Corona spaltet Gesellschaft

Mahnwache vor dem Bad Feilnbacher Rathaus: „Für Dialog, gegen Masken und Spaltung“

Zur Mahnwache vor dem Rathaus fanden sich zahlreiche Bürger aus Bad Feilnbach und den umliegenden Gemeinden ein.
+
Zur Mahnwache vor dem Rathaus fanden sich zahlreiche Bürger aus Bad Feilnbach und den umliegenden Gemeinden ein.
  • vonPeter Strim
    schließen
  • Eva Lagler
    Eva Lagler
    schließen

Unter dem Motto „Reden – miteinander und nicht gegeneinander!“ stand die „erste Feilnbacher Mahnwache für Frieden, Freiheit und Demokratie, gegen Impfpflicht und Masken“ am Rathausplatz des Ortes.

Bad Feilnbach– . Eingeladen hatte dazu kurzfristig eine Initiative, die sich die „Feilnbacher Spaziergänger“ nennt, unter Federführung von Tatjana Lierheimer.

Corona habe für einen Spalt in der Gesellschaft und im öffentlichen Leben gesorgt, wie Lierheimer in ihrer Begrüßung betonte. Entscheidend sei in der nächsten Zeit, das Miteinander nicht aus dem Auge zu verlieren, betonten auch einige Sprecher der „Spaziergänger“, die sich auch als Pilger- und Wandergruppe bezeichnen. Vor allem die Tage zwischen Heiligabend und Neujahr bedeuteten insbesondere für Familien und andere Gemeinschaften eine noch nie da gewesene Herausforderung.

Von Contergan-Skandal bis zu hungernden Kindern in Indien

Aus den Reihen der rund 150 Bürger aus dem Gemeindebereich sowie aus umliegenden Kommunen nutzten etliche die Möglichkeit, vor dem Mikrofon über ihre Sorgen und Anliegen – von Corona-Maßnahmen, Kritik an Maskenpflicht und dem Thema Impfstoffe über Contergan-Skandal und Existenzsorgen bis zu 5G und hungernden Kindern in Indien – zu sprechen.

Lesen Sie auch:

Aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite

Auch aus christlicher Sicht seien die kommenden Wochen eines zu erwartenden strengen Lockdowns nicht einfach, meinte Pfarrer Ernst Kögler in einer kleinen Andacht in Anlehnung an die Worte des Heiligen Paulus „Erkennt die Zeichen der Zeit, seid daher nüchtern und wachsam!“ Man müsse zusammenhalten, sich gegenseitig helfen und zuhören.

Pfarrer appelliert: „Zuhören und nicht verunglimpfen“

Kritischen Stimmen, er stelle sich als Pfarrer mit seiner Teilnahme auf eine politische Seite, hält der Geistliche entgegen, er sei gebeten worden, die Mahnwache mit einem Gebet zu eröffnen. Dasselbe würde er auch tun, wenn ihn Befürworter der Corona-Maßnahmen fragen würden. „Ich mache das unabhängig von meiner privaten Meinung, die ich natürlich auch habe. Ich halte nichts davon, sich von Personen zu distanzieren. Als Pfarrer bin ich für alle da und rede mit allen.“ Jeder habe seine Gründe und Argumente, selten habe eine Seite zu 100 Prozent Recht. So sei auch sein Fazit gewesen: „Manchem von dem, was ich gehört habe, konnte ich zustimmen, bei anderem muss ich mich selber erst informieren und bei manchem konnte ich nicht klatschen.“ Doch sein Appell laute: „Man muss einander zuhören und vermeiden, andere zu verunglimpfen. In einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft muss das möglich sein.“

Zusammenhalt war das Wort des Abends

Den Aufruf, dass sich die Bevölkerung in der Pandemie nicht auseinandertreiben lässt, könne auch er unterschreiben, sagte Bürgermeister Anton Wallner auf Anfrage. Er war am Abend der Mahnwache, zu der die Initiatoren ihn und den Gemeinderat eingeladen hatten, terminlich anderweitig gebunden, hat sich aber die Aufzeichnung angesehen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommt der zweite Corona-Ansturm? Berggemeinden der Region rüsten sich für die Wintersaison

Er bedankte sich für den friedlichen Verlauf und das vorbildliche Verhalten. Ob die Diskussion so gerechtfertigt sei, wolle er nicht kommentieren. „Richtig ist, dass wir zusammenhalten sollten. Und vor allem gemeinsam darauf hinwirken, dass die Inzidenzahlen so schnell wie möglich nach unten gehen.“

Einige Fragen blieben unbeantwortet

Die eineinhalbstündige Veranstaltung, die auch aus polizeilicher Sicht ohne besondere Vorkommnisse verlief, endete im Schein von mit bunten Sternwerfern. Nachfragen unserer Zeitung, ob und wo weitere Aktionen der „Spaziergänger“ geplant sind, wo die Initiative ihren Anfang genommen hat und welches ihre Beweggründe sind, ließ die Initiative bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Mehr zum Thema

Kommentare