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Unterstützung für drei Projekte in Afrika

Der „Cooperator-Hans“ aus Götting sammelt Spenden statt Geburtstagsgeschenke

Eine Spende von 1550 Euro hat Hans Schämann an Teresa Soyer vom Freundskreis Nyang‘ oma übergeben. 1500 Euro sind Schämanns Geburstagsspende, weitere 50 Euro haben Freunde dazugegeben.
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Eine Spende von 1550 Euro hat Hans Schämann an Teresa Soyer vom Freundskreis Nyang‘ oma übergeben. 1500 Euro sind Schämanns Geburstagsspende, weitere 50 Euro haben Freunde dazugegeben.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Der „Cooperator-Hans“ hat Wort gehalten. Weil er seinen 70. Geburtstag nicht mit seinen Freunden und Bekannten feiern konnte, versprach er, stattdessen eine großzügige Spende zu machen. Nun hat der Wahl-Göttinger mehr als 4500 Euro an Hilfsorganisationen gespendet.

Bruckmühl – 1550 Euro an den Freundeskreis Nyang’oma in Kenia, 1500 Euro für den Verein Pro Uganda und 1525 Euro an das St. Joseph’s Home in Südafrika. Jeweils 1500 kommen von ihm, Privatpersonen und Vereine legten weitere Spenden für die Projekte drauf.

Als „Zugroasta“ in Götting integriert

1996 haben sich Monika und Johannes Schämann ihren Traum vom Häuschen im Grünen erfüllt. Das Haus des einstigen Pfarr-Gehilfen – einst auch „Vicarius cooperator“ genannt – stand zum Verkauf. Und so begab sich der gesellige Hans erst einmal zum Schwoaga-Wirt nach Götting, um die Gemeinschaft kennenzulernen.

„Schaun wir mal, wie Du Dich entwickelst“, wurde der Münchener damals willkommen geheißen. Seitdem ist er zwar immer noch ein „Zugroasta“, aber als „Cooperator-Hans“ bestens integriert: im Trachtenverein „Eichenlaub“, im Stopselclub, in der Dorfgemeinschaft. Ihre Wochenenden und den Urlaub verbringen die Schämanns seitdem in ihrem Haus direkt neben der Kirche in Götting. So war es auch kein Wunder, dass er seinen runden Geburtstag mit seinen Göttinger Freunden und Bekannten feiern wollte.

Spenden zu runden Geburtstagen

175 standen auf seiner Geburtstagsliste. Und ein jeder wusste, dass der „Cooperator-Hans“ keine Blumen oder Geschenke möchte, sondern Spenden für wohltätige Zwecke sammelt. „Ich habe alles, was ich brauche. Und in Spenden sehe ich eine Möglichkeit, mich dafür dankbar zu erweisen“; sagt er. So handhabte er es schon zu seinem 60. Geburtstag. Damals bedachte er die Heinritzi-Jugendstiftung, die Nachbarschaftshilfe und den Kindergarten.

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Auch zu seinem 70. Geburtstag im Jahr 2020 hatte er wieder mit Spenden in Höhe von etwa 4500 Euro gerechnet. Feiern konnte er ihn aus bekannten Gründen nicht. Spenden will er aber trotzdem. In diesem Jahr hat er sich Vereine von guten Bekannten ausgesucht: „Meine Tante ist Ordensschwester Boscona, die seit 1962 im St. Joseph’s Home in Kapstadt arbeitet und chronisch kranke Kinder betreut“, informiert er über den Empfänger von 1525 Euro.

Hilfe für vertraute Menschen

Die Göttingerin Birgit Lemnitzer engagiert sich im Verein Pro Uganda dafür, dass amputierten Menschen in Uganda durch eine Prothese neue Lebensqualität geschenkt wird. Diesen Verein bedachte Schämann mit 1500 Euro. Und da er auch das Engagement der 23-jährigen Göttingerin Teresa Soyer für ein Bildungszentrum für etwa 160 gehörlose Kinder und Jugendliche in Nyang` oma im Westen Kenias kennt, spendeten er und Freunde dem dortigen Freundeskreis 1550 Euro.

