Der Freinger, ein fast 900 Jahre alter Hof

Das niedrige Freinger-Anwesen liegt im Ortszentrum neben der Kirche. Die Aufnahme entstand etwa 1946. Da waren Haus und Tenne noch gleich hoch.  Stelzer
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Das niedrige Freinger-Anwesen liegt im Ortszentrum neben der Kirche. Die Aufnahme entstand etwa 1946. Da waren Haus und Tenne noch gleich hoch. Stelzer

Ein Doppeljubiläum begeht Lampferding in diesem Jahr: 900 Jahre Ersterwähnung und 500 Jahre Kirchenbau. In mehreren Folgen blickt Autor Thomas Stelzer auf die Entwicklung des Ortes zurück. Heute geht es um die Geschichte eines der ältestenHöfe: der Freinger.

Tuntenhausen – Das Freinger-Anwesen zählt zu den ältesten noch erhaltenen Höfen in der Gegend. Der Hausname „Freinger“ leitet sich höchstwahrscheinlich vom Namen des Bistumssitzes in Freising ab. Es gibt nämlich einige Verbindungen eines Lampferdinger Hofes zur alten Domstadt, die bereits bei der urkundlichen Ersterwähnung des Dorfes vor 900 Jahren beginnt. Aber erst 1491 lässt sich mit dem Bauern Hans Freysinger der Hofname erstmals nachweisen.

Name ist ab1491 nachweisbar

Nach derzeitigen Erkenntnissen kann kein anderer Lampferdinger Hof mit Freising in Verbindung gebracht werden als der Freinger. Der Hofname wird erst mit „Puebinger-Gütl“, dann im 15. Jahrhundert mit „Kirchengütl“ und endgültig mit „Freysinger“ in den Urkunden angegeben. Durch die „Maulfaulheit“ der Leute bei der Aussprache des Hofnamens veränderte sich dieser immer wieder ein bisschen – bis der heutige Name herauskam.

Bei der Ersterwähnung von Lampferding um das Jahr 1120 gab es ein Gut in „Lantfridingen“. Dieses übergab ein edler Rahewin von Gosseltshausen an das Hochstift Freising. Da es um diese Zeit in Lampferding erst wenige Anwesen gegeben haben kann, und die beiden alten Höfe „Kirchmaier“ und „Tavernwirt“ bereits feste Namen hatten, könnte es sich hier also durchaus um den „Freinger“ gehandelt haben. Steht er doch im Dorfzentrum in direkter Linie zur Marien-Kirche.

1282 stirbt der Freisinger Bischof Friedrich von Montalban. Er vermachte dem Hochstift unter anderem Einkünfte aus einem Hofe zu „Lempfridingen“. Festgehalten ist dies auf der Wappentafel im Fürstengang auf dem Freisinger Domberg unter dem Porträt des Bischofs Friedrich. Auch hier ist wahrscheinlich der „Freinger“ gemeint.

1408 besitzen Christian der Puebinger und sein Vetter Casparn Puebinger zwei Güter in Landfriding, eines davon ist der „Freinger“, das andere der Wirt. Das Lampferdinger „Puebinger-Gütl“ wurde am 21. August 1491 an die Liebfrauenkirche zu Lampferding verkauft. 1509 steht Wolfgang Truckl aus Grafing als Pächter in den Urkunden. 1514 wird das Kirchengütl – oder das Freysinger-Gütl, wie es jetzt heißt – an die Abtei Attel ausgetauscht.

Im Jahr 1554 wird die Grundherrschaft des Klosters Attel bestätigt und die Hofgröße mit 1/8 angegeben. Das entspricht einer „Bausölde“.

Im 17. und im 18. Jahrhundert tauchen immer wieder „Freisinger“ als Bauern in den Lampferdinger Taufbüchern auf. 1750 gehört der Hof noch zu Attel. Mit Jakob Kirschbaumer 1813 und Ignatz Bachmaier 1834 treten zum ersten Mal „Freizinger“ und „Freinger“ in die Hofgeschichte ein. 1860 heiratet Theresia, die Tochter des Ignatz Bachmaier, ihren Mann Andreas Entfellner vom Mesner in Kronau. So kommt der Name Entfellner nach Lampferding. Der alte Hausname „Freinger“ bleibt trotzdem weiter bestehen.

Sohn Paul Entfellner heiratet 1902 Maria Bodmayr aus Oberndorf. Sie bekommen zwölf Kinder, von denen nur fünf das Erwachsenenalter erreichen. Einer der Söhne wurde 1915 geboren: Ludwig Entfellner – der „Freinger-Lugge“, an den sich viele Lampferdinger noch erinnern – übernahm den Hof.

In den 60er-Jahrenein Hochsilo gebaut

Er erhöhte in den 1960er-Jahren den Tennenbereich des Anwesens und baute ein Hochsilo ein. Der Lugge und seine Frau Leni wohnten später in einem ausgebauten Nebengebäude. Nachdem seine Schwester Maria 1979 im Freinger-Hof starb, stand das Sachel leer. Ludwig, der die Landwirtschaft als Nebenerwerb führte, starb 1980 bei einem Autounfall. Da er kinderlos blieb, war somit das Ende der Landwirtschaft auf dieser Hofstelle besiegelt.

Für ein paar Jahre wohnte eine verwandte Familie im Hof. Der Mann war Steinbildhauer und konnte die Tenne als Atelier nutzen.

Der Freinger, den man vielleicht 900 Jahre zurückverfolgen kann, war nie ein reicher Hof, aber er hatte seine Bedeutung in Lampferding und konnte seinen Platz behaupten. Ganz im Gegensatz zu manch anderen Höfen im Ort, von denen man heute nichts mehr sieht. Andreas Winkler aus Ostermünchen kaufte schließlich das alte Anwesen 2008 und renovierte es von Grund auf Schritt für Schritt. Wie er den Freinger wiederauferstehen ließ, darüber berichtet die nächste Folge der Lampferdinger Geschichte.

Aufgrund der Corona-Pandemie können allerdings keine Feierlichkeiten zum Doppeljubiläum stattfinden. Aktuelle Informationen aus dem Ort finden sich auch online unter www.lampferding.de.

Die Freingers im Jahr 1928: Maria und Paul Entfellner (Mitte am Tisch) mit den Kindern Maria, Andreas, Sophie, Ludwig und Resl (von links).

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