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Welche Entscheidung trifft der Gemeinderat?

„Dann verlasse ich den Ort“: Feldkirchen-Westerhams Bürger wehren sich gegen die Südumgehung

Im voll besetzten Schützenhaus Westerham diskutierten die Bürger über die Pläne zur Südumgehung.
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Im voll besetzten Schützenhaus Westerham diskutierten die Bürger über die Pläne zur Südumgehung.
  • VonNicolas Bettinger
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„Was haben die genommen?“, fragte ein entrüsteter Bürger bei einer Diskussionsrunde in Feldkirchen-Westerham. Das mit Spannung erwartete Bürgerforum machte die Haltung der Menschen im Ort bezüglich der geplanten Umgehungsstraße deutlich. Doch wie geht es jetzt weiter?

Feldkirchen-Westerham – „Wenn die Südumgehung kommt, dann verlasse ich den Ort.“ Drastische Worte, die die Stimmung an diesem Abend beschreiben. Nachdem das Straßenbauamt die Pläne kürzlich knapp in einer Gemeinderatssitzung vorgestellt hatte, war zunächst nicht klar, wie die Feldkirchen-Westerhamer Bürger selbst zum Bauvorhaben stehen. Umso mehr wurde das Bürgerforum der Initiative „FK+WEST“ mit Spannung erwartet.

Der Einladung ins Schützenhaus Westerham waren am Dienstagabend (20. September) über 160 Zuschauer gefolgt. Und schnell war ein eindeutiges Stimmungsbild zu erkennen: Sowohl für die Initiative als auch die anwesenden Bürger kommt eine Südumgehung nicht in Frage.

Süd-Variante alternativlos?

Zum Hintergrund: Das Straßenbauamt hatte aus zahlreichen Bürgervorschlägen drei Varianten einer Ortsumgehung Feldkirchen ausgewählt und deren Wirkung hinsichtlich Verkehrswirksamkeit, Immissionen, Kosten und Konfliktpotenzial bewertet. Neben der Südumgehung stand eine Nordumgehung sowie eine Tunnellösung im Raum. Das Straßenbauamt kam zu dem Ergebnis, dass nur die Südumgehung umsetzbar sei.

Viel los auf der Staatsstraße 2078. Um die Verkehrslage dort zu entlasten, hat das Straßenbauamt die Südumgehung geplant.

Und das, so die Ansicht der Initiative, trotz der zweithöchsten Kosten, erheblicher Schallemissionen und massiver Eingriffe in die Landschaft sowie Trennung der Ortsteile Feldkirchen, Westerham und Feldolling.

Die seit 2019 aktive sechsköpfige Kerngruppe von „FK+West“ hatte die Studie des Bauamts samt Raumwiderstandsanalyse, Verkehrsgutachten und Grobplanungen nach eigenen Aussagen kritisch analysiert und die gewonnenen Erkenntnisse nun den zahlreichen Zuhörern präsentiert. Urteil: „Die Südumgehung bringt den Bürgern von Feldkirchen-Westerham deutlich mehr Nachteile als Vorteile.“

„Die Südumgehung würde die Ortsteile für immer trennen“

Dies begründete Mitinitiator Frank Eckstein unter anderem mit der erheblichen Lärmbelastung. „Anders als jetzt würde der Lärm durch die Südumgehung durchs ganze Tal schallen.“ So würde die Lärmbelästigung (etwa durch die höhere Geschwindigkeit auf der Umgehung) nicht mehr auf die rund 160 Anwohner der Münchner Straße begrenzt bleiben, die Trasse wäre – je nach Wind – auch in weiten Bereichen der drei Orte hörbar, vom Buckelberg über den Eichberg, über Westerham bis nach Feldolling.

„Es wird einem klar, was die hier eigentlich geplant haben“, sagte wenig später Kaspar Krause, als er den Gästen eine Einführung in die vom Straßenbauamt geplante Streckenführung der Südumgehung gab. Anhand einer 3D-Grafik machte er deutlich, dass die Trasse zwischenzeitlich fast eine Höhe von 21 Metern erreichen soll. Der Damm, auf dem die Straße verlaufen würde, umfasse an der breitesten Stelle bis zu 80 Meter. Details, die bei den Besuchern lautstarkes Erstaunen auslösten.

„Die Südumgehung würde die Ortsteile für immer trennen“, so Krause. Laut „FK+West“ bedeute sie zudem einen erheblichen Eingriff ins Landschaftsbild sowie eine Einschränkung der räumlichen Weiterentwicklung und weniger Verkehrssicherheit. Außerdem würde die leichte Verkürzung der Fahrzeit aus dem Landkreis in Richtung München über Feldkirchen mehr Verkehr anziehen und dadurch das Mangfalltal weiter belasten. Ganz zu schweigen von der mehrjährigen Bauzeit.

