Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Soziales Wohnbaulandprogramm in Bruckmühl

„Da spielen sich private Dramen ab“: Krise raubt 18 jungen Familien die Hoffnung auf Hausbau

Die Erschließung des Wohngebietes am Liesl-Karlstadt-Bogen ist fast abgeschlossen. Doch können es sich Familien angesichts der Preisspirale in allen Bereichen des Lebens überhaupt noch leisten, ein Haus zu bauen?
+
Die Erschließung des Wohngebietes am Liesl-Karlstadt-Bogen ist fast abgeschlossen. Doch können es sich Familien angesichts der Preisspirale in allen Bereichen des Lebens überhaupt noch leisten, ein Haus zu bauen?
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
    schließen

Die Inflation hebelt die soziale Rangliste aus, die die Marktgemeinde Bruckmühl in ihrem Wohnbaulandprogramm festgeschrieben hat. Sollten eigentlich die kinderreichen Familien mit dem wenigsten Einkommen und Vermögen die 13 Bauparzellen erhalten, die die Marktgemeinde hat, verkehrt sich die Rangfolge nun ins Gegenteil. 18 auserwählte Familien mussten auf ihren Hausbau verzichten.

Bruckmühl – Im Dezember waren es noch mehr als 400 Bruckmühler Familien, die sich für eine der 13 Parzellen am Liesl-Karlstadt-Bogen interessierten. 93 haben sich dann tatsächlich für das soziale Wohnbaulandprogramm beworben. Doch bislang ist nur der Kauf von zwei Grundstücken notariell besiegelt. Warum bisher 18 auserwählte Familien von ihrem Traum, sich ein eigenes Haus zu bauen, Abstand nehmen mussten, erklärt Markus Zehetmaier, Fachbereichsleiter Immobilienwirtschaft der Marktgemeinde Bruckmühl, im Interview.

Die Marktgemeinde hat nur 13 Parzellen zu vergeben. Warum fällt es trotzdem so schwer, Bewerber zu finden?

Markus Zehetmaier: Interessenten gibt es mehr als genug. Bis zum Stichtag 28. Februar hatten sich 93 Familien für das „ Soziale Wohnbaulandprogramm Bruckmühl “ beworben. In der Marktgemeinderatssitzung vom 31. März wurde entsprechend unserer Vergaberichtlinien eine Rangliste festgelegt. Die 13 „Erstplatzierten“ wurden Anfang April informiert. Inzwischen schreiben wir schon die Nachrücker der Nachrücker an, weil bisher schon 18 potenzielle Käufer zurückgetreten sind.

Woran liegt das?

Markus Zehetmaier: Die aktuelle Weltlage hebelt unsere Vergaberichtlinien aus, führt sie in gewisser Weise ad absurdum. Um jungen Familien eine Chance zu geben, sich in ihrer Heimat Wohneigentum zu schaffen, hat der Marktgemeinderat die „sozialen Komponenten“ zum wichtigsten Kriterium gemacht. Das heißt, dass jene Familien, die wenig verdienen und über wenig Vermögen verfügen, aber beispielsweise viele Kinder haben, die meisten Punkte erhalten haben.

Markus Zehetmaier ist Fachbereichsleiter Immobilienwirtschaft der Marktgemeinde Bruckmühl.

Wie viel dürfen die Familien verdienen?

Markus Zehetmaier: Die Einkommensobergrenzen wurden bei Alleinstehenden auf 61. 000 Euro brutto und bei Paaren auf 122.000 Euro brutto im Durchschnitt der letzten drei Jahre festgelegt. Als Vermögensobergrenzen wurden 100.000 Euro bei Einzelpersonen und 200.000 Euro bei Familien angesetzt. Für die Staffelung der Einkommen bis zu diesen Obergrenzen gab es Bonuspunkte. Letztlich stehen an der Spitze der Rangliste jene Menschen, die hart dafür arbeiten, unsere Gesellschaft am Laufen zu halten, die normale Gehälter verdienen, und die sich unter den jetzigen Gegebenheiten keinen Hausbau mehr leisten können.

Weil die Grundstücke zu teuer sind?

Markus Zehetmaier: Nein. Der Marktgemeinderat hat sich ganz bewusst dafür entschieden, die Grundstücke im Erbbaurecht zu vergeben. Damit wollten wir auch jungen Familien mit wenig Startkapital die Möglichkeit geben, Eigentum zu erwerben, denn in den ersten 25 Jahren, in denen der Kredit getilgt werden muss, zahlen sie nur einen geringen Erbbauzins von 1,25 Prozent vom Bodenrichtwert. So müssen die Familien also „nur“ den Hausbau finanzieren. Aber selbst das ist seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine, der rasanten Preissteigerung am Bau und bei den Energiekosten, den steigenden Zinsen und der Inflation vielen einfach nicht mehr möglich.

Von welcher Kredithöhe sprechen wir?

