Drei Modulhäuser

Auf dem B&O-Gelände in Bad Aibling kann man einen Blick auf das Wohnen der Zukunft werfen

Bei einer Führung stellte Prof. Florian Nagler (Dritter von rechts) die Forschungshäuser vor. baumann
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Bei einer Führung stellte Prof. Florian Nagler (Dritter von rechts) die Forschungshäuser vor. baumann
  • vonJohann Baumann
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Die TU München hat jetzt ein Symposium zum Thema „Einfach bauen“ auf dem B&O-Gelände veranstaltet. Dort befinden sich drei Modellhäuser, die auf das Wesentliche und Notwendige reduziert sind. Bei einem Rundgang konnte man einen Blick in das Innere der Forschungshäuser werfen.

Bad Aibling/Mietraching –  „Einfach bauen“: Unter diesem Motto veranstaltete die TU München auf dem B&O-Parkgelände ein Symposium mit rund 50 Teilnehmern unter anderem aus Wirtschaft, Politik, Behörden, Verbänden und Hochschulen.

Häuser sind kurzlebiger

Der Ausgangspunkt für die Veranstaltung lautete: „Während Kirchen aus der Barockzeit noch nach 400 Jahren stehen, sind heute errichtete Gebäude viel kurzlebiger. Der Grund: komplexe und smarte Technologien nehmen zu, gleichzeitig werden verschiedenste Baumaterialien untereinander und mit der Haustechnik eng verwoben. Oft ist die Modernisierung aufwendiger als Abriss und Neubau. Der durch die kürzeren Renovierungszyklen entstehende hohe Ressourcenverbrauch geht zu Lasten der Umwelt“. Diesem Trend möchte der Verbund „Einfach bauen“ der TUM entgegenwirken.

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Seit 2012 erforschen und erproben hier Architekten und Ingenieure, wie es aussehen kann, wenn man Häuser auf das Wesentliche und Notwendige reduziert. Die Themen der Vorträge der von Anne Niemann (TUM) moderierten Veranstaltung lauteten „Bauen mit dem Faktor Klima“, „Perspektiven des Holzbaus“ und „Recycling und Urban Mining in der Architektur“.

Drei Forschungshäuser

Den Schwerpunkt bildeten die von der B&O-Gruppe auf dem Parkgelände errichteten drei Forschungshäuser. Diese sind in drei unterschiedlichen monolithischen Bauweisen errichtet – aus Holz, Ziegelmauerwerk und Leichtbeton. TU-Professor Florian Nagler stellte die technischen Details in seinem Vortrag vor und führte die Gäste anschließend zusammen mit B&O-Geschäftsführer Dr. Ernst Böhm durch die „Gebäude-Prototypen“.

Einfache Konstruktionen

Der B&O-Chef erklärte dazu gegenüber den OVB-Heimatzeitungen: „Wir wollen mit den gängigen Baumaterialien Beton, Ziegel und Holz zu einfacheren Konstruktionen finden.“ Ziel sei es, Häuser robust und einfach zu bauen, in denen man die Fenster aufmachen könne.

Blick hinter die Mauern: So sieht das Treppenhaus im Inneren aus.

Erster Betonbau Europas ohne Stahl

So konnten die staunenden Teilnehmer den ersten Betonbau Europas ohne Stahl mit seinen 50 Zentimeter dicken Wänden in Augenschein nehmen. „Hier sind wir erst am Anfang, da besteht extremes Potenzial für die Weiterentwicklung“, schilderte der Uni-Professor. Beim Baustoff Holz widerlegte Dr. Böhm das gängige Vorurteil der vermeintlich kurzen Haltbarkeit mit dem Hinweis auf den gegen über den Forschungshäusern wiederaufgebauten „Peissnhof“: „Sein Holz ist 350 Jahre alt.“ Im Forschungs-Holzhaus sind Decken und Wände aus unbehandeltem Fichten- beziehungsweise Lärchenholz gestaltet.

Ziegelhaus mit Rundfenstern

Das Ziegelhaus ist wie das Betongebäude mit Rundfenstern versehen, durch die man auf die sogenannten Stürze verzichten konnte. Dadurch und durch den Nichteinbau von Rollläden könnten Wärmebrückenbrücken vermieden werden, so Prof. Nagler. Im Ziegelhaus erfuhren die Besucher unter anderem, dass dort ein einlagiger Außenputz angebracht ist und die Innenwände einfach geschlämmt wurden.

In dieser Messzentrale laufen die vom Messystem erfassten Daten ein, so TUM-Mitarbeiterin Laura Franke.

Keine technische Sensorik

In den „Test-Bauwerken“ sprach der Wissenschaftler zudem jeweils wichtige Aspekte wie Statik, Verschattung, Belüftung, Energieversorgung sowie Schall- und Wärmedämmung an. In den Häusern, die von einer Energiezentrale aus versorgt werden, habe man bewusst keine technische Sensorik im Stil von „Smart Home“ eingebaut. Sensoren sind hingegen in allen im zweiten Stock der Häuser liegenden Räumen angebracht.

Messsystem entwickelt

Laura Franke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der TUM, hat dazu ein spezielles Messsystem entwickelt. Es erfasst unter anderem Wandoberflächen- und Raumtemperatur, Raumfeuchte und Energieverbrauch. Die Daten werden in einer Messtechnikzentale erfasst und ausgewertet. Abgerundet wurde die Führung mit einer Frage-Runde mit Professor Florian Nagler und B&O-Geschäftsführer Dr. Ernst Böhm im „Peissnhof“.

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