Seit drei Jahren ist die Göttingerin Teresa Soyer regelmäßig bei ihren Kindern in der Gehörlosenschule in Nyang‘ oma zu Gast.

Das Schulzentrum für gehörlose Kinder und Jugendliche im kenianischen Nyang’ oma

Die Freude über diese großzügige Spenden steht Teresa Soyer ins Gesicht geschrieben. Ihr sind die Menschen in Nyang’oma ans Herz gewachsen. „Davon kann der Verein Freundeskreis Nyang’ oma gehörlose kenianische Kinder und Jugendliche unterstützen und den Schulstandort weiter ausbauen“, erzählt sie mit strahlenden Augen. „Zuletzt wurden Wassertanks für die Schulen installiert, Schlafsäcke fürs Internat gekauft, Spiel- und Sportanlagen gebaut. Jetzt sollen weitere Schlaf- und Klassenräume angebaut werden, damit der große Bedarf an Plätzen gedeckt werden kann.“

Teresa studiert Gehörlosenpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit ihrem Auslandspraktikum im Jahr 2018 reist sie immer wieder nach Kenia, arbeitet freiwillig in der Schule, besucht gute Freunde und beherrscht die kenianische Gebärdensprache inzwischen besser als die deutsche.

Mit ihrer Begeisterung für das Projekt hat sie auch die Göttinger angesteckt. Seitdem sind ihre Reisen zu einem Kulturaustausch geworden. Den Bayern in Deutschland erzählt sie von Kenia, den Luo in Kenia von den Bayern. Immer werden ihr dabei von beiden Seiten auch Geschenke als Botschaften der gegenseitigen Zuneigung mitgegeben. Handwerkskunst für die Göttinger. Trachtenblusen oder ein paar Euro für die Menschen in Nyang` oma.

„Ohne engagierte Menschen geht nichts. Man kann mit wenig Geld die Menschen vor Ort bei ihren Bemühungen unterstützen, von ihrer eigenen Hände Arbeit existieren zu können“, beschreibt sie. So seien beispielsweise 100 Euro für einen kenianischen Pädagogen unendlich viel Geld – die Jahresmiete für eine kleine Wohnung. „Oder 180 Euro sind die Schulgebühr für ein Jahr im Bildungszentrum“, fasst sie Unterschiede und Armut in Zahlen.

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Dass der Verein „Freundeskreis Nyang` oma“ nun mit 1550 Euro bedacht wurde, freut sie ganz besonders, denn: „Die Hörgeräteversorgung in Kenia ist schlecht. Die Menschen haben kein Geld. Das Bildungszentrum in Nyang` oma ist eine der wenigen zentralen Anlaufstellen im Land für gehörlose Kinder und Jugendliche. Nur in Internaten wie hier haben Betroffene Zugang zu Sprache und Bildung“, beschreibt sie die Bedeutung dieses Vereins. In Nyang‘ oma gibt es unter anderem Schulen, Internate und Ausbildungsstätten für Gehörlose, ein Waisenhaus, eine Mädchengrundschule, Unterkünfte für Witwen und verstoßene Frauen sowie eine Krankenstation.

Teresa baut seit drei Jahren Brücken zwischen zwei Dörfern in Kenia und Bayern. Sie weiß, dass „Kulturaustausch für Menschen auf beiden Seiten unglaublich gewinnbringend ist“. Sie wünschte sich, auch einmal Besucher aus Nyang` oma in Götting begrüßen zu können. Doch mit Corona ist das in noch weitere Ferne gerückt. Eines der nächsten Ziele nach ihrem Bachelor 2022 ist es, wieder an das Gehörlosenzentrum in Kenia zu gehen, um erst einmal dort zu arbeiten. Der Unterstützung ihres Heimatdorfes Götting kann sich Teresa gewiss sein.

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