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Schutzgebiet verliert Wirkung

Brunnen versiegt: Bald kein Trinkwasser mehr in Tuntenhausen?

Hier lauern die Gefahren für ein erforderliches größeres Trinkwasserschutzgebiet für den Adlfurter Brunnen: Auf einer Strecke von nur 500 Metern befinden sich an der Kieslände auf der einen Seite aktiver Kiesabbau (Foto) und auf der anderen Seite zwei alte Mülldeponien, die jahrzehntelang verfüllt und schließlich versiegelt wurden. Heute werden sie für die Kompostieranlage und als Kieslagerfläche genutzt.
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Hier lauern die Gefahren für ein erforderliches größeres Trinkwasserschutzgebiet für den Adlfurter Brunnen: Auf einer Strecke von nur 500 Metern befinden sich an der Kieslände auf der einen Seite aktiver Kiesabbau (Foto) und auf der anderen Seite zwei alte Mülldeponien, die jahrzehntelang verfüllt und schließlich versiegelt wurden. Heute werden sie für die Kompostieranlage und als Kieslagerfläche genutzt.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Das Trinkwasser nördlich der Mangfall zwischen Noderwiechs und Adlfurt geht zur Neige. Die Folgen sind weitreichend. Ein regelrechter Kampf ums Wasser hat begonnen. Der Ausgang scheint derzeit ungewiss.

Bruckmühl/Tuntenhausen – Zwischen Noderwiechs und Adlfurt wird Trinkwasser in nicht allzuferner Zukunft zum raren Gut. Nicht etwa weil das Grundwasser in der Mangfallschotterebene versiegen würde. Nein. Am 1. Januar 2026 verliert die Trinkwasserschutzzone am Adlfurter Brunnen ihre Wirkung. Danach darf dort kein Grundwasser für die öffentliche Trinkwasserversorgung mehr gefördert werden. Schuld daran ist allein der Mensch. Deshalb beginnt 2026 auch hier der Kampf ums Wasser. Die Folgen sind fatal: Die Gemeinde Tuntenhausen muss nun neue Grundwasserreservoirs suchen, um ihre Bürger ab 2026 mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen. Die Schlossbrauerei Maxlrain darf weiterhin Brauchwasser aus ihrem Brunnen in Adlfurt entnehmen. Für dessen Qualität allerdings muss sie künftig selbst sorgen.

Heute viel größerer Einzugsbereich nötig

Seit 1636, der ersten urkundlichen Erwähnung der Schlossbrauerei Maxlrain, kommt die wichtigste Zutat des Bieres aus der Mangfallschotterebene. 1989 wurde das Trinkwasserschutzgebiet am Adlfurter Brunnen ausgewiesen. Jetzt wird es zu klein. „Im Laufe der Jahre wurden die Mindeststandards für die Qualität des Trinkwassers an den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt angepasst, mussten die Schutzgebiete und ihre Zustrombereiche überprüft und neu bewertet werden“, erklärt Dr. Hadumar Roch, Abteilungsleiter für den südlichen Landkreis Rosenheim im Wasserwirtschaftsamt.

Belastungen sind unbedenklich

Dabei stellte sich heraus, dass ein zeitgemäßes Schutzgebiet für den Brunnen in Adlfurt viel größer sein und von Aiblinger Fluren weit über Weihenlinden und Högling in die Marktgemeinde Bruckmühl hineinreichen müsste. „Bei Voruntersuchungen wurden Hinweise gefunden, dass eine Ausweitung des Schutzgebietes problematisch sein könnte, weshalb wir davon abgeraten haben“, erklärt Roch.

Die Karte zeigt das aktuelle Trinkwasserschutzgebiet am Brunnen von Adlfurt. Um den aktuellen Erfordernissen zu entsprechen, müsste es bis nach Högling ausgedehnt werden.

Auch das Landratsamt räumt ein: „Chemische Analysen des Wassers lieferten den Hinweis auf Grundwasserverunreinigungen in einem möglichen künftigen Einzugsgebiet des Brunnens“, so Pressesprecherin Ina Krug. Während das Landratsamt nur allgemein von „Altablagerungen und Altlastenverdachtsflächen“ spricht, von denen die „Einträge in den Vorfeldmessstellen möglicherweise rühren“ könnten, wird das Wasserwirtschaftsamt konkret: „Es wurden leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe und Acesulfam in unbedenklicher Konzentration nachgewiesen“, informiert Dr. Hadumar Roch.

