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Digitalisierungsoffensive im Gesundheitstourismus: Bad Aibling zeigt wie’s geht

Bei ihnen in der Aib-Kur laufen die Fäden des Konzepts „Digitaler Gesundheitstourismus zusammen: Monika Schuh (links), Erna Neumeyer und Kurdirektor Thomas Jahn.
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Bei ihnen in der Aib-Kur laufen die Fäden des Konzepts „Digitaler Gesundheitstourismus zusammen: Monika Schuh (links), Erna Neumeyer und Kurdirektor Thomas Jahn.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Bayerns Heilbäder und Kurorte haben eine Digitalisierungsoffensive im Gesundheitstourismus gestartet – und Bad Aibling ist der Dreh- und Angelpunkt bei der Entwicklung und Umsetzung der vier Projekte, um die es dabei geht.

Bad Aibling– Rund eine halbe Million Euro investiert der Bayerische Heilbäder-Verband (BHV) für dieses Angebot, von dem Kurgäste, Patienten und Einheimische profitieren sollen. Knapp 380.000 Euro davon finanziert die Bayerische Staatsregierung.

„Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft“

„Digitale Angebote sind nicht nur in Corona-Zeiten mit Kontaktbeschränkungen nötig und hilfreich. Sie sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft im Gesundheitstourismus“, so der Vorsitzende der BHV-Vorsitzende Alois Brundobler. Projektleiter ist der Vorsitzende des Marketingausschusses und Bad Aiblinger Kurdirektor Thomas Jahn.

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Er hatte bereits im Vorfeld die Verhandlungen geführt und sieht die Aib-Kur für die Anforderungen bestens gerüstet: „Wir haben alle erforderlichen technischen Anbindungen und nutzen diese auch intensiv. Mit Erna Neumeyer und Monika Schuh haben wir zudem zwei äußerst kompetente Damen, die ständig mit den Programmen umgehen und höchst gesundheitsaffin sind.“ Gemeinsam habe man genau definiert, wie das Konzept aussehen soll.

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Das erste Projekt, die neue Homepage der BHV-Marke „Gesundes Bayern“, sei bereits abgeschlossen. Die Seite wurde thematisch neu aufbereitet, der Blog „Gsunde Gschichten“ mit Tipps zur Prävention, Bewegung und Ernährung ist integriert. Unter www.gesundes-bayern.de ist auch das zweite Projekt gelistet – der Gesundheitsfinder. Mit Hilfe einer neuen Suchmaske kann jeder Gesundheitsexperten, Ärzte, Kliniken, aber auch Pauschalangebote für einen Gesundheitsurlaub suchen und finden. „Hier haben wir eine umfangreiche Graphen-Datenbank installiert, die stetig neu befüllt wird. Bereits jetzt enthält sie 1600 Datensätze“, so Jahn.

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„Die Verantwortlichen in den Heilbädern und Kurorten stellen ihre Daten selbst ein – die Datenbank wächst also stetig an.“ Die Graphen-Datenbank ist in der Lage zu lernen und anhand der Anfragen neue Verknüpfungen zu erstellen. „Früher erschienen beim Stichwort Rückenleiden nur Kliniken und Ärzte“, erläutert Jahn. „Jetzt können wir unsere Daten besser miteinander vernetzen, sodass die Interessierten auch buchbare Angebote finden.“

Drittes Projekt ist ein Chatbot, mit dem Internet-Nutzer rund um die Uhr kommunizieren können. Dank künstlicher Intelligenz bekommt man auf seine Fragen sofort eine Antwort – bis hin zur Buchung von Pauschalangeboten, wie etwa einer Präventionswoche.

„Smarth Health City“ kommt

Die vierte Säule nennt sich „Smart Health City“. Auf Basis des Gesundheitsfinders sollen Heilbäder und Kurorte in naher Zukunft ihr gesamtes Netzwerk an gesundheitlicher Kompetenz online sichtbar und nutzbar machen. Das Projekt soll sich, wie Jahn betont, auch an Einheimische richten. „Ein Beispiel: Ein Diabetiker braucht nicht immer einen Arzt zur ständigen Betreuung. Das kann auch eine Apotheke übernehmen. „Auf der Homepage ihrer Gemeinde sollen die Bürger sofort sehen können, welche Betreuung für sie infrage kommt.“

Nach OP in weiterer Betreuung

Für die Heilbäder und Kurorte ergebe sich aus den neuen digitalen Angeboten die Möglichkeit, Patienten und Gäste über eine längere Zeit zu binden. Als Beispiel nennt Jahn das Thema Adipositas: Zwölf Monate vor einer Magen-OP ist eine Ernährungsumstellung nötig, nach der OP eine Reha und eine weitere Beratung und Betreuung, um den Erfolg auf Dauer zu sichern.

Betreuung auch digital

„Das lässt sich gut kombinieren“, betont Jahn. „Den Ernährungsplan stellen unsere Ärzte und Experten hier vor Ort zusammen, danach wird der Patient monatelang online betreut, auch mit Videosprechstunden. Dann kommt er zur Operation, macht seine Reha, und zuhause erfolgt wieder eine längere digitale Betreuung.“

Derartige Angebote verlängerten für die Heilbäder und Kurorte die Wertschöpfungskette. Der Gesundheitstourismus von morgen ist ein Mix aus Gesundheitsurlaub oder Kur vor Ort und digitalem Urlaub von zuhause aus mit unseren Experten“, fasst Jahn die Thematik zusammen. Bis 2022 sollen alle neuen digitalen Projekte abgeschlossen sein.

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