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Interview zum Welt-Parkinson-Tag

„Diagnose ist oft ein Schock“ – Professor aus Bad Aibling gibt Tipps zum Umgang mit Parkinson

Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag. Professor Dr. Klaus Jahn spricht über die Erkrankung (Symbolbild).
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Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag. Professor Dr. Klaus Jahn spricht über die Erkrankung (Symbolbild).
  • VonNicolas Bettinger
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Am 11. April ist Welt-Parkinson-Tag. Um über die Erkrankung aufzuklären, spricht Professor Dr. Klaus Jahn von der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen im Interview über Behandlungsmöglichkeiten und wie man die Symptome am besten erkennen kann. Doch was ist Parkinson eigentlich genau?

Bad Aibling – An diesem Montag, dem Welt-Parkinson-Tag, soll ein tieferes Verständnis für die Lebenssituation von Betroffenen und ihren Angehörigen geschaffen werden. Professor Dr. Klaus Jahn (53), Chefarzt der Neurologie und Geriatrie an der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen, ist auf die Behandlung von Parkinsonpatienten spezialisiert. Im Interview erklärt er, anhand welcher Symptome die Krankheit erkennbar ist und wie eine Therapie aussehen kann.

Herr Professor Dr. Jahn, wie erklären Sie einem Nicht-Mediziner, was Parkinson eigentlich ist?

Professor Dr. Klaus Jahn: Beim Parkinson können Bewegungsprogramme im Gehirn nicht abgespielt werden, obwohl die einzelnen Bewegungen eigentlich funktionieren würden. Es ist ein bisschen so, als wenn die Maschine nicht läuft, weil das Programm am Computer sie nicht richtig steuert, obwohl mechanisch und elektronisch alles funktioniert. Beim Parkinson tritt das Problem durch den Mangel an Dopamin im Gehirn auf. Die Nervenzellen, die diesen wichtigen Stoff produzieren, gehen bei der Erkrankung allmählich zugrunde und werden immer weniger. Deshalb ist es die Grundlage der Behandlung, das fehlende Dopamin durch Medikamente zu ersetzen. Alles wird beim Parkinson allmählich langsamer und kleiner: die Schritte beim Gehen, die Schrift beim Schreiben, aber oft auch die gedankliche Flexibilität.

Welche Rolle spielt Parkinson in Ihrer Klinik?

Jahn: Parkinson ist eine recht häufige neurologische Erkrankung. Etwa 400 000 Menschen sind in Deutschland betroffen. Die Erkrankung ist chronisch, das heißt, die Therapie kann die Erkrankung nicht heilen, sodass immer wieder Behandlungen zur Verbesserung notwendig sind. In unserer Klinik in Bad Aibling stellt die Behandlung von Parkinsonpatienten einen besonderen Schwerpunkt dar. Zum einen sind Bewegungsstörungen und Parkinson seit vielen Jahren mein persönlicher klinischer und wissenschaftlicher Schwerpunkt. Wir haben viel Erfahrung und eine Reihe von speziellen Diagnosemöglichkeiten, wenn es um die Ursachenforschung bei Gang- und Gleichgewichtsstörungen geht. Zum anderen haben wir sehr gute und hoch qualifizierte Therapeuten verschiedener Bereiche durch den hier vorhandenen Schwerpunkt der Neuro-Rehabilitation. Dadurch sind wir auch bei akut kranken Patienten, zum Beispiel bei Verschlechterungen im Rahmen der Parkinson-Erkrankung, in der Lage, eine umfassende Therapie anzubieten.

Wie alt sind Parkinsonpatienten durchschnittlich?

Jahn: Parkinson gehört zu den neurodegenerativen Erkrankungen. Solche Erkrankungen betreffen vorwiegend ältere Menschen und die Diagnose wird mit zunehmendem Alter immer häufiger. Im Durchschnitt sind Patienten etwa 60 Jahre alt, wenn die Diagnose gestellt wird. Die Erkrankung kann aber auch schon vor dem 40. Lebensjahr auftreten oder bei sehr alten Menschen festgestellt werden. Im hohen Alter überlappen sich aber dann oft Beschwerden aus verschiedenen Bereichen, die alle zu einer gewissen Bewegungseinschränkung führen.

