Landratsamt einen Baustopp verhängt. Nun stellte der Bauherr bei der Marktgemeinde Bruckmühl nachträglich den Antrag auf Baugenehmigung für die Gebäude am Hollerweg. Der Marktausschuss lehnte diese mit 10:1 Stimmen ab.

Bruckmühl – Markus Schwinghammer von der Bruckmühler Bauverwaltung informierte über die Ausgangslage: Demnach könne ein Bauvorhaben, das den Festsetzungen des Bebauungsplanes entspricht, durchaus im Genehmigungsfreistellungsverfahren realisiert werden.

Ein entsprechender Antrag sei Mitte Juni auch in der Verwaltung eingegangen. Sein Manko: Die Baugrenzen waren falsch. Das Problem: Die Doppelhäuser wurden auf dieser fehlerhaften Grundlage im Genehmigungsfreistellungsverfahren gebaut.

Baustopp seit Dezember

Anfang Dezember stellte die Baukontrolle des Rosenheimer Landratsamtes (LRA) fest, dass das Bauvorhaben – entgegen den abgegebenen Erklärungen – abweichend von den Baurichtlinien realisiert wurde und verhängte einen sofortigen Baustopp.

Nun beantragte der Bauwerber mehrere Befreiungen von geltenden Baugrenzen, denn das Doppelhaus im Norden überschreitet diese zwischen 20 und 70 Zentimetern im nördlichen und um 20 Zentimer im östlichen Bereich. Das Doppelhaus im Süden überragt die Baugrenzen sogar um 1,86 Meter im nordöstlichen, um 1,36 Meter im nordwestlichen und 50 Zentimer im östlichen Bereich.

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Bürgermeister Richard Richter (CSU/PW) zeigte sich enttäuscht darüber, dass kein Gespräch am „Bürgermeistertisch“ zustande gekommen war. Der von dem Doppelhaus am meisten tangierte nördliche Nachbar hatte seine ursprüngliche Bereitschaft wieder zurückgezogen. Michael Stahuber (CSU/PW) bezeichnete das auch als schwierig, denn „vom Beratungstisch aus kann man nur schwer die Richtigkeit der Angaben prüfen“. Trotzdem waren es für ihn zu viele beantragte Befreiungen. Auch Fraktionskollege Hubert Maier sprach sich gegen Befreiungen aus.

Bauamtschef Konrad Kremser machte klar: „Wenn wir als Gemeinde jeder Planabweichung im Nachgang zustimmen, sind wir nur noch Mittel zum Zweck.“ Für ihn ist der Verstoß gegen die Festsetzungen des Bebauungsplanes das entscheidende Kriterium. Er sprach sich gegen die beantragten Änderungen aus.

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Auch Grünen-Rat Stefan Mager kritisierte die Vorgehensweise: „Wir dürfen so einem Prozedere nicht Tür und Tor öffnen.“ Die Bedenken des nördlichen Nachbarn sind für ihn nachvollziehbar, denn „sein Wohnwert ist deutlich eingeschränkt“. Für Wolfgang Huber (Grüne) hat im konkreten Fall ein Bauträger in „Wild-West-Manier“ agiert. Seiner Ansicht nach sollte man davon ausgehen können, dass bei einem Investment von mehreren Millionen Euro Profis zu Werke gehen. Er bewertete das Vorgehen „als dreist“.

Komplett anders sah Josef Staudt (SPD/PU) die Sache: „Wir haben schon bei etlichen anderen Anträgen mit Bauchweh zugestimmt, warum nicht auch hier?“ Eine Teilschuld der entstandenen „Eng-auf-Eng Situation“ gab er auch dem Besitzer des nördlich angrenzenden Einfamilienhauses, denn: „Wer sein Haus so nah an die Grundstücksgrenze baut, ist selbst schuld“.

Baurecht so nicht vorhanden

Kremser erklärte dazu: „Die Südwest-Ausrichtung des Gebäudes wurde damals vom Landratsamt so genehmigt, der zeitlich nachfolgende Bau muss sich nach den Gegebenheiten vor Ort richten und nicht umgekehrt.“

„Es geht hier nicht um Vorsatz, Fahrlässigkeit oder Gewinnmaximierung“, betonte Bürgermeister Richter. „Hier geht es um Recht und Gesetz. Klar ist, dass Baurecht hier so nicht vorhanden ist. Ein Bebauungsplan hat auch eine die Nachbarn schützende Wirkung.“

Wie kann es am Hollerweg nun weitergehen?

Nach dem Baustopp wird dem Projekt auch das gemeindliche Einvernehmen verweigert. Wie geht es nun weiter mit den beiden Doppelhäusern am Hollerweg, für die bereits Kaufinteressenten gesucht werden? Das Problem liegt auf dem Tisch der Bauaufsichtsbehörde – also beim Landratsamt Rosenheim.

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Das teilt auf Anfrage des Mangfall-Boten mit: „Richtig ist, dass im Dezember 2020 ein Baustopp verhängt wurde und dem Landratsamt Rosenheim zwischenzeitlich Anträge auf Baugenehmigung zu diesem Gesamtvorhaben vorliegen. Aufgrund dieser laufenden Verfahren kann das Landratsamt zum jetzigen Zeitpunkt keine detaillierten Aussagen machen. Mögliche Lösungswege befinden sich derzeit noch in der Prüfung der Fachabteilung. Eine Tendenz kann daher noch nicht nach außen getragen werden.“

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