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Erfahrungswerte aus dem Mangfalltal

Die Kuh hat keinen Bock mehr: So wirkt sich die Zeitumstellung auf Mensch und Tier aus

Hat ihre kleine Herde im Griff: Christine Kaffl, die hofft, dass die Zeitumstellung bei ihren Kühen (von links) Annika, Wolke, Grazia und Luna reibungslos klappt. Baumann
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Hat ihre kleine Herde im Griff: Christine Kaffl, die hofft, dass die Zeitumstellung bei ihren Kühen (von links) Annika, Wolke, Grazia und Luna reibungslos klappt. Baumann
  • Mathias Weinzierl
    VonMathias Weinzierl
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Eine Stunde länger schlafen heißt es in der Nacht auf Sonntag (30. Oktober) wenn die Uhren um eine Stunde von Sommer- auf Normalzeit zurückgestellt werden. Doch die Zeitumstellung hat auch negative Auswirkungen, wie ein Blick ins Mangfalltal zeigt.

Bruckmühl/Feldkirchen-Westerham – Für Langschläfer und Nachteulen ist es fast schon ein Feiertag: In der Nacht auf Sonntag, 30. Oktober, wird die Uhr um eine Stunde zurückgestellt – von Sommer- auf Normalzeit, umgangssprachlich auch als Winterzeit bekannt. Das bedeutet, dass viele Menschen in dieser Nacht eine Stunde länger schlafen können. Doch nicht für alle hat diese „geschenkte“ Stunde ausschließlich Vorteile.

Mürrische Damen auf vier Beinen

So ist für Christine Kaffl aus Bruckmühl die Zeitumstellung nicht nur mit einer Vorplanung verbunden, sondern im schlimmsten Fall auch mit einigen mürrischen Damen auf vier Beinen. Kaffl betreibt gemeinsam mit ihrem Mann nicht nur die gleichnamige Hofmetzgerei in der Marktgemeinde, sondern nennt auch noch eine kleine Herde Milchkühe ihr eigen.

„Was macht die denn schon hier?“

Und die wollen gemolken werden – und zwar am besten jeden Tag zur gleichen Zeit. „Die Kuh ist einfach im wahrsten Sinne des Wortes ein Gewohnheitstier“, sagt Christine Kaffl und lacht. Wenn es beispielsweise im Frühjahr an die Umstellung von Normal- auf Winterzeit geht und sie am Morgen nach der Umstellung dann zwangsläufig eine Stunde früher im Stall steht, schauen sie die Tiere mit großen Kuhaugen an: „Da merkt man richtig, wie sie sich jetzt fragen: ,Was macht die denn schon hier?‘“, erzählt die Landwirtin und verweist auf die innere Uhr, die scheinbar auch die Wiederkäuer besitzen.

Noch problematischer wird‘s für Kaffl, wenn die Kühe auf sie warten müssen – was angesichts der längeren Nachtruhe in der Nacht auf Sonntag, 30. Oktober, passiert. „Die Kühe stehen ja in der Regel bereits im Stall und warten auf mich“, sagt die Bruckmühlerin. „Wenn‘s ihnen dann aber zu lange dauert, kann’s passieren, dass sie sich wieder hinlegen. Und dann wird‘s schwierig.“ Dann seien die Tiere oftmals nicht wieder zum Aufstehen zu bewegen, berichtet Kaffl, die versucht, Fütterungs- und Melkzeiten bereits in den Tagen vor der Zeitumstellung schon um eine halbe Stunde zu verschieben. Nach ein bis zwei Wochen sei dann bei ihren vierbeinigen Damen wieder ein gewohnter Rhythmus eingekehrt.

Kaffl selbst hätte nach eigenen Angaben keine Probleme damit, wenn die Zeitumstellung endgültig abgeschafft werden würde: „Das ewige hin und her geht mir nämlich schon ein bisserl auf die Nerven.“

Ein bis zwei Wochen, bis der normale Rhythmus wieder hergestellt ist – diese Erfahrung hat auch Magdalena Aimer bei ihren Schützlingen gemacht. Sie leitet das „Haus für Kinder – Löwenzahn“ in Bruckmühl – sieht aber in erster Linie bei der Umstellung von Normal- auf Sommerzeit, die im Frühjahr erfolgt, Auswirkungen bei den Kindern. „Da merkt man bei einigen dann schon, dass sie nicht so ausgeschlafen sind“, sagt Aimer. Bei der Umstellung im Herbst, die nun am Wochenende wieder ansteht, habe sie hingegen festgestellt, „dass manche Kinder in der ersten Zeit vielleicht etwas schneller müde werden“. Allerdings betreffe das nur „einzelne Fälle“.

Sie selbst habe grundsätzlich keine Probleme, sich an die Verschiebung um eine Stunde zu gewöhnen, auch wenn sie gut ohne Zeitumstellung leben könnte. Einziger Pluspunkt für die Leiterin der Bruckmühler Kinderbetreuungseinrichtung: „Es ist natürlich schon schön, wenn es im Sommer länger hell ist und man dann einen lauen Sommerabend genießen kann.“

Eine Stunde länger schlafen können die Bürger in der Nacht auf Sonntag. Dann werden die Uhren um eine Stunde zurück von Sommer- auf Normalzeit gestellt.

Zu früh im Speisesaal

Ihren Lebensabend genießen die Bewohner der Senioreneinrichtung Vitalis in Feldkirchen-Westerham. Die Zeitumstellung – egal ob im Frühjahr oder jetzt im Herbst – kann den meisten Bewohnern nach Angaben von Birgit Schuster, Leiterin der sozialen Betreuung, hingegen nichts anhaben. „Unsere Bewohner haben damit in der Regel keine Probleme“, sagt Schuster. Dass ein Senior zu früh im Speisesaal auftaucht, könne zwar schon passieren – sei aber nicht von einer Zeitumstellung abhängig.

Handarbeit für die Mitarbeiter

Sie selbst findet – und da stimmt sie nach eigenen Angaben mit einem Großteil der Vitalis-Bewohner überein –, dass die Zeitumstellung „ein richtiger Schmarrn“ ist. Zumal sie ihr und ihrem Team auch noch jede Menge Arbeit beschert. Nicht nur, dass das Team auf allen Stockwerken Hinweiszettel zur Zeitumstellung aufgehängt und verteilt haben. Die Mitarbeiter sorgen auch dafür, dass die Wand-, Stand- und Armbanduhren der Bewohner auf die aktuelle Zeit umgestellt werden. Und dafür, dass die hauseigenen Uhren richtig ticken. Schuster: „Da gibt es einige – und es ist keine Funkuhr dabei.“

Tipps gegen den Mini-Jetlag

Knapp ein Viertel der Menschen leidet nach einer Zeitumstellung unter körperlichen oder psychischen Problemen. Das geht aus einer Umfrage des Instituts Forsa aus dem Jahr 2021 hervor, die die Krankenkasse DAK-Gesundheit in Auftrag gegeben hatte. Vor allem Schlafstörungen machen den Betroffenen zu schaffen. Mit einigen Tipps lassen sich die Beschwerden nach Angaben von Experten aber oftmals schnell abmildern oder gar ganz abstellen. So raten Fachleute, wenn möglich bereits am Samstag vor der Zeitumstellung den normalen Lebensrhythmus – beispielsweise in puncto Schlafengehen und Essen – um eine halbe Stunde zu verschieben. Gegen Müdigkeit und Abgeschlagenheit helfen zudem viel Tageslicht und ausreichend Bewegung an der frischen Luft.

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