Anhand welcher Symptome kann man Parkinson erkennen?

Jahn: Die meisten Menschen denken an Parkinson vor allem, wenn ein Zittern auftritt. Das ist insofern richtig als die Erkrankung ja ursprünglich ‚Shaking Palsy‘, also ‚Schüttellähmung‘ genannt wurde. Es gibt aber viele andere Ursachen für Zittern und zum Parkinson gehört noch mehr. Typisch sind kleiner werdende Bewegungen mit „Tippelschritten“ beim Gehen, kleiner werdender Schrift beim Schreiben, leiser werdender Stimme beim Sprechen und reduzierter Mimik und Gestik. Oft sind die Symptome aber gar nicht so klassisch und es fallen zuerst Schmerzen an Rücken und Schulter oder etwa wiederholte Stürze oder Schwindel auf.

Professor Dr. Klaus Jahn.

Wodurch kann man Parkinson von anderen Krankheiten unterscheiden? Frühsymptome wie gedrückte Stimmung, Schlafstörungen oder Verstopfung könnten schließlich auch auf etwas anderes hindeuten.

Jahn: Das ist eine gute Frage, denn tatsächlich haben solche Symptome in den allermeisten Fällen nichts mit Parkinson zu tun. Ich würde sagen, wenn mehreres zusammenkommt, sollte sich das ein Arzt ansehen. Zum Beispiel, wenn ein Verlust des Geruchssinnes auftritt und zusätzlich Schlafstörungen mit lebhaft ausagierten Träumen oder eines der gerade genannten Symptome auftritt. Prinzipiell ist es insbesondere für die Forschung sehr wichtig, Parkinson früh zu erkennen, um möglichst an der Ursache angreifende Therapien zu entwickeln. Man sollte also besonders wachsam sein, wenn weitere Personen in der Familie betroffen sind, die die Diagnose vielleicht schon relativ jung erhalten haben.

Wie reagieren Patienten, wenn sie von der Diagnose erfahren?

Jahn: Ehrlich gesagt ist die Diagnose oft ein Schock, weil jeder vor allem die Bilder schwer betroffener Patienten in fortgeschrittenen Stadien kennt. Wichtig ist ein ausführliches Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Oft sind wenigstens zwei Gespräche sinnvoll, weil Fragen erst allmählich aufkommen. Informationen im Internet sind so eine Sache, dort steht viel Richtiges, aber auch viel Falsches. Gute verlässliche Quellen sind die Seiten der Deutschen Parkinson-Gesellschaft (DPG) und der Deutschen Parkinson-Vereinigung (DPV). Hier gibt es eine gute Übersicht über lokale Selbsthilfegruppen, die im Verlauf hilfreich sein können.

Wie gut ist Parkinson therapierbar?

Jahn: Die gute Nachricht ist: Die moderne Therapie ermöglicht bei den meisten Patienten über Jahre ein nur wenig eingeschränktes Leben. In den ersten Jahren gelingt es durch Medikamente oft, die Symptome gut im Schach zu halten. Auch im weiteren Verlauf gibt es gute Optionen, etwa mit Pumpentherapien oder Operation zur Hirnstimulation. Die schlechte Nachricht ist: Die Erkrankung ist (noch) nicht heilbar und schreitet fort, sodass über die Jahre die Behandlung immer wieder angepasst und intensiviert werden muss.

Gibt es eine Empfehlung für Angehörige?

Jahn: Angehörige sollten gut informiert sein. Auch dafür gibt es bei den Selbsthilfegruppen gute Angebote. Sehr nützlich kann sein, eine Bezugsperson bei den wichtigen Arztgesprächen dabei zu haben. Sonst empfehle ich, das Leben so normal wie möglich weiterzuführen, aber immer schon einen Schritt vorauszudenken, um vorbereitet zu sein.

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