Bürgermeister Anton Wallner im Gespräch

Von 5G-Ausbau bis „Zukunft Moor“: Das beschäftigt Bad Feilnbach

Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner ist die Bedeutung des Tourismus für den Ort bewusst. Das „Bad“ im Namen zu behalten, ist ebenso wichtig wie die Lenkung der Besucherströme. Aber auch Feuerwehr, 5G und Naturkindergarten sind wichtige Projekte in der nächsten Zeit.
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Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner ist die Bedeutung des Tourismus für den Ort bewusst. Das „Bad“ im Namen zu behalten, ist ebenso wichtig wie die Lenkung der Besucherströme. Aber auch Feuerwehr, 5G und Naturkindergarten sind wichtige Projekte in der nächsten Zeit.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Bad Feilnbach – Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner ist die Bedeutung des Tourismus für den Ort bewusst. Das „Bad“ im Namen zu behalten, ist ebenso wichtig wie die Lenkung der Besucherströme. Aber auch Feuerwehr, 5G und Naturkindergarten sind wichtige Projekte in der nächsten Zeit. Bürgermeister Anton Wallner (CSU) im Interview mit den OVB Heimatzeitungen.

Herr Wallner, fangen wir gleich mit der Ortsmitte an. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Anton Wallner: Die Firma Quest hat die Baugenehmigung für das Tannenhofgelände erhalten. Ende März soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Auf dem Areal sind gleich mehrere Projekte der Gemeinde angesiedelt.

Wallner: In Haus A entsteht die neue Kindertagesstätte mit 12 Krippen- und 25 Kindergartenplätzen. Darüber werden wir als Gemeinde vier Wohnungen anbieten, die mit Fördermitteln aus dem kommunalen Wohnbau errichtet werden. Die Gundel-Stiftung wird dort Räume für die Nachbarschaftshilfe und nebenan für betreutes Wohnen erwerben. In einem weiteren Gebäude entsteht das „Bad Feilnbacher Wohnzimmer“ – ein Treffpunkt für Bürger zum Kartenspielen, Lesen, Vorlesen, Ratschen und mehr.

Bis wann rechnen Sie mit dem Einzug?

Wallner: Bis Sommer 2023.

Das „Wohnzimmer“ richtet sich an die Hauptzielgruppe Senioren. Doch auch Jugendliche sollen hier Platz finden. Wie könnte das aussehen?

Wallner: Das möchten wir von den Jugendlichen selber wissen. Wir wollen eine Stelle für Jugendsozialarbeit installieren. Gespräche mit den zuständigen Stellen haben schon stattgefunden. Jetzt geht es noch darum, einen Träger zu suchen und die Förderung zu klären.

Was ist auf dem Kinderbetreuungs- und Schulsektor noch geplant?

Wallner: Im Achthal entsteht der neue Naturkindergarten. Er soll im Herbst öffnen. Insgesamt wird er 25 Plätze bieten. Die generalsanierte Schule in Au wird gerade bezogen. Wenn Präsenzunterricht wieder möglich ist, wird alles fertig sein.

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Bei den Entwürfen für das neue Rathaus hingegen sollten die Planer noch nachbessern. Ist das schon geschehen?

Wallner: Ja. Und das Preisgericht hat sich auch eindeutig für einen Siegerentwurf ausgesprochen. Ende Februar wird sich der Gemeinderat auf einer Klausur mit dem weiteren Vorgehen befassen. Der Öffentlichkeit sollen die Pläne dann bei der Bürgerversammlung am 8. April vorgestellt werden.

Im Jahr 2023 geht es bei der Rezertifizierung darum, dass die Gemeinde weiterhin den Titel Bad tragen darf. Das hängt ganz eng mit dem Thema Moor zusammen, wie schon die scheidende Kur- und Tourismuschefin Ute Preibisch unermüdlich betont hat.

