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150. Geburtstag des Heimatdichters

Die Theaterstücke des Hufschmieds Ferdinand Winter werden noch heute gespielt

Ferdinand Winter war Heimatdichter. Seine Stücke wurden hundertfach aufgeführt.
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Ferdinand Winter war Heimatdichter. Seine Stücke wurden hundertfach aufgeführt.

Zwei Jubiläen verbinden sich in diesem Monat mit dem Hufschmied und Heimatdichter Ferndinand Winter aus Au: Am 2. Februar wäre er 150 Jahre alt geworden. Am heutigen 18. Februar jährt sich sein Todestag zum 75. Mal. Seine ungewöhnliche Lebensgeschichte ging am 18. Februar 1947 zu Ende. Bestattet ist er auf dem Kirchenfriedhof in Au.

Au – Von Ferdinand Winter war ein Hufschmied – genau wie sein Vater August Winter. Aus Schlesien stammend arbeitete dieser etwa von 1860 bis 1876 in Sonnenwiechs in der Gemeinde Kirchdorf am Haunpold. Dort heiratete er eine Schmiedetochter aus Tirol, die er auf seiner Wanderschaft kennengelernt hatte. Am 2. Februar 1872 wurde Sohn Ferdinand geboren.

Der Ferdinand-Winter-Weg in Au mit der Schmiede (links), der Bauernschmied (Millegger, rechts) und dem Kaufhaus Grießer/Gernstl (Franz) im Hintergrund.

Mit vier Jahren kam er nach Au

Als Vierjähriger kam der Bub mit den Eltern nach Au bei Aibling, wo der Vater das Schmiedegebäude am Aubach vom Bauernschmied (Millegger) kaufen konnte. Der damalige Besitzer sah sich genötigt, das Nebengebäude zu veräußern, nachdem das Wirtschaftsgebäude und der Dachstuhl des Wohnhauses nach einem Blitzschlag abgebrannt waren. Nur so konnte er den Wiederaufbau seines landwirtschaftlichen Betriebes finanzieren.

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Nach dem Schulbesuch in Au erlernte Ferdinand Winter den Beruf seines Vaters, und 1904 konnte er die Schmiede übernehmen. Er heiratete die Kaufmannstochter Monika Grießer aus der Nachbarschaft. Drei Töchter wurden ihnen geboren. Nach dem Tode von Tochter Anna Hierl im Jahr 1992 wurde das Schmiedehäusl von der Familie Millegger zurückgekauft.

Den Straßennamen verlieh die Gemeinde Au aber nicht dem Hufschmied Ferdinand Winter, sondern dem Heimatdichter. Die Homepage des Theaterverlages Xaver Bauer im Mittenwald schildert genau diesen Werdegang. In Au wurde in der Jugendzeit Winters regelmäßig vom Katholischen Burschenverein Theater gespielt. Spielleiter war Peter Bergmeier, der Auer Benefiziat – das ist ein Kaplan mit selbstständigem Haushalt – und spätere Pfarrer von Großkarolinenfeld.

Große Begeisterung fürs Theater

HuDer Hufschmied bei der Arbeit in Au.

Mit 21 Jahren stand der Hufschmied Ferdinand Winter zum ersten Mal auf der Bühne. Seine Begeisterung war so groß, dass er bald begann, selbst Stücke zu schreiben. Doch seinen ersten Dreiakter „Vergib uns unsere Schuld“ wollte zunächst niemand aufführen. Später allerdings verlieh der Theaterverlag Bauer über 400-mal die Rollenbücher.

1896 gelang dem Dichter mit dem Wildererdrama „‘s Almröserl oder Jennerweins Ende“ dann ein wahrer Kassenschlager. Über 700-mal ließen sich Vereine die Textbücher zusenden. Aufführungen waren es noch weitaus mehr. Doch wie wurden die Texte vervielfältigt?

Stücke handschriftlich mühsam vervielfältigt

Zunächst schrieb der Hufschmied Winter jedes Stück mit der Hand dreimal. Diese Manuskripte verlieh er selbst an die Theatervereine. Mühsam mussten die einzelnen Rollen abgeschrieben werden. Um 1920 kam ihm ein Zufall zu Hilfe.

1912 stand auch der junge Xaver Bauer, Bauernsohn von Kogl ob Au, als 16-jähriger auf der Theaterbühne in Au. Durch seine spätere Heirat mit Maria Gernstl – sie stammte wie Winters Frau aus dem Kaufhaus Grießer/Gernstl – wurde der Stückeschreiber Winter sein Onkel. Als gelernter Kaufmann kam Bauer auf die Idee, Winters Stücke in Augsburg drucken zu lassen. So entstand 1921 der Theaterverlag X. Bauer in Mittenwald, der Ferdinand Winters Stücke in Zukunft verlieh.

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Insgesamt wurden elf Mehr- und zehn Einakter des Heimatdichters Winter verliehen. Zu seinem 60. Geburtstag berichtete 1932 die Süddeutsche Sonntagspost, dass Winters Theaterstücke „nicht nur in Oberbayern und Tirol aufgeführt wurden, sondern auch in Württemberg, in der Rheingegend und in Südamerika“. Und bis heute sind sie ein Renner, sobald sie auf die Bühne kommen.

Wahrlich eine große Lebensleistung eines Hufschmieds, der neben seiner schweren Arbeit zu einem bekannten Heimatdichter geworden war.

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