Coronakeule trifft Tourismus in Bad Aibling: 9,5 Millionen Euro Verlust in zwei Monaten

Verweilen mit Ausblick über den Dächern von Bad Aibling: Die Stadt wirbt aktuell mit vielen Mitteln um die Rückkehr der Urlauber nach dem Lockdown.
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Verweilen mit Ausblick über den Dächern von Bad Aibling: Die Stadt wirbt aktuell mit vielen Mitteln um die Rückkehr der Urlauber nach dem Lockdown.
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Das trifft den Tourismusstandort Bad Aibling bitter: Allein im März und April sorgte der Corona-Lockdwon für 9,5 Millionen Euro Verluste durch Umsatzausfall. Doch der Kampf der Branche wird jetzt erst so richtig hart, sagt Kurdirektor Thomas Jahn.

Bad Aibling – Mit welcher Wucht die Corona-Krise die heimische Wirtschaft bisher bereits getroffen hat, macht eine Zahl deutlich, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DWIF) in seiner aktuellen Studie für den Tourismusstandort Bad Aibling ermittelt hat: Allein in den Monaten März und April verzeichnet die Branche in der Mangfallstadt durch den Umsatzausfall einen Verlust von circa 9,5 Millionen Euro. Und auch für den Mai schaut das Szenario düster aus: „„Das ist bei uns traditionell ein sehr starker Monat. Doch heuer war er quasi ein Null-Monat. Ich rechne mit sechs bis sieben Millionen, die uns da an Umsatz fehlen“, berichtete Kurdirektor Thomas Jahn dem Stadtrat in dessen jüngster Sitzung.

Gemütlich shoppen in der Innenstadt – auch damit wirbt Bad Aibling derzeit stark um seine Gäste.

Auch Besuche bei Freunden fielen weg

Neben den Übernachtenden in den gewerblichen und privaten Beherbergungsbetrieben fehlten auch die Tagesausflügler und Tagesgeschäftsreisenden. Auch der laut Jahn nicht unerhebliche Umsatz, den jene Menschen generieren, die Angehörige oder Freunde in der Stadt besuchen, fiel komplett weg.

Eine bittere Zwischenbilanz

Die bittere Zwischenbilanz, die aus den eigentlich guten DWIF-Zahlen der letzten zehn Jahre hervorgeht: „Bei den Kennziffern hatten wir seit 2009 eine Wertsteigerung von neun Prozent. Das ist eine beeindruckende Zahl. Auch in 2019 hatten wir eine tolle, große Entwicklung. Doch das alles wurde in den vergangenen drei Monaten quasi auf Null zurückgeschoben.“

Jahn betonte: „Die Nachfrage bricht ein, Existenzen stehen auf dem Spiel, ein Ende ist vorerst nicht absehbar und die Fragen, wie es nach der Krise weitergeht und welche Maßnahmen dafür erforderlich sind drängen sich auf.“

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Selbst jetzt, nach den Lockerungen, sei die Lage mehr als ernst: „Das Runterfahren war schwer, das Untensein schwierig, aber überschaubar. Doch jetzt mit dem Hochfahren und dem Warten auf Kunden – jetzt sind wir im Risiko. Jetzt ist es ein echter Kampf, da tun sich wirklich Existenzängste auf“, schilderte Jahn die aktuelle Situation vor allem in Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel.

Die Tourismusbranche sei eine große „Querschnittsbranche“. Hotellerie und Gastronomie funktionierten nicht ohne Zulieferer. Das reiche vom Bäcker und Metzger über Wäschereien bis zum Handwerksbetrieb.

Appell: „Bitte verbreiten Sie positive Stimmung“

Eindringlich appellierte er an alle: „Bitte verbreiten Sie positive Stimmung. Tragen Sie nach außen, dass Bad Aibling ein sicherer und wunderschöner Ort ist, um Urlaub zu machen.“ Dem schloss sich Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) an: „Die Botschaft nach außen lautet klar, dass hier Aufbruchstimmung herrscht, dass die Besucher willkommen sind und ihren Urlaub hier, wo Oberbayern am schönsten ist, verbringen können. Hier erkundigte sich CSU-Rat Dr. Thomas Geppert, was seitens der Stadt beziehungsweise der Aib-Kur unternommen wird, um gegen den den augenblicklichen Trend gegenzusteuern.

Einstige Stärke plötzlich als Nachteil

„Wir haben unsere Stammkunden angeschrieben, rund 30 000 Menschen. Wir gehen stark in den PR-Bereich und haben schon gute Abdrucke erhalten. Wir verhandeln mit Kooperationspartnern und versuchen, uns in unseren Hauptquellgebieten breit aufzustellen“, so Jahn. Vor der Corona-Krise seien 39 Prozent der Gäste aus Bayern – vor allem aus Franken – gekommen, aber auch aus Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. „Doch das, was uns bisher immer geholfen und uns stark gemacht hat – nämlich die großen Betriebe mit vielen Betten – das fällt uns jetzt auf die Füße, weil man erst so spät mit den Leistungen nach oben fahren konnte“, erklärt Jahn.

Womit die Stadt als Tourismusstandort bei Urlaubern punkten will

Auf die Frage, was die Stadt beziehungsweise die Aib-Kur unternehme, um bei potenziellen Urlaubsgästen nach dem Lockdown zu punkten, nannte Kurdirektor Thomas Jahn auch umfangreiche Werbemaßnahmen vor allem in den Hauptquellgebieten. Aktuell wirbt man unter anderem auch mit „sechs guten Gründen, die für einen Urlaub in Bad Aibling sprechen“. Für Naturliebhaber und Genusswanderer hat die Aib-Kur unter dem Motto „In einer Hängematte liegen und von Sterntaler träumen“ die Moorlandschaft „Sterntaler Filze“ südlich von Bad Aibling als Tipp parat.

Radln, Schlemmen, Shoppen, Golfen

Mit der Devise „Wo aus schlaffen stramme Wadln werden“ spricht man Radfreunde an, auf die ein 220 Kilometer umfassendes Radwegenetz rund um die Stadt wartet. Und all jenen, die „einmal kulinarisch auf dem Scheiterhaufen landen möchten“, wird mit Schmankerln wie Schweinsbraten, Renken oder Ziegenkäse in Karottentextur Appetit gemacht. „Sich mit gutem Gewissen wie ein König fühlen“ lautet das Schlagwort, mit dem ein Einkaufsbummel in den kleinen, feinen Geschäften geworben wird. Das „Blumenmeer für alle Sinne in einem der schönsten Kurparks Deutschlands“ und „fürstlich Golfen mit Einkehrschwung“ auf dem Golfplatz von Schloss Maxlrain runden den Sechs-Punkte-Reisekatalog ab.

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