Die Wurzeln des neuen Bürgerhauses: 2014 kauft Bruckmühl die Bahnhofswirtschaft

Wie Wirtsleute Ernst und Leni Ampletzer in ihrer Metzgerei in den 70er-Jahren. Baumann
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Wie Wirtsleute Ernst und Leni Ampletzer in ihrer Metzgerei in den 70er-Jahren. Baumann
  • vonJohann Baumann
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Die einstige Bahnhofsrestauration „Neuwirt“ wird ab Oktober grundlegend saniert und mit einem Neubau zum modernen Bürger- und Kulturhaus verschmelzen. Das künftige kulturelle Zentrum im Herzen Bruckmühls wird Geschichte schreiben. Doch wo sind seine Wurzeln?

Bruckmühl – Die einstige Bahnhofsrestauration „Neuwirt“ wird ab Oktober grundlegend saniert und mit einem Neubau zum modernen Bürger- und Kulturhaus verschmelzen. Das künftige kulturelle Zentrum im Herzen Bruckmühls wird Geschichte schreiben. Welch lange Historie der „Neuwirt“ hatte, recherchierte Johann Baumann, Reporter des Mangfall-Boten, in Unterlagen von Helmut Giese, der Familie Ampletzer und der Schlossbrauerei Maxlrain. Heute blickt er auf die Jahre von 1904 bis 2015 zurück.

Ab 1904 in Maxlrainer Besitz

Von Beginn an wurde die Gaststätte von Sebastian Utz betrieben, die ab 1904 eine neue Ära erlebte. Im „Aiblinger Wochenblatt“ erschien am 3. Dezember 1904 folgende Meldung: „Das gräfl. Arco`sche Familien-Fideikommiss in Maxlrain – Anmerkung der Redaktion: .ab 1936 im Besitz von Leo Graf von Hohenthal und Bergen, heute im Besitz der Familie von Dr. Erich Prinz von Lobkowicz – hat nun auch die Bahnhofrestauration des Hrn. Seb. Utz in Bruckmühl um den Preis von 85 000 Mark an sich gebracht. Herr Utz zieht sich ins Privatleben zurück. Herr Georg Kirmaier, bisher Pächter der Gastwirtschaft zum Neuwirt dortselbst soll die Restauration pachtweise übernehmen.“

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Von 1905 bis 1934 führte Georg Fürmeier mit seiner Familie den Gasthof, in dem ein reges Vereinsleben stattfand. Dort befanden sich ein Sänger- und Athletenzimmer sowie eine Kegelbahn. Von 1934 bis 1962 pachtete Ludwig Straßmeier mit seiner Familie die Gastwirtschaft und die inzwischen dazugehörige Metzgerei.

Der 85-jährige Ernst Ampletzer mit seinen Töchtern Sabine, Hermine und Marlene (von links).

An der Beerdigung des 1962 verstorbenen und beliebten „Herbergsvaters“ nahmen unter anderem die Schützengesellschaft „Freischütz“, der Rad- und Kraftfahrerbund „Solidarität“, der Trachtenverein „D‘Wendlstona“, der Männergesangverein als Vorgänger der Chorgemeinschaft, der Rauchklub „Gemütlichkeit“ als Vorgänger des Rauchklub- und Sterbekassenunterstützungsvereins, der Altersverein und der Allgemeine Krankenunterstützungsverein teil.

42 Jahre Wirt und Metzger

Ab 1962 übernahm die Familie Ernst Ampletzer die Bahnhofswirtschaft: 42 Jahre lang bis 2004. „Das Gasthaus ist das Kernstück der Maxlrainer Brauerei in Bruckmühl“ und „Die Ampletzers waren die am längsten an die Brauerei gebundenen Wirtsleute“ – so heißt es in den Annalen der Schlossbrauerei. Ernst Ampletzer feierte vor Kurzem seinen 85. Geburtstag.

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Er erinnert er sich gern an seine Wirtszeiten: „Früher lief alles ruhiger ab, die Gastwirtschaft war die Heimat zahlreicher Ortsvereine. Die Bahnhofsgaststätte war zudem Schauplatz unzähliger Hochzeits- und Trauerfeiern, in der gemütlichen Dorfwirtschaft wurde Karten gespielt, ohne dass sich Gäste belästigt fühlten“ erzählt er. Unterstützt wurde er von seiner 2010 verstorbenen Ehefrau Leni und seinen Töchtern Hermine, Marlene und Sabine.

Wirt war oft auch Seelentröster

„Unser Gasthaus war auch Kummerkasten und mein Vater war als Wirt oftmals auch Seelentröster“ berichtet Tochter Hermine und ergänzt: „Die heutigen Sozialen Medien spielten sich früher im Wirtshaus ab und in der Kegelbahn und im Schützenkeller ging es oft hoch her“.

Beliebt bei den Gästen war auch der kleine Biergarten – hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1995.

Von 2004 bis 2006 betrieben Hermine und Marlene die Gastwirtschaft und anschließend bis 2008 hieß der Wirt Adi Obermaier, der zehn Jahre lang der Werbung der Schlossbrauerei sein „Gesicht“ gab.

Der letzte Pächter von 2008 bis 2015 war Mehmet Beypinar. 2014 erwarb die Marktgemeinde Bruckmühl das Gebäude für ein neues Bürger- und Kulturzentrum. Seit 2015 steht es leer. Ab Oktober wird gebaut.

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