Sie galt lange als verschollen

12 Meter lang, über 300 Jahre alt: Wie die Tuntenhausener Krippe glanzvoll zurückkehrte

Die Tuntenhausener Krippe ist in einem verglasten Schaukasten mit einer Länge von fast zwölf Metern aufgebaut. In diese Marktszene möchte man am liebsten eintauchen, so gesellig ist sie dargestellt. S
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Die Tuntenhausener Krippe ist in einem verglasten Schaukasten mit einer Länge von fast zwölf Metern aufgebaut. In diese Marktszene möchte man am liebsten eintauchen, so gesellig ist sie dargestellt. S

Die Tuntenhausener Krippe ist eine Rarität: 1671 angefertigt und noch um 1900 in der Basilika zu sehen, galt sie lange als verschollen. Autorin Viktoria Schwenger erzählt die Geschichte eines barocken Juwels, das 1985 wiederentdeckt wurde. Heute: die Rückkehr.

Von Viktoria Schwenger

Tuntenhausen – 1988 begann das Landesamt für Denkmalpflege im Auftrag des Erzbischöflichen Kunstreferats München die systematische, aufwendige und teure Konservierungs- und Restaurierungsarbeit, deren Kosten auch durch viele Spenden getragen wurden.

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Viele namhafte Restauratoren waren damit beschäftigt, in mühevoller Kleinarbeit die Kulissen und Figuren wiederherzustellen. Vor allem die Gewänder in alter Pracht erglänzen zu lassen, erforderte viel akribische Arbeit und gelang nur, da die Originalstoffe in ihrer Qualität hochwertig waren. Bei der Restaurierung entdeckte man auch, dass nicht alle Bestandteile der Krippe original aus dem Jahre 1671 waren, sondern dass sie im Laufe der Jahrhunderte ergänzt und erweitert worden waren.

1991 erstmals wieder zu sehen

Weihnachten 1991 war es dann soweit: Im neuerbauten Pfarrheim wurde die Tuntenhausener Krippe in einem eigenen Raum wiederaufgestellt: ein barockes Juwel, das in seiner Kostbarkeit und Vielfalt seinesgleichen sucht.

Die Krippe ist heute als Simultankrippe aufgestellt, das heißt, sie ist in statischem Aufbau das ganze Jahr über zu besichtigen. Konnte man in der Barockzeit die wichtigsten Teilstücke zu einem Thema wiederholt dem Anlass entsprechend aufstellen, so musste man sich jetzt entscheiden, welche Szenen für den heutigen Betrachter wichtig sind. In der Gesamtheit, in der die Krippe heute präsentiert wird, war sie früher nie zu sehen.

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Bestechend beim Betreten des schlichten Raumes ist die zweiseitige Präsentation der Krippe in einem verglasten Schaukasten in einer Gesamtlänge von fast zwölf Metern. Auch die alte Reisetruhe mit dem Wappen des Churfürsten, in der vermutlich die ältesten Teile der Krippe transportiert und aufbewahrt wurden, steht in diesem Raum.

Eindrucksvolle Darstellungen

Man beginnt linkerhand mit der Betrachtung der Zimmermannswerkstätte von Josef, dem Ziehvater Jesus. Die Geburt Christi und die Anbetung der Hirten ist besonders eindrucksvoll dargestellt. Es folgt die Huldigung der Drei Könige, deren Begleitzug allein eine Länge von fünf Metern aufweist. Ein früherer Probst der Augustiner Chorherren des Beyhartinger Klosters hat es nicht versäumt, eine Szene mit Klerus und Ministranten hinzuzufügen, so wie es in früherer Zeit üblich war, dass sich hochgestellte Personen in Bildern oder Figuren verewigen ließen.

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Anschließend wird der zwölfjährige Jesus mit den Schriftgelehrten im Tempel gezeigt. Der schreckliche Kindermord von Bethlehem wird bestraft von drei grinsenden Teufeln mit Drachenflügeln, die mit Spießen und Zangen bewaffnet hinter dem Höllenfeuer auf die Ankunft des bösen König Herodes warten, der die Tötung aller Knaben unter einem Lebensjahr angeordnet hatte.

Die Krippe mit Josef, Maria und dem Christus-Kind.

Liebevoll bis ins Detail

Weiter findet sich die Darstellung einer Dult – liebevoll im Detail nachgestellt mit Kramerläden und Marktständen. Dem folgt von eine Küchenszene, die Mägde beim Zubereiten des opulenten Mahles für die Hochzeit zu Kana zeigt, auf der Jesus Wasser in Wein verwandelt hatte.

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Die illustre Hochzeitsgesellschaft ist inklusive einer Gruppe von Musikanten, die auf dem Dach des Hauses musizieren, dargestellt. Der Sturm auf dem See Genezareth wird mit drei siebzig Zentimeter langen Booten und einem wildbewegten See in barocker Bühnenkunst gezeigt. Zu sehen ist auch die Heilung des krank danieder liegenden Hauptmannsknechtes von Kapharnaum mit „Arzt, Krankenwächter und einem Tisch mit allerhand Gläsern“, wie in der Aufzeichnung von 1840 vermerkt ist.

Zur Krippe gehört auch die Darstellung aus dem Alten Testament von Abraham, der in letzter Minute statt seines Sohnes Isaak einen Widder opfert. Der Hinweis auf die Fasten- und Passionszeit mit den Symbolen des Leidens Christi, wie Geißel und Ruten, der Dornenkrone, dem Schweißtuch der Veronika, Würfel, Lanze und Ysopstengel beenden die Präsentation.

Filigran gearbeitete Figuren

Einzigartig, wie liebevoll und detailliert die damaligen Künstler die Szenen gestaltet und ausgeschmückt haben. Nicht minder eindrucksvoll, wie die Krippe jetzt durch die Restauratoren aufgestellt wurde. Damit ist Tuntenhausen wieder um ein wertvolles Kunstwerk reicher, dessen Bedeutung weit über die Grenzen Bayerns hinausreicht.

Es lohnt, längere Zeit zur eingehenden Betrachtung zu verweilen, um all die liebevoll arrangierten Einzelheiten zu erfassen. Eine sehr schöne Dokumentation in Form eines Kunstdruckes mit exzellenten Farbfotografien erläutert die einzelnen Szenen und Aufbauten.

Ist Krippeschaun überhaupt möglich?

Helga Merk aus Tuntenhausen betreut den weihnachtlichen Schatz seit fast 30 Jahren ehrenamtlich und bietet auch Führungen an – zumindest in normalen Jahren. Dann kann die Krippe vom ersten Advent, dem 29. November, bis Mariä Lichtmeß am 2. Februar, an jedem Sonntag von 13 bis 16 Uhr besichtigt werden. In der Weihnachtszeit vom 24. Dezember bis zu Heilige Drei Könige am 6. Januar wäre sie sogar täglich von 13 bis 16 Uhr zu sehen.

In diesem Jahr muss die Besichtigung allerdings von der Entwicklung der Corona-Infektionszahlen abhängig gemacht werden. Nach gegenwärtigem Stand kann die Krippe nicht besichtigt werden. Wie es sich in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln wird, können Interessenten im Pfarramt Tuntenhausen unter Telefon 0 80 67/2 82 erfragen.

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