Wallner: Den Vorwurf müssen wir uns vielleicht gefallen lassen, dass wir ein bisschen den Glauben an das Heilmittel verloren hatten. Die Idee zu einem Moorbadehaus liegt schon länger vor und jetzt gab es auch noch den Weckruf des Kur- und Tourismusvereins. Der Gemeinderat hat ein klares Bekenntnis zum Moor abgelegt. Ein Arbeitskreis kümmert sich jetzt um die wirtschaftliche Konzeption und Standortsuche. Gespräche mit einigen Investoren ließen erkennen, dass wieder Bereitschaft da ist, in das Heilmittel zu investieren.

Was sich auch auf den Tourismus auswirken dürfte. Wie sehen Sie die Gemeinde auf diesem Sektor aufgestellt?

Wallner: Bei den Nächtigungen schaut es sehr gut aus. Beim Tagestourismus haben wir aus dem großen Andrang im vergangenen Jahr dazugelernt. Wir entwickeln gerade ein Besucherstromlenkungskonzept. Wir werden Parkflächen dazubuchen, planen eine Schrankenanlage im unteren Jenbachtal und wollen Tafeln aufstellen, in denen wir Regeln für Wanderer und Radfahrer erklären. Klar ist: Wir brauchen diese Zielgruppe unbedingt und wollen keinesfalls, dass diese beschimpft oder ausgesperrt wird.

Ein Thema, das die Bürger umtreibt, ist der 5G-Ausbau.

Wallner: Wir erstellen jetzt ein Mobilfunk-Vorsorgekonzept. Ein Fachbüro soll die Gemeinde flächendeckend begutachten und bis Ende März aufzeigen, wo noch Mobilfunkmasten nötig sind und wie sie so errichtet werden, dass sie am wenigsten belasten. Gemeinsam mit dem Mobilfunkanbieter sollen dann die besten Standorte gesucht werden.

Die Proteste sind groß.

Wallner: Die Gemeinde hat hier wenig Einfluss. Die Entscheidung, Deutschland flächendeckend mit Mobilfunk der neuesten Technik auszustatten, wurde parteiübergreifend in Berlin getroffen. Auch bei uns ist es so: Die einen wollen eine bessere Versorgung – in Litzldorf und Au ist diese zum Teil ganz schlecht –, die anderen haben Bedenken und stellen zu Recht Fragen. Am 9. April findet eine Versammlung nur zu diesem Thema statt.

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Zu guter Letzt das unausweichliche Thema Corona, das die Gemeinde sehr stark getroffen hat.

Wallner: Von den Fallzahlen sind wir auf dem fünften Platz im Landkreis, hinter den vier größten Kommunen. Das hängt nicht nur mit den Ausbrüchen in den Heimen zusammen, wir hatten große Sprünge bei den Zahlen. Jetzt klingt es ein bisschen ab, und wir hoffen, dass die Inzidenz runter geht. Aber man merkt eine Pandemiemüdigkeit. Die Ungeduld der jungen Leute drückt sich dann in Aktionen wie jüngst der Party in Dettendorf aus. Auch hatten wir einige Demonstrationen vor dem Rathaus, mit Teilnehmern von „vorsichtig“ bis „extrem“ – wobei die Mehrheit von auswärts kommt. Auch ich leide mit dem Einzelhandel und den Gastronomen, die hier ungeheuer kreativ sind, und nutze deren Angebote. Aber als Kommune kann man hier nur bedingt etwas machen.

Wie läuft es eigentlich in Sachen Robert-Koch-Studie?

Wallner: Die Erhebungen waren im Sommer. Seither habe ich nichts mehr gehört.

Feuerwehren und Rettungswache

Zu den Pflichtaufgaben der Gemeinde gehören die Feuerwehren. Hier wird laut Wallner für die Litzldorfer Wehr nun das noch benötigte Fahrzeug angeschafft. Auch stehe eines Tages die Umsiedelung der Feilnbacher Feuerwehr an. Sie habe aber nicht oberste Priorität. Die Entscheidung des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung, in Bad Feilnbach eine Rettungswache einzurichten, begrüße er außerordentlich, betont Wallner. Ab 1. März werde diese von 8 bis 20 Uhr besetzt sein. Nachdem der Bauausschuss einen Standort mitten im Ort abgelehnt hatte, soll das VHS-Gebäude als Interimsunterkunft dienen, bis eine langfristige Standortlösung gefunden ist.

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