Stadtratsfraktionen sind sich uneins

Corona-Leugner im Programm der Vhs Kolbermoor: Soll es Konsequenzen geben?

Was das Programm der Kolbermoorer Volkshochschule betrifft, wollen zwei Fraktionen Anträge stellen. Die Grünen wollen beispielsweise im Vorfeld über die Auswahl informiert werden, um gegebenenfalls „Einfluss nehmen“ nehmen zu können.
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Was das Programm der Kolbermoorer Volkshochschule betrifft, wollen zwei Fraktionen Anträge stellen. Die Grünen wollen beispielsweise im Vorfeld über die Auswahl informiert werden, um gegebenenfalls „Einfluss nehmen“ nehmen zu können.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Eine Vhs-Reihe in Kolbermoor soll sich „in gefährliche Nähe zu den sogenannten Corona-Leugnern begeben haben“ heißt es seitens des Bayerischen Volkshochschulverbandes. Wie es jetzt weiter geht und ob Stadtrats-Fraktionen Anträge hinsichtlich einer Vorschau aufs Programm stellen wollen, lesen Sie hier.

Kolbermoor – Die Diskussion um eine umstrittene Veranstaltungsreihe an der Kolbermoorer Vhs reißt nicht ab. Anrufe ereilen die Redaktion, Leserbriefe schneien herein. Bei der Reihe soll sich die Kolbermoorer Vhs „in gefährliche Nähe zu den sogenannten Corona-Leugnern begeben haben“, hieß es seitens des Bayerischen Volkshochschulverbandes. Auch hat die SPD-Stadträtin Dagmar Levin die Vhs-Leiterin Ulrike Sinzinger als „untragbar“ bezeichnet. Wie geht es jetzt weiter? Soll es Konsequenzen geben?

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Geht es nach SPD-Fraktionssprecherin Levin, soll seitens der SPD ein Antrag auf den Weg gebracht werden. Spruchreif sei zwar noch nichts. Nur soviel: Man wolle überlegen, wie man künftig vorgeht, was das Vhs-Programm betrifft, sagt sie auf Anfrage der OVB-Heimatzeitung.

Programm entsteht in enger Absprache mit der Stadt

Das Programm der städtischen Einrichtung sei immer in enger Absprache mit der Stadt und auch mit Christian Poitsch vom Stadtmarketing getroffen worden, erklärt Rathauschef Peter Kloo (SPD). Poitsch nennt ein Beispiel: „Fällt mir ein interessanter Redner auf, gebe ich das weiter an die Vhs.“

Allerdings habe es auch mal den Vorschlag seitens der Vhs gegeben, eine NSU-Themenreihe zu veranstalten. „Das habe ich abgelehnt. Das war zu politisch“, sagt Bürgermeister Peter Kloo. Somit war das vom Tisch. Kloo erklärt, dass er aufgrund der derzeitigen Diskussionen viele Zuschriften erhalten habe, die durchweg positiv waren, was die Programmreihe betrifft – „nur eine war kritisch“, erklärt er.

Grüne wollen Antrag stellen

Andrea Rosner, Grünen-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, sagt auf Anfrage, dass man mündlich beantragen wolle, einen Blick in das Programm der Vhs zu werfen, bevor es erscheint. Kurz: Man möchte vorher wissen, was ansteht und „drüberschauen, um dann eventuell Einfluss nehmen zu können“, erklärt Rosner.

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Schließlich ist „der Pfad der Neutralität und Vielfalt bei dieser Veranstaltungsreihe nicht gewahrt worden“, sagt sie. „Ja, dieser Pfad sei hinsichtlich der Seriosität bei einem geplanten Vortrag von Franz Ruppert verloren gegangen“, erklärt Rosner. Dieser Vortrag fiel coronabedingt aus.

CSU und Parteifreie Kolbermoor: Nichts angedacht

Einen Antrag stellen will auch die AfD. Der Inhalt soll lauten: „Der Stadtrat soll nicht über das Programm der Volkshochschule entscheiden“, sagt Kolbermoorer AfD-Sprecher Christian Demmel. Schließlich soll die Leitung nicht beschnitten werden.

Bei den Parteifreien Kolbermoor ist „nichts angedacht“ hinsichtlich eines Antrages. Und dabei soll es laut Fraktionsvorsitzendem Dieter Kannengießer auch bleiben. Ebenso schaut es bei der Kolbermoorer CSU-Stadtratsfraktion aus: „Es ist nicht geplant, einen Antrag auf den Weg zu bringen“, sagt Fraktionsvorsitzender Leonhard Sedlbauer. Die Kolbermoorer FDP war telefonisch nicht zu erreichen.

Bayerische Volkshochschulverband lässt Fragen offen

Was sagt der Bayerische Volkshochschulverband? „Wir greifen nicht direktiv in die Programmgestaltung der Volkshochschulen ein“, teilt Sprecherin Lena Pirzer auf Anfrage schriftlich mit. Aber: „Den Dialog mit den Verantwortlichen vor Ort werden wir intern weiterführen.“ Was das konkret heißt, teilt der Verband nicht mit. Und auch die Frage, ob es an anderen Volkshochschulen in Bayern ähnliche Vorfälle gegeben habe, lässt der Verband unbeantwortet.

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Vhs-Leiterin Ulrike Sinzinger sagt auf Anfrage, dass sie hinsichtlich der Aussage „sie sei untragbar“ nichts sagen möchte. Erklärt aber: „Ich habe versucht, Dinge, von denen ich vermute, dass sie von Interesse sind, zur Diskussion zu stellen.“

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