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Olena und Karo sind schon seit April in Arbeit

„Sie machen die Welt schöner“: Wie eine Bruckmühler Familie ukrainischen Flüchtlingen beisteht

Sie überstehen gemeinsam wie ein Fels in der Brandung diese schwere Krise: (von links) Karo aus Armenien, Olena aus der Ukraine sowie Josef, Peter und Sabine aus Bruckmühl. Der Familie Krist ist es gelungen, das Leben der Flüchtlinge wieder mit fröhlichen Momenten zu bereichern und ihre Sorgen für Augenblicke zu verdrängen.
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Sie überstehen gemeinsam wie ein Fels in der Brandung diese schwere Krise: (von links) Karo aus Armenien, Olena aus der Ukraine sowie Josef, Peter und Sabine aus Bruckmühl. Der Familie Krist ist es gelungen, das Leben der Flüchtlinge wieder mit fröhlichen Momenten zu bereichern und ihre Sorgen für Augenblicke zu verdrängen.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Für Olena Kornieieva ist die Welt nicht einfach schwarz-weiß. Obwohl in ihrer Heimat, der Ukraine, der Krieg tobt, erlebt sie auch glückliche Momente. Das ist einer Bruckmühler Familie zu verdanken, die sie und ihren armenischen Mann Karo aufgefangen haben. Den OVB-Heimatzeitungen hat Olena die Geschichte ihrer Flucht erzählt.

Bruckmühl – „Peter, Sabine, Josef, Bernd und Marga Krist haben uns aufgenommen, in einen Mantel aus Liebe, Achtsamkeit und Unterstützung gehüllt und unserem Leben auch wieder fröhliche Farben geschenkt. Mit ihrer Herzlichkeit, ihrer Weisheit und ihrem Optimismus. Sie haben mich im Grund meines Herzens tief berührt“, ist die 41-Jährige dankbar.

Worte reichen als Dank gar nicht aus

Doch Worte, so meint sie, reichten gar nicht aus, um ihre und die Dankbarkeit aller Ukrainer auszudrücken: Gegenüber den Gastfamilien, den vielen Helfern und den Menschen in Deutschland, die in Solidarität mit der Ukraine ertragen, dass sich auch ihre Lebensqualität enorm verschlechtert hat. Deshalb möchte Olena ihre Geschichte erzählen, denn wie alle Ukrainer wurde sie mitten in einem schönen Leben von einem brutalen Krieg überrollt. Und wie viele Menschen hatte auch sie nie geglaubt, dass es im 21. Jahrhundert mitten in Europa noch einmal so weit kommen könnte. Wie ihre neue, ukrainische Freundin Iryna aus Hausham ist Olena in Krywyj Rih aufgewachsen.

Frauen aus Krywyj Rih begegnen sich hier

Die beiden Frauen sind fast gleich alt, doch in ihrer Heimatstadt, aus der übrigens auch Präsident Wolodymyr Selenskyj stammt, begegneten sie sich nie. Dafür ist sie mit 625 000 Einwohnern zu groß. Erst hier in Oberbayern, wo Iryna schon seit 17 Jahren lebt und arbeitet, trafen sie sich: Die eine als Helferin, die andere als Flüchtling.

Beide geeint in der Sorge um ihre Lieben daheim. Während sie von der Situation in der Heimat erzählen, ploppt alle paar Minuten eine WhatsApp auf ihren beiden Handys auf: Es sind Warnungen aus ihrer Heimatstadt. Wieder gibt es einen Alarm. Wieder erfüllt die Sorge ihre Herzen, dass ihre Lieben diesen Angriff nicht überleben könnten. „Es ist, als ob Du innerlich erfrierst“, beschreibt Iryna das Gefühl, das sich dann in ihr breit macht.

Olena und ihr Mann Karo hatten ein gutes Leben in ihrer Heimat. Sie ist Nageldesignerin, er Friseur. Vor fünf Jahren haben sie ihren eigenen Beauty-Salon eröffnet. Sie waren erfolgreich, hatten acht Angestellte. Er ist ein bekannter Meister seines Faches, dessen Seminare in der Ukraine begehrt und ausgebucht waren. Sie konnten sich eine Wohnung und gerade im Januar noch ein kleines Haus kaufen, das sie gemeinsam sanieren wollten. Auf Instagram zeigen sie unter o.k.beauty_room Videos von ihrem Salon und ihren Haar-Kreationen. Das Letzte ist vom 23. Februar. Einen Tag später haben sie ihren Salon geschlossen. „Kein Mensch will sich im Krieg die Haare oder die Nägel machen lassen“, sagt Olena, denn: „Schönheit ist nicht mehr wichtig, wenn es ums Überleben geht.“

Die nächste Generation sollte überleben

Ihre Eltern waren es, die sie überzeugten, mit ihrer Tochter Marina zu fliehen. Die „Alten“ – Olenas Vater Valeri ist Ukrainer, die Mutter Natalia Russin – wollen sich nicht mehr entwurzeln und vertreiben lassen.

Doch die nächsten Generationen sollen überleben. Also sind sie aufgebrochen: Haben auf überfüllten Bahnhöfen auf die Evakuierung gewartet, sind in Polen in den nächstbesten Bus eingestiegen, haben in Berlin ein Ticket nach München in die Hand gedrückt bekommen. „Wir wussten nicht, wohin es uns verschlägt, sind einfach nur mit dem Strom in Richtung Frieden mitgeschwommen. Wir hatten so eine Angst, was uns in der Fremde erwarten würde, dass sie uns regelrecht die Luft zum Atmen nahm“, erinnert sich Olena an die viertägige Flucht.

