Coronavirus: Bad Aiblings Partnergemeinde Cavaion befindet sich im Ausnahmezustand

Wie leergefegt – die Straßen von Bad Aiblings Partnergemeinde Cavaion Veronese. Privat

„Unser beschauliches, geselliges und gemütliches Leben in Cavaion Veronese ist mit einem Schlag vorbei“, sagt die Dolmetscherin Sabine Bauer, die mit ihrer Familie in der Bad Aiblinger Partnergemeinde am Gardasee lebt. Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen schildert sie die dortigen Auswirkungen des Coronavirus.

Von Sabine Bauer Gallucci

Bad Aibling/Cavaion – Seit vielen Jahren verbindet die Stadt Bad Aibling und die italienische Gemeinde Cavaion Veronese am Gardasee eine Städtepartnerschaft. Gepflegt wird diese mit gegenseitigen Besuchen, fröhlichen Veranstaltungen, Italienisch-Abenden und Stammtischen des Freundeskreises „Cavaion“.

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Klar, dass die Nachrichten aus Italien über die dortige Lage angesichts der Ausbreitung des Coronavirus auch die Freunde in der Mangfallstadt umtreibt. Einblicke in das Leben in der Kommune gibt Dolmetscherin Sabine Bauer aus Cavaion. Sie ist mit einem Italiener verheiratet, lebt dort mit ihrer Familie seit 25 Jahren und ist mit Bürgermeisterin Sabrina Tramonte sehr gut befreundet.

Bericht aus der Partnergemeinde

Sie berichtet: „Unser beschauliches, geselliges und gemütliches Leben in Cavaion Veronese, das auch unsere Freunde aus Bad Aibling so schätzen, ist mit einem Schlag vorbei. Ein Gesetzesbeschluss hat Montagnacht ganz Italien in den Ausnahmezustand versetzt.

Wer nicht von zuhause aus arbeiten kann und mit dem Auto zur Arbeitsstelle fahren muss, braucht jetzt eine ‚autocertificazione‘, eine Bescheinigung, auf der genau steht, von wo man kommt, wohin man genau fährt und warum man seine Gemeinde verlässt. Nur drei Gründe berechtigen das Verlassen des Heimatortes: 1. Arbeit, 2. Gesundheit (Arzttermin), 3. dringende Gründe (unter anderem Lebensmitteleinkäufe, Pflege der Eltern et cetera).

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Alle Kindergärten, Schulen, Universitäten, Sportzentren, Schwimmbäder, Diskotheken, Pubs, Theater, Kinos, Museen und so weiter sind geschlossen. Kirchen haben geöffnet, aber es finden keine Gottesdienste statt. Beerdigungen sind nur im kleinsten Familienkreis gestattet, andere Feierlichkeiten dürfen nicht zelebriert werden.

Lebensmittelgeschäfte und Apotheken haben normale Öffnungszeiten, während Bars, Restaurants und Pizzerien nur von 6 bis 18 Uhr öffnen dürfen. Bedienung an der Theke ist nicht erlaubt – also kein Espresso mehr im Stehen – und die Tische müssen mindestens einen Meter Abstand voneinander habe n. Im Fernsehen laufen mittlerweile ständig Spots, wie man richtig Hände wäscht, dass man metergroßen Abstand halten soll und besonders wichtig: kein Händeschütteln, keine Umarmung, keine Begrüßungsküsse…

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In den letzten 48 Stunden (Stand Mittwoch, Anmerkung der Redaktion) haben in Cavaion fast alle Lokale und Geschäfte freiwillig geschlossen und immer mehr Läden schließen sich dieser Welle der Solidarität an. Keiner möchte zur Verbreitung des Virus beitragen und niemand hat richtig Lust ‚mal kurz an der Bar einen Aperitif zu trinken oder shoppen zu gehen. Viele haben ihr Lokal spontan umorganisiert und bieten nun Lieferdienste oder Take Away an.

Tagsüber ist Cavaion wie ausgestorben, aber abends wird es richtig gespenstisch: keine Jugendlichen auf knarrenden Mopeds, keine Nachbarn, die beim Heimkommen etwas lauter sind oder sich lachend von Freunden verabschieden, keine Motorengeräusche von wegfahrenden Autos.

Beim hastigen Einkaufen passt man auf, dass man niemandem zu nahe kommt, spricht einem Fremden mit einem zaghaften Lächeln Mut zu und versucht nichts anzufassen, außer dem am Eingang bereits desinfizierten Griff des Einkaufswagens. Dann nichts wie nach Hause, mindestens 40 Sekunden akkurat Hände waschen und aufatmen: In den eigen vier Wänden fühlt man sich (fast) sicher.

„Man wartet mit Grauen auf Zahlen“

Dann sitzt man zuhause – wenn man Glück hat, mit Familie oder Haustier – und wartet abends mit Grauen auf die aktualisierten Zahlen der Infizierten, gerät in Panik angesichts der hohen Todesrate und macht sich jeden Tag mehr Gedanken um die Zukunft.

Denn neben der Sorge um die Gesundheit wächst die Angst vor der finanziellen Not und den verheerenden wirtschaftlichen Folgen aufgrund der ausbleibenden Touristen und der Einschränkungen im Handel. Aber immer wieder hört man diesen aufmunternden Satz: ‚Andrà tutto bene` - Es wird alles gut werden…

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