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Rettungseinsatz am Moosbach in Högling

„Die Lage ist sehr ernst“: Hitze und Niedrigwasser erzwingen Notabfischung am Moosbach

So sah der Moosbach vor einigen Tagen aus: Die Lebensbedingungen für Fische waren so schlecht, dass sie gerettet werden mussten.
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So sah der Moosbach vor einigen Tagen aus: Die Lebensbedingungen für Fische waren so schlecht, dass sie gerettet werden mussten.
  • VonJohann Baumann
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Es war ein Wettrennen mit der Zeit. Der Kreisfischereiverein Bad Aibling wurde an den Moosbach gerufen. Hitze und Niedrigwasser machten die Rettung hunderter Fische erforderlich. Es war ein Kraftakt.

Bruckmühl – Diesmal ging es nicht um eine turnusmäßige Bachabkehr, bei der die Fische in aller Ruhe entnommen und in andere Gewässer eingesetzt werden. Diesmal ging es darum, Leben zu retten.

„Als der erste Anruf kam, dass der Moosbach kaum noch Wasser führt, war sofort klar, dass wir schnell handeln müssen“ berichtet Toni Höß, Gewässerwart des Vereins. Mit dem Landratsamt wurde die Notabfischung abgesprochen, und die vereinsinterne „schnelle Eingreiftruppe“ – bestehend aus Anderl Huber mit Elektrofisch-Lizenz, Max Huber als Aggregatträger, Fabian Paukert mit dem Kescher und Andi Paukert im Außenteam – machte sich auf den Weg.

Hitzewelle verursacht Niedrigwasser

Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius durchkämmten die Helfer in ihren Schutzanzügen mit hohem körperlichem Einsatz eine circa zwei Kilometer lange, besonders wasserarme Bachstrecke nördlich von Högling.

„Das war eine schweißtreibende Arbeit“, schildert insbesondere Max Huber, der das rund 25 Kilogramm schwere Stromaggregat trug. Bei der Evakuierung wurden unter anderem rund 800 Weißfische, 150 Barsche, 100 Bachforellen sowie zahlreiche Aitel in Sicherheit gebracht. Die geretteten Bachbewohner wurden nach ihrer Entnahme in Transportwannen umgesetzt. Das darin enthaltene Frischwasser war vorher zusätzlich mit Sauerstoff angereichert worden. „Unter den geretteten Arten waren sogar 35 Bachschmerlen, die sich eigentlich tagsüber in Verstecken aufhalten und bei Abfischaktionen nicht leicht zu erwischen sind“, erläutert Vereinsvorsitzender Helmut Maurer. Die Bachschmerlen gelten als Indikator für eine gute Wasserqualität.

Umsiedlung in Mangfall und Weiher

Die geborgenen Tiere wurden an der Mangfall wieder in die Freiheit entlassen – mit Ausnahme der Bachforellen. „Sie sind eigentlich Flussbewohner, aber angesichts der Belastung, die sie im niedrigen Moosbachwasser bei der Hitze aushalten mussten, wäre der Weg zur Mangfall für sie zu weit und zu riskant gewesen“, erklärt Maurer. Sie wurden in die Höglinger Weiher überführt, die Gewässerwart Toni Höß zufolge sauerstoffreich genug sind, um ihnen einen guten Lebensraum zu bieten.

Geschafft nach einem kraftraubenden Einsatz bei 30 Grad: Max Huber trug das schwere Stromaggregat.

„Die Eigenschaft, Sauerstoff zu binden, nimmt im Wasser bei höheren Temperaturen schnell ab“, erläutert der Wasserexperte die Folgen der Hitze: „Die beste Sauerstoffbindung hat Wasser bei vier Grad. Da kann man sich vorstellen, wie gefährlich Hitzewellen für Fische sind.“ Anwohner, die die Rettungsaktion verfolgten, erzählten den Rettern, dass sie eine solche Situation – das extreme Niedrigwasser des Moosbachs – in 50 Jahren noch nie erlebt hätten. „Wir sind vorgewarnt und werden unsere Gewässer während der heißen Zeit noch intensiver kontrollieren“, kündigt der Vorsitzende des Kreisfischereivereins Bad Aibling an.

Die Lage ist ernst

Niedrige Grundwasserstände, austrocknende Bäche und Fischsterben: „Die Lage ist sehr ernst. Durch die wochenlange Trockenheit und Hitze herrschen in südbayerischen Gewässern extremes Niedrigwasser und hohe Wassertemperaturen“, erklärt Dr. Bernhard Gum, Fischereifachberater des Bezirks Oberbayern: „Seit Juli drohen auch bei uns kleine Bäche und Weiher trocken zu fallen oder sind teilweise bereits ausgetrocknet.“

Bei der Fischrettung im Notfalleinsatz (von links) Fabian Paukert, Max Huber und Anderl Huber.

Besonders betroffen seien die Gebiete nördlich und westlich von München. Wenn es noch bis in den August hinein so trocken bleibe, müsse mit Vertrocknung, Sauerstoffmangel und Fischsterben an vielen weiteren Gewässern gerechnet werden.

Bei der Bergung und Umsiedlung der Fische in (noch) geeignete Gewässer arbeiteten Fischereivereine und Naturschutzverbände mit den zuständigen Stellen hochengagiert zusammen. Für Hilfsmaßnahmen zur Fischbergung bei austrocknenden Gewässern brauche es aber ein übergreifendes Konzept, das auch schon präventiv greife.

Gerettet: Aitel, Barsch und Bachforellen.

„Deswegen haben wir mit dem Fischereiverein Oberbayern und dem Landesfischereiverband Bayern Kontakt aufgenommen“, informiert Gum. Ziel seien Handlungsempfehlungen für den Gewässer- und Fischartenschutz in Oberbayern. „Bei extremer Hitze und Wassermangel müssen wir in der Lage sein, schnell und unbürokratisch Hilfe zu leisten. Denkbar ist beispielsweise die Organisation von regionalen Eingreiftruppen aus dem Kreis der Fischereivereine zur Notabfischung.“

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