Die Initiative fordert deshalb eine Ablehnung der Südvariante und zugleich eine „Optimierung der Bestandslösung“. So könnten etwa Tempo 30, ein verbessertes Ampelkonzept oder bauliche Maßnahmen zur Lärmreduktion und Verkehrsverstetigung führen. Optional könnte die Gemeinde eine Optimierung zur Nordumgehung und zur Variante Ortstunnel vom Bauamt einfordern, so die Forderung.

Bürger kritisieren die Planungen des Straßenbauamtes

Zu Beginn der Diskussion ergriff Bürgermeister Hans Schaberl, der wie einige Gemeinderäte aufgrund einer Bauausschusssitzung später hinzustieß, das Wort. „Die momentane Planung ist so nicht tragbar“, äußerte er seine persönliche Meinung und erntete viel Applaus. Vielmehr seien über das Programm ISEK (Integriertes Stadt-Entwicklungs-Konzept) zeitnahe Möglichkeiten, wie eine Verkehrsberuhigung an der Staatsstraße möglich. Mehrere Anwesende meldeten sich mit kritischen Beiträgen zu Wort. „Was haben die eigentlich genommen?“, fragte ein betroffener Anwohner. Er nannte die geplante Umgehung eine „Gemeindezerschneidungsstraße“.

Bürgermeister HansSchaberl (rechts) kam zu Wort. Hier steht er neben Walter Schmitz von „FK+WEST“.

„In meinem ganzen Leben habe ich noch nie eine so miserable Planung gesehen“, kritisierte ein Anwohner aus der Von-Andrian-Straße. Ein Zuschauer aus Feldolling forderte alle Bürger auf, auf die Gemeinderäte zuzugehen und ihnen ihre Haltung deutlich zu machen. Ein weiterer wies auf die enorme Flächenversiegelung durch die Südumgehung (über 13 Hektar) hin. „So werden unsere Bauern nicht überleben.“

Eine Bürgerin aus der Westerhamer Straße sprach sich ebenfalls dagegen aus. Ihre Hoffnung: Durch die steigende Zahl an Elektroautos könnte es ohnehin leiser auf den Straßen werden. Ein weiterer Betroffener sah in der Südumgehung nur eine „Lösung für diejenigen, die durch unser Dorf wollen. Nicht für unser Dorf selbst“.

Wie stehen die Gemeinderäte zur Südumgehung und was sagt das Bauamt?

Die besorgten Anwohner verband an diesem Abend die Hoffnung, dass der Gemeinderat die Planungen zur Südumgehung ablehnt. Und zumindest die meisten anwesenden Gemeinderäte konnten das Publikum beruhigen. So sprachen sich etwa Johannes Zistl (OLV), Heinz Oesterle (SPD) oder Josef Kammerloher (Pro Bürger) klar gegen die Pläne aus. Letzterer glaube sogar an eine einstimmige Absage des Gemeinderats. Nicht ganz so optimistisch sah es Thomas Henties (Grüne), der ebenfalls gegen die Umgehung ist und der versprach, eine namentliche Abstimmung in der entscheidenden Gemeinderatssitzung zu beantragen.

Ebenfalls gegen die Pläne ist Bernhard Neumaier (CSU). Allerdings sieht er keine Notwendigkeit, zeitnah einen Beschluss zu fassen. „Denn wenn wir das jetzt ablehnen, dann macht das Straßenbauamt die Akte komplett zu.“ Er schlug deshalb vor, „alles noch in der Schwebe zu halten“.

Bauoberrat Matthias Kreuz: Südumgehung ist die einzig mögliche Variante

Klar ist: Der Gemeinderat ist seitens des Straßenbauamtes aufgefordert, eine Entscheidung zu treffen. Doch was passiert, wenn das Gremium die Südumgehung tatsächlich ablehnt?

Auf OVB-Nachfrage betonte Bauoberrat Matthias Kreuz, Leiter der Planung beim Staatlichen Bauamt Rosenheim, dass die Sache in diesem Fall erledigt sei. „Laut unserer Machbarkeitsstudie ist die Südumgehung die einzige Variante, die alle Ziele verbindet“, sagte Kreuz etwa über die Verkehrsauslagerung oder den „konfliktarmen Korridor“, wodurch die Trasse verlaufen würde.

Außerdem sei die Variante die einzig rechtssichere. „Wenn der Gemeinderat ablehnt, werden wir nicht weiterplanen. Aber die Gemeinde kann natürlich auch in fünf Jahren ihre Meinung wieder ändern.“ Eine Tunnellösung sei „viel zu teuer“. Gegen die Nordumgehung spreche beispielsweise das Durchtrennen landwirtschaftlicher Wälder.

Zur Sorge vor der Trennung der Ortsteile könne Kreuz nicht viel sagen. „Ich bin kein Feldkirchen-Westerhamer, ich bin Bauingenieur und muss eine rechtssichere Lösung suchen.“ Die Befindlichkeiten im Ort müsse die Gemeinde beurteilen.

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