Markus Zehetmaier: Der Markt Bruckmühl hat geregelt, dass die Familien eine Finanzierungsbestätigung über 500.000 Euro aus Eigen- und Fremdkapital vorlegen müssen, damit vermieden wird, dass ein Rohbau mangels finanzieller Mittel nicht fertiggestellt werden kann und eine Rückabwicklung des Erbbaurechtsvertrages erfolgen muss.

Können Sie an einem Beispiel erläutern, wie sich die Tilgung eines solchen Kredites in den vergangenen Monaten verändert hat?

Markus Zehetmaier: Die Interessenten für das Soziale Wohnbaulandprogramm haben sich im Dezember 2021 bei ihren Banken erkundigt, wie ein Kredit von etwa 450.000 Euro finanzierbar wäre. Damals lagen die Zinsen teilweise unter einem Prozent. Die Familien mussten also mit einer monatlichen Belastung für Zins und Tilgung von etwa 1400 Euro rechnen. Inzwischen ist diese auf 2.100 Euro gestiegen. Ein Rechenbeispiel: Ich brauche 450.000 Euro für den Hausbau. Bei fünf Prozent Zins und Tilgung pro Jahr wären das etwa 22.500 Euro. Dazu kommt der Erbbauzins von 3.000 Euro pro Jahr. In Summe wären das also circa 25 500 Euro und damit 2.100 Euro pro Monat. Nur für den Kredit und und den Erbbauzins! Ohne Nebenkosten, ohne Lebenshaltungskosten. Das können sich junge Familien nicht mehr leisten.

Hebelt die Krise den sozialen Gedanken des „Sozialen Wohnbaulandprogramms“ aus?

Markus Zehetmaier: Ja, denn wer weniger verdient, sollte ja Priorität haben. Nun verkehrt sich das ins Gegenteil, haben diejenigen Familien größere Chancen, die aufgrund höherer Einkommen weiter hinten auf der Rangliste stehen. Dabei ist auch dieses „Höher“ relativ, denn nach unserem Modell darf eine Familie mit zwei Kindern höchstens ein Jahreseinkommen von 136.000 Euro brutto haben. Und diejenigen, die ursprünglich ganz oben auf unserer Rangliste standen, haben etwa ein Bruttojahreseinkommen von 40.000 Euro.

Wissen Sie, wie es den Menschen geht, die verzichten mussten?

Markus Zehetmaier: Ein Haus zu bauen, ist eine Lebensentscheidung. 18 Familien, die sich seit Jahren in Vereinen und ihren Ortschaften für unsere Gemeinschaft engagieren, waren gezwungen, auf ihre Chance auf Wohneigentum zu verzichten. Das fällt keinem leicht. Das war für alle eine emotional hochbelastende Entscheidung. Da haben sich private Dramen abgespielt.

Wie viele der 13 Parzellen sind inzwischen vergeben?

Markus Zehetmaier: Bislang sind zwei Kaufverträge notariell verbrieft. Für drei weitere steht der Notartermin an. Acht Parzellen sind vergeben, allerdings steht die Zusage der Bauwilligen oder die Finanzierungsbestätigung der Bank aus. Der Plan war, die Erschließung des Liesl-Karlstadt-Bogens bis September abzuschließen, damit die Familien ab Oktober bauen können. Das ist nicht mehr zu schaffen.

Das soziale Wohnbaulandprogramm der Marktgemeinde

Der Markt Bruckmühl vergibt im Baugebiet „Östlich der Weihenlindener Straße“ am Liesl-Karlstadt-Bogen 13 Wohnbauparzellen mit zwei Vierspännern, einem Dreispänner und einem Doppelhaus.

Für das „Soziale Wohnbaulandprogramm Bruckmühl“ sind bis Ende Februar 93 Bewerbungen eingegangen. Die Parzellen werden über eine Vertragsdauer von 99 Jahren im Rahmen eines Erbbaurechts angeboten.

Die Vergabe der Grundstücke richtet sich nach der vom Marktgemeinderat auf Grundlage der erreichten Punktzahl festgestellten Rangliste. Im Oktober hatte das Gremium das Bruckmühler „Einheimischenmodell“ an europäische Vergabebestimmungen angepasst.

Für die Vergabe wurde ein spezielles Punktesystem angewandt, bei dem es unter anderem für Ortsansässigkeit, Ehrenamt oder Zahl der Kinder Punkte gibt. In der nichtöffentlichen Marktgemeinderatssitzung am 31. März beschloss der Marktgemeinderat die Rangliste. Danach erfolgte die Zuteilung der jeweiligen Grundstücke.

In den darauffolgenden Wochen mussten die Bauwerber der Marktgemeinde eine Finanzierungsbestätigung ihres Kreditinstitutes vorlegen. Bis Ende Juli sollte ursprünglich die notarielle Verbriefung der Erbbaurechtsverträge erfolgen.

Mehr zum Thema

Kommentare