Vorfeldmessstellen geben Auskunft über die Qualität des Grundwassers. Zwei davon befinden sich auf Weihenlindener Fluren. Eine an der Adlfurter Straße. Eine zweite im nördlichen Bereich von Weihenlinden zwischen Lindenstraße und Moosbach. „An beiden wurde Tetrachlorethen in einer Konzentration von 0,1 bis 0,3 Mikrogramm pro Liter nachgewiesen“, informiert Roch: „Das ist weit unter dem Grenzwert, der hundertmal höher liegt.“

Trotzdem sei es für die Behörden ein Hinweis darauf, dass das Trinkwasserschutzgebiet nicht ausgeweitet werden kann. „Tetrachlorethen wurde früher beispielsweise in chemischen Reinigungen oder der Metallindustrie verwendet und wird oft in der Nähe von verfüllten Mülldeponien aus den 50er- und 60er-Jahren im Grundwasser nachgewiesen“, erklärt der Experte vom Wasserwirtschaftsamt.

Auch unter dieser Kieslagerfläche befindet sich eine alte Deponie, in der in den 50er- und 60er-Jahren unter anderem Schrott und Autowracks entsorgt wurden.

In Högling, nur etwa vier Kilometer westlich des Adlfurter Brunnens, hat die Marktgemeinde Bruckmühl ein von Altlasten betroffenes Grundstück. Einst war es eine Mülldeponie. Die wurde verfüllt und oberflächlich versiegelt. Heute wird die Fläche von einer Firma gepachtet, die dort Kies lagert. Die Alteingesessenen wissen noch gut, was unter der Erde verborgen ist. Und auch der Flächennutzungsplan gibt darüber Auskunft: Haus- und Sperrmüll, Bauschutt, Straßenabfälle, Altreifen, Schlämme, Schrott, Autowracks. Nur 500 Meter weiter westlich befand sich die einstige Mülldeponie von Noderwiechs. Hier kommen zu all dem Schrott noch Gewerbe- und Industriemüll hinzu. Das Grundstück wurde versiegelt, gehört heute dem Landkreis Rosenheim und wird für die Kompostieranlage genutzt.

Die Kompostieranlage des Landkreises Rosenheim an der Kieslände von Högling. Sie wurde auf einer alten Deponie erbaut. Unter der Erde lagert der Müll von Jahrzehnten.

Siedler geben dem Grundwasser Süße

Saniert wurden die Altlasten nie, denn bislang gab es dafür keine Notwendigkeit. „Wir haben keine jungfräuliche Natur mehr“, macht Dr. Roch klar: Der Freistaat erkunde seit zwei Jahrzehnten insgesamt 10 500 Altlastenverdachtsflächen in Bayern. Dieser Prozess sei noch lange nicht abgeschlossen. Högling und Noderwiechs hätten dabei keine erhöhte Priorität, da von ihnen keine massiven Umweltschäden zu erwarten seien. „Aber wir müssen hinschauen“, so Roch.

Trügerische Idylle: In der Lindenstraße in Weihenlinden befindet sich eine Vorfeldmessstelle für Grundwasser. Hier wurde Acesulfam im Grundwasser gefunden. Das ist zwar kein Schadstoff, aber ein Hinweis dafür, dass häusliche Abwässer aus dem Siedlungsbereich ins Grundwasser gelangen.

Beim genaueren Hinschauen wurde ein weiteres Problem sichtbar: Acesulfam. Der synthetische Süßstoff ist zwar kein Schadstoff, trotzdem wird das Grundwasser darauf untersucht. An beiden Messpunkten in Weihenlinden wurde Acesulfam in minimalen Mengen von 0,014 Mikrogramm pro Liter nachgewiesen. Grenzwerte gibt es dafür zwar nicht, aber: „Es ist ein Hinweis darauf, dass häusliche Abwässer aus dem Siedlungsbereich von Weihenlinden oder Högling ins Grundwasser gelangen“, erklärt Roch. Doch das ist nicht alles: Seit Jahrzehnten wird in Högling Kies abgebaut. „Dadurch verringern sich die Deckschichten oberhalb des Grundwassers. Daher besteht im erweiterten Trinkwassereinzugsgebiet eine erhöhte Gefahr von Verunreinigungen“, erklärt das Landratsamt.

Ein weiteres Hindernis für die Ausweitung des Trinkwasserschutzgebietes: Im Jahr 2011 wurde im Zustromgebiet des Adlfurter Brunnens eine Biogasanlage genehmigt. „Aufgrund der festgesetzten Auflagen kann davon ausgegangen werden, dass von ihr bei ordnungsgemäßem Betrieb keine Gefahr für das Grundwasser ausgeht“, sagt dazu das Landratsamt. Doch wieso war sie im Zustromgebiet eines Trinkwasserbrunnens überhaupt genehmigungsfähig? „Weil das Wasserschutzgebiet schon damals nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprach, fachlich falsch und somit nicht wirksam war“, erklärt Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt.

