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Georg Martl konserviert die Schönheit

Der Edelweißkönig von Schmidhausen

Auf seine Edelweiße ist Georg Martl stolz. Jedes Jahr pflückt und trocknet er hunderte Blüten.
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Auf seine Edelweiße ist Georg Martl stolz. Jedes Jahr pflückt und trocknet er hunderte Blüten.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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In Bayern gibt es viele Könige und Königinnen – für die meisten Treffer beim Schießen, für Bier, Äpfel, Hopfen und sogar Kartoffeln. Einen Edelweißkönig aber, den gibt es nur einmal: den Birkl Schorsch aus Schmidhausen.

Tuntenhausen – In Vorgarten von Georg Martl – wie er mit bürgerlichem Namen heißt – blühen unzählige der symbolträchtigen Alpenblumen. Und damit keine von ihnen verblüht, pflückt der 81-Jährige täglich die schönsten Blüten und stellt sie zum Trocknen auf seiner überdachten Terrasse auf.

Auf der Alm fing vor 15 Jahren alles an

Seit 15 Jahren frönt der Schmidhausener dieser Leidenschaft. Entfacht wurde sie bei einem Urlaub auf der Alm im Spitzinggebiet. „Ich habe damals die Almbäuerin gefragt, ob ich mir eine ihrer Edelweißpflanzen ausgraben und mitnehmen darf.“ Und so fing es an. Aus einer Pflanzen wurden zwei, dann drei – wie viel es in all den Jahren geworden sind, kann Martl gar nicht mehr genau sagen. Denn sind seine Pflanzsteine voll, teilt er die Wurzelstöcke, pflanzt um oder verschenkt die Pflanzen.

Die richtige Pflege bringt den Erfolg

Doch nicht jeder hat so viel Glück wie Georg Martl. Nicht überall gedeihen sie so üppig wie in Schmidhausen. Hier haben sie den ganzen Tag Sonne, bekommen dreimal am Tag Wasser und stehen in einem Gemisch aus Erde und Sand. „Wichtig ist auch, dass man mit den Blumen spricht“, sagt Martl verschmitzt und meint damit die Liebe zu den Pflanzen. Denn auch wenn er nicht wirklich mit ihnen redet – er hegt und pflegt sie in der Blütezeit jeden Tag mit ganz besonderer Fürsorge.

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Rosa und Georg Martl zupfen die sternenförmigen Blüten vorsichtig zurecht.

Die schönsten Blüten pflückt und trocknet er, denn „wenn ich das nicht mache, gehen sie doch kaputt“. Alle Tische auf seiner überdachten Terrasse, die einst für ausgiebige Geburtstagspartys genutzt wurden, sind heute voller Edelweiß. Martl hat sich „Trockenanlagen“ gebaut – dünne Holzbretter oder Pappen auf Füße gestellt und mit Löchern versehen. Hier kommen die frischen Edelweißblüten hinein.

Die Stile werden durch ein kleines Loch gefädelt.

„Erst wird der Stil schön glatt gezogen, dann richten wir den Stern aus samtigen Blütenblättern vorsichtig aus“, beschreibt er das Hobby, bei dem ihm auch seine Frau Rosa gern zur Seite steht.

Zum Trocknen hängt er die Blumen in extra gebauten „Vorrichtungen“ auf.

Nach etwa einer Woche sind die Edelweiße konserviert. Doch was passiert dann mit all den Blüten? Schon jetzt sind es an die 500 und bis in den August hinein werden es noch viele mehr, denn die Pflanzen blühen noch lange üppig. „Man kann sie an den Trachtenhut, in den Janker, an die Hosenträger, ins Dirndl, ans Halstuch oder ins Haar stecken“, weiß Rosa.

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Doch ihr Mann macht damit nicht nur den Trachtlern in der Region eine Freude, sondern auch vielen anderen Menschen. „Ich nehme sie mit ins Wirtshaus für die traditionell bayerische Dekoration, ich verschenke sie beim Arzt oder in der Apotheke. Und alle freuen sich darüber“, weiß Martl um die Wirkung seiner Blumengrüße. Und allein das gute Gefühl, anderen eine Freude zu bereiten, motiviert ihn dazu, die Schönheit der Edelweiße zu konservieren und jedes Jahr von Mai bis August Hunderte Blüten zu pflücken und mühevoll zu trocknen.

Ein Symbol für Wagemut, Liebe und Frieden

Das Alpen-Edelweiß ist aus den Hochsteppen Zentralasiens in die Alpen eingewandert.

• Es gilt in Deutschland als stark gefährdet, steht unter Naturschutz und darf nicht gepflückt werden.

• Der botanische Name Leontopodium leitet sich von den griechischen Wörtern leon für Löwe und podion für Füßchen ab. Den Namen Löwenfüßchen bekam die Pflanze aufgrund ihrer dichten, filzigen, weißen Behaarung und der Form der Hochblätter.

• Früher wurde das Alpen-Edelweiß als Heilkraut gegen Bauchschmerzen verwendet. Daher wird es auch „Bauchwehbleaml“ genannt. Bekannt ist es aber auch als Wollblume, Irlweiß, Almsterndl, Federweiß, Silberstern, Wülblume oder Unsterbliche der Alpen.

• Um die Pflanze ranken sich viele Legenden. So wurde Edelweiß auch für Liebeszauber und als Symbol für Liebesbeweise und kühnen Wagemut verwendet. Auch könnten die Pflanzen vom Himmel gefallene Sterne oder die Tränen vom Liebesschmerz einer Frau sein.

• Georg Martl kennt eine Geschichte vom Edelweiß als Friedensbote und erzählt: „Es war im Stellungskrieg in den Dolomiten. Es sollte einen Waffenstillstand geben. Ein deutscher Offizier wollte zu einem italienischen Offizier gehen, um die Botschaft zu überbringen. Er hatte aber kein weißes Tuch. Da sah er auf einem Felsen ein Edelweiß, pflückte es und gab es dem Gegner als Zeichen des Friedens. Und so ist es heute überall geschätzt und verehrt.“

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