Doch das Schicksal meinte es gut mit ihnen. Über Freunde aus der Ukraine wurden sie an eine Gastfamilie vermittelt. „Und so kam es, dass Peter und Bernd uns am 12. März in München abgeholt haben.“

Die Bruckmühler hatten die einstigen Büros einer Heizungsfirma schon in eine Unterkunft umgewandelt. Hier haben Olena und Karo alles, was sie zum Leben brauchen: eine Küche, ein Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer und ein Bad. „Wir schaffen auch Platz für den Rest der Familie, wenn sich die Situation in Kryvyi Rih weiter verschlimmert“, sagt Peter. Er ist schon oft ehrenamtlich mit dem THW im Auslandseinsatz gewesen: in Frankreich bei Sturm und Hochwasser, in Afghanistan. „Der Krieg wird noch dauern. Ich hoffe, dass wir in einem Jahr wieder Frieden haben“, sagt er. Wenn er vorbei ist, wird er zu den Helfern gehören, die das Land wieder aufbauen, da ist er sich ganz sicher. Bis dahin sorgt er mit seiner ganzen Familie für Olena und Karo.

Sie sind in die Familie integriert, so als wären sie nie Fremde gewesen. Karo geht mit zum Fischen und zur Gewässerpflege. Olena hilft im Garten. In ihrer Freizeit, versteht sich, denn beide haben schon seit April einen festen Job. „Nein, Hartz IV bekommen wir nicht. Das wollen wir auch nicht, sondern selbst für unseren Lebensunterhalt sorgen“, antwortet Olena auf die Frage nach staatlichen Beihilfen. Ihr Mann Karo arbeitet in Feldolling als Friseur. Sie verdient ihr Geld als Reinigungskraft in der Schule. Und da Peter, Sabine und Oma Marga den beiden weder Miete noch Nebenkosten berechnen, können Karo und Olena ihre Familie in der Ukraine unterstützen.

Familien in der Heimat brauchen Hilfe

Die Eltern sind schon in Rente. Tochter Marina ist in Sorge um ihren Mann wieder in die Heimat zurückgekehrt. Sie arbeitet als Krankenschwester, er leitet ein Lebensmittelgeschäft. Die Preise in der Ukraine sind seit Kriegsbeginn explodiert. „Inflation und Energiekrise belasten auch die Ukrainer. Hinzu kommt, dass die Menschen durch den Krieg ständig um ihr Leben fürchten müssen“, beschreibt Iryna. Sie schickt ihrer Familie jede Woche Geld, denn von den Renten könne in der Ukraine keiner überleben: „Meine Oma bekommt 100 Euro im Monat, dabei hat sie ihr Leben lang als Ingenieurin gearbeitet.“

Wie Menschen die Welt schöner machen

Menschen wie Peter, Sabine, Josef, Bernd und Marga geben den Ukrainern Kraft: „Sie sind der Quell jeder aufrichtigen und barmherzigen Arbeit“, sagt Olena voller Hochachtung. Besonders Oma Marga ist ihr ans Herz gewachsen, denn: „Sie wurde als kleines Kind aus dem Sudetenland vertrieben. Sie weiß, was es bedeutet, alles zu verlieren und ein Flüchtling zu sein.“ Olena ist ihr dankbar, dass sie ihre Kinder zu so „wunderbaren und hilfsbereiten Menschen“ erzogen hat.

Olena und Iryna (rechts) stammen aus Krywyi Rih. Begegnet sind sie sich erst in Bruckmühl – die eine als Flüchtling, die andere als Helferin. Vereint sind sie in Sorge um Familie und Freunde in der Heimat.

„Die Welt wäre nicht so schön, wenn es nicht Menschen gäbe, die sie schöner machen“, sagt Olena angesichts eines Krieges, der vielen ihrer Freunde das Leben gekostet hat. Doch Menschen wie die Familie aus Bruckmühl sorgen dafür, dass Olena auch in den dunkelsten Stunden ihres Lebens ein Licht der Hoffnung erkennen kann.

Die Lage in Krywyi Rih spitzt sich zu

„Krywyj Rih steht im Moment unter starkem Beschuss russischer Truppen“, erklärt Iryna. Sie verfolgt seit der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 alle Informationen in deutschen, ukrainischen und russischen Medien, telefoniert und chattet mit Familie und Freunden. „Meine Heimatstadt Krywyj Rih ist ein strategisch wichtiger Ausgangspunkt für Operationen der ukrainischen Armee zur Rückeroberung von Cherson“, erklärt sie. Auch Zaporizhzhia, Mykolaiv und Odessa sind nur wenige Stunden von der südukrainischen Metropole entfernt, die ein wichtiger Industriestandort und unter anderem ein großer Stahlproduzent ist.

„Gegenwärtig nehmen die Bombardierungen zu. Damit soll unsere Infrastruktur zerstört werden“, berichtet Iryna. Vor wenigen Tagen wurde der Staudamm massiv beschädigt. „Dadurch ist der Fluss Inhulez über seine Ufer getreten. „Das soll unseren Truppen den Weg nach Cherson abschneiden“, erklärt Iryna die russische Strategie. Betroffen ist aber vor allem die Zivilbevölkerung, denn Stadtteile wurden überschwemmt. Zudem ist die Trinkwasserversorgung der Stadt mit Hunderttausenden Einwohnern größtenteils ausgefallen.

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