Das erste Wunder: Die Heilung einer Frau aus Brettschleipfen

Eines der Wallfahrtsbücher aus dem Jahr 1666 zeigt Bruno Bibinger, der einstige Pfarrer von Tuntenhausen.
+
Eines der Wallfahrtsbücher aus dem Jahr 1666 zeigt Bruno Bibinger, der einstige Pfarrer von Tuntenhausen.

Tuntenhausens Wallfahrt hat eine lange Tradition. Bereits vor dem „ersten Wunder“ 1441 pilgerten Menschen hierher und machten Tuntenhausen zu dem, was es heute ist: Eine der größten Wallfahrten der Erzdiözese München und Freising.

Tuntenhausen – Der Ort Tuntenhausen wurde um das Jahr 1000 erstmals erwähnt. Der Name geht auf eine Siedlung im 8. Jahrhundert zurück – bei den Häusern des Tunto oder auch Tonto. 1221 kommt Tuntenhausen zum Augustinerchorherrenstift Beyharting. Im Wallfahrtsbuch von Tuntenhausen von J. B. Mehler wird bereits im Jahre 1315, also noch vor Aufstellung des jetzigen Gnadenbildes, ein Pilgerzug erwähnt, der zur Zeit einer Pest hierher verlobt wurde und von der Pfarrei Obertaufkirchen bei Mühldorf kam.

Bezeugt ist die Wallfahrt seit 1441

Bezeugt ist die Wallfahrt dann fest seit 1441. Das „erste Wunder“ war die Heilung einer jahrelang schwerkranken Frau aus dem benachbarten Weiler Brettschleipfen – damals Pretschlaipfen. Im Wallfahrtsbuch heißt es: „Jahrelang war die Frau schmerzhaften entzündlichen Zuständen des Magens und der Gedärme mit wassersüchtiger Geschwulst des Unterleibs preisgegeben. Von menschlicher Hilfe war kein Heil mehr zu erhoffen. Einmal des Nachts zeigte sich Maria der Kranken und bedeutete ihr, wenn sie gesund werden wolle, dann solle sie drei Samstage nacheinander eine Wallfahrt nach Tuntenhausen machen und dort so viel Garn opfern, dass ein Altartuch daraus gewebt werden könne. Kaum hatte sie zum drittenmale das Gotteshaus zu Tuntenhausen besucht und zugleich ihr Opfer dargebracht, so war auch schon aller Schmerz plötzlich verschwunden.“ In der Folge entstand „ein großer Zulauf von christgläubigen Menschen“, wie Anton Bauer in einem seiner Bücher schrieb, das im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum aufbewahrt wird. Dies war einerseits Gnade, andererseits aber auch Lohn für die eifrige Seelsorge seitens des Augustinerchorherrenstiftes Beyharting, dem die Pfarrei Tuntenhausen von 1221 bis zum Jahre 1803 einverleibt war.

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

Auf die Bitte vieler andächtiger Menschen, Marias Lob zu mehren, ließ Propst Pantaleon Hauser aus Beyharting 1534 ein „Büchel“ drucken, in dem ein Teil der um jene Zeit bekannt gewordenen Gebetserhörungen den Verehrern der Gottesmutter kundgetan wurden. Diese Gebetserhörungen wurden aber keineswegs leichtgläubig in die Register aufgenommen. Stets mussten Zeugen für die Wahrheit der Aussage beigebracht werden, deshalb findet sich auch oftmals die Anmerkung im Buch: „Vieles konnte wegen Mangel an Zeugen nicht aufgenommen werden.“ Beeindruckend sind aber auch solche Aufzeichnungen wie die von einem vergifteten Kind im Jahr 1532 in der Pfarrei Pfaffenhofen oder von einer lahmen Frau aus Mühldorf oder von der Pest aus dem Jahre 1535. Die Mirakelbücher aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert werden im bayrischen Staatsarchiv aufbewahrt. Werner Stache

Kommentare