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Vorsitzender Markus Stigloher

Das ist das Bedeutendste in der 100-jährigen Geschichte des Veteranenvereins Willing

Einen 100 Jahre alten Schatz hält Markus Stigloher in seinen Händen: Das Schriftführer-Buch von 1921.
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Einen 100 Jahre alten Schatz hält Markus Stigloher in seinen Händen: Das Schriftführer-Buch von 1921.
  • Ines Weinzierl
    VonInes Weinzierl
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„Frieden erhalten ist wichtiger denn je“: Die Willinger Veteranen feiern heuer ihr 100-jähriges Bestehen – mit einem Benefizkonzert am 20. Oktober. Über Nachwuchssorgen und die Bedeutung des Vereins spricht der Vorsitzende Markus Stigloher.

Bad Aibling – 25 Willinger haben 1921 den Veteranenverein Willing gegründet – heuer feiert der Verein 100-jähriges Bestehen. Vorsitzender der 60-köpfigen Truppe ist seit 18 Jahren Markus Stigloher (54). Über die heutige Bedeutung, Nachwuchssorgen und ob es den Verein in 50 Jahren noch gibt, spricht der Willinger im Interview.

Herr Stigloher, 100 Jahre Veteranenverein Willing. Was war das bedeutendste in seiner Geschichte?

Markus Stigloher: Das bedeutendste waren die Einweihungen der ehrenamtlich erbauten Kriegerdenkmäler. Die Denkmäler haben eine Doppelfunktion. Sie ehren zum einen die gefallenen und verstorbenen Kameraden für ihren Dienst und ermahnen die nachfolgenden Generationen den Frieden unter den Völkern zu erhalten und zu fördern.

Im September 1954 wurde das Kriegerdenkmal in Willing eingeweiht.

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Viele Veteranenvereine haben mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, wie schaut es bei Ihnen aus?

Stigloher: Nachwuchssorgen gibt es bei jeden örtlich geprägten Veteranenverein. Aufgrund der Abschaffung der Wehrpflicht gibt es keine Reservisten mehr die den örtlichen Veteranenverein beitreten könnten. Gemäß Satzung werden nur Frauen oder Männer in den Verein aufgenommen, die in einer deutschen Truppe oder einer befreundeten Truppe gedient haben. Ferner sollen per Satzung keine Ungedienten aufgenommen werden, das schließt die Aufnahme von fördernden Mitgliedern aus.

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Vereinszewck wäre dann erfüllt

Glauben Sie, dass der Verein weitere 100 Jahre bestehen wird oder steht er gar wie andere Veteranenvereine vor dem Aus?

Stigloher: Wenn die Wehrpflicht weiter ausgesetzt wird, werden wir unter den momentanen Voraussetzungen die nächsten 50 Jahre nicht überstehen. Der Verein hat dann seinen Vereinszweck erfüllt und kann sein Wirken beenden. Die Denkmäler werden aber weiterhin an den Erhalt des Friedens erinnern.

Können Sie den Verein in einem Satz beschreiben?

Stigloher: Der Veteranenverein ist ein Zusammenschluss von ehemaligen Soldaten die die Kameradschaft die sie während ihres Dienstes erlebt haben weiter untereinander pflegen wollen.

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Welche Aufgaben hat der Veteranenverein heute?

Stigloher: Die vornehmste Aufgabe des Vereines ist das Wachhalten des Andenkens an die Gefallenen der Kriege, die Ehrung der in der Heimat verstorbenen Kameraden und die Pflege der Kameradschaft. Diese Aufgaben sind noch immer aktuell und bedürfen trotz des wechselnden Zeitgeistes keiner Änderung.

Fester Bestandteil des Dorfes

Welche Bedeutung hat der Verein für Willing?

Stigloher: Der Verein ist, im Rahmen seiner Möglichkeiten, ein fester Bestandteil des dörflichen Vereinslebens. Aufgrund des stetig steigenden Durchschnittsalters lässt natürlich die Aktivität in jeder Hinsicht nach. Aber der Verein hat im Dorf ein großes Ansehen. Das rührt daher, dass fast jedes Haus in Willing ein oder mehrere Söhne im Krieg verloren hat. Diese schweren Verluste der Familien wurden durch das Wirken des Veteranenvereines in die Dorfgemeinschaft übertragen. Diese kollektive Vereinsarbeit gab den trauernden Menschen Geborgenheit und verschaffte dem Verein langfristig Anerkennung.

Einige Vereine benennen sich um. Gibt es bei Ihnen Überlegungen dazu?