Schutz fällt weg, Gefahren bleiben

Seit neun Jahren ringen Wasserwirtschafts- und Landratsamt sowie Gemeinde Tuntenhausen und Schlossbrauerei Maxlrain inzwischen um ein erweitertes Schutzgebiet für den Adlfurter Brunnen. Doch eine Lösung für den Schutz des Grundwassers zwischen Noderwiechs und Adlfurt fand sich nicht. „Die Ausweitung des Trinkwasserschutzgebietes würde auf Gegenwehr stoßen. Dafür gibt es aufgrund der vorhandenen Gefährdungspotenziale leider auch ausreichend Argumente“, erklärt Roch und macht klar: „Ein wirksames Trinkwasserschutzgebiet ist in diesem Bereich einfach nicht mehr realisierbar.“ Und so ist „das Ergebnis des langen Abwägungsprozesses das Ende der Trinkwasserentnahme zur öffentlichen Wasserversorgung der Gemeinde Tuntenhausen“, informiert das Landratsamt.

Tuntenhausen muss neue Brunnen bohren

Für Tuntenhausen bedeutet das, nach Alternativen zu suchen. 30 Jahre lang bestand eine Liefervereinbarung zwischen Schlossbrauerei und Gemeinde, flossen 45 000 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr aus dem Adlfurter Brunnen ins Tuntenhausener Trinkwassernetz. „Jetzt müssen wir neue Bezugsquellen oder einen neuen Brunnen generieren“, sagt Bürgermeister Georg Weigl. Doch geeignetes Grundwasser zu finden, ist im Gemeindegebiet nicht einfach.

Die Hoffnung liegt daher auf möglichen Reserven bei den drei Wasserverbänden und auf Probebohrungen in der Nähe von Schönau. Nachgedacht wird auch über einen Notverbund mit Bad Aibling. „Wir arbeiten in alle Richtungen und finden bis Dezember 2025 eine Lösung“, versichert der Bürgermeister. Auch das Leitungsnetz muss angepasst werden, denn bislang versorgen die Wasserleitungen aus dem Brunnen in Adlfurt nicht nur die Brauerei, sondern auch die Mieter aller dazugehörigen Gebäude, die Bewohner des Schlosses, die Gasthöfe „Braustüberl“ und „Schlosswirtschaft“ sowie den Golfclub. Dass sie ab 2026 mit Trinkwasser beliefert werden, liegt in der Verantwortung der Gemeinde.

Wie aber geht es für die Schlossbrauerei weiter? Wasserrechtlich ist die Entnahme von Grundwasser für die betriebliche Wasserversorgung weiterhin erlaubt. Da der Brunnen aber künftig nicht mehr zur öffentlichen Trinkwasserversorgung dient, erlischt auch das öffentliche Interesse an einem Schutzgebiet.

Qualität wird zur Privatsache

Der Bruckmühler Marktgemeinderat positionierte sich bereits eindeutig (17:0) gegen den Erlass einer Wasserschutzgebietsverordnung für die Brauchwasserförderung. Damit wird die Qualität des Grundwassers in Adlfurt künftig zur „Verhandlungssache“.

Für gutes Bier wird Wasser in Trinkwasserqualität gebraucht. „Alle Parameter unseres Wassers sind hervorragend. Um es auch nach 2026 weiter in Trinkwasserqualität fördern zu können, müssen wir den Zustrombereich unseres Brunnens schützen“, erläutert Peter Prinz von Lobkowicz, Geschäftsführer der Schlossbrauerei. „Um sicherzustellen, dass die Grundwasserentnahme künftig nicht durch landwirtschaftliche Nutzungen und Bewirtschaftungen kontaminiert wird, können zum Beispiel privatrechtliche Vereinbarungen zwischen Brauerei und Grundstückeigentümern oder -nutzern geschlossen werden“, erklärt dazu das Landratsamt.

In diesen müssten der Verzicht auf Beweidung und das Ausbringen von Wirtschaftsdünger wie Gülle, Festmist, Gärsubstrate oder Fäkalschlamm und eine angemessene Entschädigung der Landwirte geregelt werden. Die Kosten, die den Bauern durch den Kauf von Handelsdünger entstehen, müsste die Brauerei übernehmen. „Die Bewirtschafter der Flächen waren bisher zu guter landwirtschaftlicher Praxis angehalten und sind es auch künftig“, erklärt Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt. „Weiterführende Vereinbarungen sind freiwillig.“ So wird der Schutz des Grundwassers in Adlfurt in Zukunft von einer gesellschaftlichen Aufgabe zur reinen Privatsache weniger Menschen mit unterschiedlichen Interessen.

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