Stigloher: Der Verein hat sich bereits in den 90ern umbenannt in „Krieger- und Reservistenverein“. Damals wurde der Begriff Veteran gestrichen. Die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat 2018 den Begriff Veteran nach Schaffung eines Veteranenabzeichens genau definiert. Diese neue Festlegung per Gesetz, macht den alten volksläufigen Begriff Veteran wieder zum aktuellen Namen für die Vereine. Somit handeln wir wieder als Veteranen und benutzen den noch gültigen, aber alten Vereinsnamen nur noch für den Schriftverkehr.

Stigloher: Neben seiner sozialen Stellung und Tätigkeit im Dorf hat der Verein auch einen Hauch von elitären Bewusstsein durch die Tatsache, dass nicht jeder dem Verein beitreten kann. Ferner ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass das Band der Kameradschaft in schwierigen Lebenslagen unter den Soldaten nie abreißen darf.

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Zwei Kriegerdenkmäler in Willing stehen für Ihren Verein. Wer pflegt sie, wer kümmert er sich darum?

Stigloher: Das Kriegerdenkmal in der Ortsmitte wird regelmäßig durch Vereinsmitglieder und durch die Stadt Bad Aibling gepflegt und instandgehalten. Der ganzjährig gespendete Blumenschmuck eines Aiblinger Blumengeschäftes wird dankenswerterweise durch eine nette Nachbarin gepflegt. Das Denkmal an der Kirche wird durch die Pfarrgemeinde mitgepflegt. Eine Sanierung ist momentan an keinem der Denkmäler notwendig.

Das sind die 25 Gründungsmitglieder

Rückblick: Erste Fahnenweihe im Mai 1922 – knapp ein Jahr nach der Gründung

Die Kriegsteilnehmer Georg Hailer, Andreas Widhammer, Jakob Lipp, Lorenz Rank, Georg Niedermeier jun. , Alois Stackl, Josef Kopp, Josef Hamberger, Jakob Gröbmeier jun., Johann Krimplstötter, Franz Hofmann, Josef Koller, Alois Kotter, Jakob Mitz, Georg Ranner, Leonhard Lechner, Georg Huber, Josef Huber, Josef Zehentmeier, Sebastian Neuchl, Georg Strodl, Sebastian Rauner, Erdm. Dietl, Johann Mittermiller und Benno Niedermeier gründeten im Juli 1921 einen Veteranenverein im Gasthof Neuwirt in Willing. Vereinszweck war das „ehrende Gedenken der im Krieg gefallenen und vermissten Kameraden sowie den verstorbenen Mitgliedern ein würdevolles Begräbnis zu ermöglichen“. Die Gründungsmitglieder waren sofort damit beschäftigt, eine Vereinsfahne zu beschaffen. Ein Jahr später entstand ein Kriegerdenkmal im Außenbereich der Willinger Kirche – und zeitgleich im Mai 1922 wurde auch die Fahne geweiht – heute ist sie verschollen.

Schnappschuss von 2015: Ehrungen einiger Vereinsmitglieder.

1954 formiert sich der Verein neu

Die Pflege der Kameradschaft war und ist bis heute ein wichtiger Vereinszweck. Während des Nationalsozialismus‘ musste der Verein seine Aktivitäten auf Befehl der Regierung einstellen. Wie die meisten Vereine wurde aber im Stillen der Vereinsbetrieb so weit wie möglich aufrecht erhalten.

1954 formierte sich der Verein neu: Die Heimkehrer des Zweiten Weltkrieges hatten das Bedürfnis, ihren gefallenen und vermissten Kameraden eine Gedenkstätte zu errichten. Und so wurde ein Mahnmal auf einem Grundstück in Willing gebaut. In den folgenden Jahren war der Verein eine feste Größe im Vereinsleben der Gemeinde. Es fanden Theaterabende, Tanzabende und Faschingsbälle statt.

In späteren Jahren übernahmen mehr und mehr die Reservisten, also ehemalige Soldaten der Bundeswehr, das Ruder im Verein. Jedes Jahr werden am Volkstrauertag und am Jahrestag Treffen veranstaltet, an denen auch die Bevölkerung teilnehmen kann.

Benefizkonzert am 20. Oktober

Benefizkonzert

Das Benefizkonzert des Gebirgsmusikkorps Garmisch -Partenkirchen findet am Mittwoch, 20. Oktober, im Kursaal Bad Aibling statt. Das Konzert ist zum einen die Bad Aiblinger Veteranen- Soldaten-und Reservistenkameradschaft mit 150 Jahren, den Schönauer Trachtenverein „Eichenlaub Schönau“ mit 100 Jahren und den Willinger Veteranen mit 100 Jahren. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass ab 18 Uhr. Es gilt die 3 G-Regel. Der Erlös kommt gemeinnützigen Zwecken zugute. Karten für 15 Euro gibt es im Vorverkauf unter den Telefonnummern 08065/906777, 08061/ 7097 und 08061/8765.

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